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Neues Programm des Theater Überzwerg

Neues Programm des Theater Überzwerg : Mobbing, Märchen und „Mädchen wie die“

Das Saarbrücker Kinder- und Jugendtheater Überzwerg hat seine neue Spielzeit vorgestellt – und eine zwiespältige Bilanz der vorigen gezogen.

Geschichtsunterricht. Die Lehrerin spricht über die Frauenbewegung. Für Scarlett wird die Stunde zum Alptraum: Ihr Ex-Freund schickt ein Nacktfoto der 16-Jährigen an Mitschüler, wenig später kennt es die ganze Schule. Das vernichtende Urteil: „Schlampe!“ Wieso wenden sich selbst gute Freundinnen von Scarlett ab – und warum reagieren alle auf ein wenig später auftauchendes Nacktbild eines Jungen völlig anders? Schwierige, in Zeiten von #Metoo hochaktuelle Fragen, die das Cybermobbing-Stück „Mädchen wie die“ aufwirft, das am 28. September im Saarbrücker Theater Überzwerg Premiere feiert. Schwierige Fragen hat man hier allerdings noch nie gescheut: Seit über 40 Jahren bemüht man sich, für Kinder und Jugendliche spannende Themen am Puls der Zeit zu präsentieren.

Gestern hat das Theater seinen neuen Spielplan vorgestellt – und dabei auch Bilanz gezogen. Die fällt durchaus zwiespältig aus: In der Saison 2017/18 verzeichnete das Überzwerg mit 13 934 Besuchern fast 2000 weniger als im Vorjahr. Dieses Minus erklärt sich für die Theatermacher durch die eingebrochenen Gastspiel-Zahlen. Den Grund, weshalb das Ensemble des Überzwerg nicht mehr so häufig auswärts gebucht wird, liefert Christoph Dewes; er wechselt nach 20 Jahren in der  Dramaturgie und in der Öffentlichkeitsarbeit in die Geschäftsführung und löst Detlef Kraemer ab, der Ende des Jahres in Rente geht. Dewes:  „Wir sind den Veranstaltern zu anstrengend.“ Bei den Aufführungen achte man auf eine sinnvolle Altersbegrenzung und Zuschauerzahl, was viele Veranstalter (mit Blick auf die erhofften Einnahmen) abschrecke.

Trotzdem hält das Theater Überzwerg an seinen Prinzipien fest: „Man kann keine Zwölfjährigen in ein Stück ab vier Jahren setzen, da meckern die doch schon vor dem Einlass!“, sagt Bob Ziegenbalg, langjähriger künstlerischer Leiter des Überzwerg. Auch könnten gerade jüngere Kinder von einem zu großen Publikum eingeschüchtert werden. Das möchte man ihnen nicht zumuten, Finanzen hin oder her.

Dabei sind die Mittel knapp. Der vom Land gewährte jährliche Zuschuss von 850 000 Euro reicht nicht, um eine zweite Vollzeitstelle für die theaterpädagogischen Aktivitäten zu schaffen. Neben Workshops für Schüler bietet das Überzwerg Weiterbildungen für Lehrer oder Schauspiel-Clubs für Kinder und Jugendliche an. Die Teilnehmerzahlen hierzu seien regelrecht explodiert, weshalb die Leitung trotzdem eine positive Bilanz der Spielzeit 2017/18 zieht.

Aber was bietet nun die kommende Saison? Neben „Mädchen wie die“, das 2016 für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert war, ist mit „Die Zertrennlichen“ der aktuelle Preisträger des Deutschen Kindertheaterpreises ab 1. März 2020 neu im Programm. In dem Stück aus Frankreich müssen zwei Kinder ihre Freundschaft (und zart aufkeimende Liebe) gegen die rassistischen Vorurteile ihrer Eltern verteidigen. Für die kleinen Zuschauer ab vier Jahren wird im Oktober „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ gespielt. Der Klassiker über friedliches Miteinander in Zeiten der Not fehlt in keiner gutsortierten Kindergarten-Bibliothek.

„Eine manchmal heitere und manchmal traurige Geschichte“ verspricht das Monologstück „Schlafen Fische?“, in dem die zehnjährige Protagonistin den Tod ihres kleinen Bruders verarbeitet. Seine Uraufführung feiert das Stück voraussichtlich im Februar 2020.

Mit Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“ wird es wieder brandaktuell: Bob Ziegenbalg zieht in seiner Neufassung des Kunstmärchens um einen Monarchen, dessen dumme Eitelkeit schließlich von einem Kind demaskiert wird, Parallelen zur „Fridays for Future“-Bewegung. Ein Thema, bei dem seine Augen gefährlich zu funkeln beginnen. Man darf gespannt sein auf die Premiere, die allerdings erst für den 28. Juni 2020 angesetzt ist.

Kostproben der neuen Stücke präsentiert das Überzwerg auf seinem Hoffest am Samstag: Neben Zauberern, Mitmach-Spielen und einer Tombola gibt es dort auch die von Nachwuchskünstler Jonas Mayer (in Kooperation mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar) neu gestaltete Außenwand des Theaters zu sehen. Diese zeigt berühmte Kinder der Weltliteratur. Interessierte (und ihre Eltern) sind herzlich eingeladen.

Informationen und Kontakt unter
www.ueberzwerg.de