Neues Mahnmal des in Wiebelskirchen lebenden japanischen Künstlers Seiji Kimoto

Bildende Kunst : Der geistige und der leidende Kopf

Seiji Kimoto, der in Wiebelskirchen lebt, hat ein Mahnmal zu Ehren der Opfer des Loibl-Tunnels errichtet.

„Mein künstlerisches Anliegen ist das Bewusstmachen dessen, was Menschen Menschen antun können, vor allem, wenn die Menschenrechtsverletzung politisch legitimiert ist.“ Das sagt der japanisch-deutsche Bildhauer und Kalligraph Seiji Kimoto über seine Motivation, immer wieder Mahnmale für Stätten des Grauens zu konzipieren.

„Es mir wichtig, die Würde der unzähligen Opfer, die unter Erniedrigungen, Misshandlungen, unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen und medizinischen Experimenten litten und zu Tode kamen, zu ehren. Aber auch, vor allem der nachfolgenden Generation durch den Transfer in unsere Zeit bewusst zu machen, was aus rassistischen, ausgrenzenden Ideologien an menschlichem Leid und Schuld entstehen kann. Meine Skulpturen sollen individuelle Schuld und individuelles Leid universal nachfühlbar machen.“ Nun hat der Künstler mit Wahlwohnsitz Wiebelskirchen erneut ein Mahnmal gestaltet, zu Ehren der Opfer des Loibl-Tunnels zwischen Slowenien und Österreich. Für den Bau (1942-1945) versklavte die NS-Verwaltung Häftlinge und Kriegsgefangene aus dem ehemaligen KZ Mauthausen und französische Fremdarbeiter. Viele dieser Zwangsarbeiter starben infolge der grausamen Bedingungen; erkrankte Häftlinge wurden ins KZ zurückgeschickt und dort ermordet. Während auf slowenischer Seite ein Denkmal an die Opfer erinnerte, gab es auf der österreichischen Nordseite bislang nur zwei Gedenktafeln am Tunnelportal.

Das ändert sich jetzt: Am Mittwoch, 22. Mai, wird Kimotos Kunstinstallation „Unvergessen – Ungebrochen“ auf dem Zollamtsvorplatz des Tunnels Loibl Nord in Kärnten eingeweiht. Seiji Kimoto, geboren 1937 in Osaka, studierte in seiner Heimat Innenarchitektur und Zen-Malerei. Von 1961 bis 1967 war er als Innenarchitekt tätig, 1968 begann er sein Studium bei Boris Kleint an der Kunsthochschule Saarbrücken und ist seit 1971 freischaffend. Kimoto ist Mitbegründer der Gruppe 7 und Gründungsmitglied des BBK (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) Saarland sowie des Saarländischen Künstlerhauses. Religion spiele in seinem Werk keine Rolle, sagt Kimoto, wohl aber Spiritualität – „in dem Sinn, dass ich an die Kraft des Geistigen im Menschen, an seine unzerstörbare Würde selbst unter gewaltsamen äußeren Bedingungen glaube.“ Dies findet seinen symbolischen Ausdruck auch in der menschlichen Figur der dreiteiligen Kunstinstallation auf dem Loibl, bei der über dem gebeugten, leidenden Kopf ein zweiter, nach oben gerichteter, quasi „geistiger“ Kopf erscheint.

Seine Innenraum-Skulpturen arbeitet Kimoto aus Holz, dem er durch bestimmte Brenntechniken ein metallisches beziehungsweise keramikähnliches Aussehen gibt. Die Außenskulpturen dagegen sind ausschließlich aus Metall gefertigt. Das Motiv des Seils setzt Kimoto dabei bewusst als Bildelement ein, in der Doppelbedeutung Henkerstrick-Rettungsseil respektive Nabelschnur. Kimoto: „Diese Doppelfunktion des Bindens, Verbindens und Fesselns hat mich in ihrer Ambivalenz von jeher fasziniert.“

Zu Kimotos Werk gehören jedoch nicht nur Skulpturen aus dem Zyklus „Macht und Ohnmacht“ und sogenannte mediative Werke, sondern auch Papierarbeiten wie Tuschbilder und Kalligrafien, die seiner kulturellen Herkunft geschuldet sind. Kalligrafische Zeichen hörbar zu machen, in gleichberechtigter Korrespondenz mit Musik, das ist sein Anliegen bei „Raku-Sho“ (Klingende Zeichen) – eine Erweiterung seiner Ausdrucksformen, die Kimoto zusammen mit dem Kontrabassisten Rudolf Schaaf umsetzt.

www.kimoto.eu

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