Lesung : „Mathe ist Scheiße, Musik ist schön“

Wie ein saarländischer Achtklässler zu einer Widmung von Ulrich Tukur im Schulheft kam.

Haben Sie sich nicht auch schon mal gefragt, was Schriftsteller beim Signieren in Bücher schreiben? Also in jene Bände, die andere ihnen hinlegen. Meist Schlichtes wie „Für Tanja“, „Kevin“ oder „Chantalle“. Oder „Für Onkel Paul“ – immer seltener. Manchmal notiert der Dichter sogar noch’ n Gedicht auf die unbedruckte Seite zwei. Heinz Erhardt war berühmt dafür. Doch selbst Luthers Vordenker Philipp Melanchthon signierte vor 500 Jahren schon Schriften, in Altgriechisch wie es sich für den Praeceptor Germaniae gehörte.

Auch Ulrich Tukur musste am Sonntag in reichlich Bücher seinen Namen setzen. Nach seiner Lesung in der Saarbrücker Congresshalle war die Schlange lang. Der gut aufgelegte Ausnahme-Schauspieler, Musiker und Autor signierte seinen aktuellen Roman „Ursprung der Welt“ – aber auch sonst fast alles, was Gäste der Lesung zufällig dabei hatten. Eine Besucherin hatte etwa das (leicht nachbesserungswürdige) Mathe-Heft ihres Neffen unterm Arm. Was denn mit dem Heft sei; ob er da auch ’was reinschreiben solle?, fragte Tukur prompt. Zwar war die Dame irritiert, rückte aber dann doch das Heft raus. Und der Autor verewigte sich mit den Sätzen: „Mathe ist Scheiße, Musik ist schön, Lesen ist wichtig! Dein Ulrich Tukur“. Und notierte dazu noch die erste binomische Formel.

Ulrich Tukur las am Sonntag in der Saarbrücker Congresshalle. Foto: dpa/Arne Dedert

Also Tukur – nicht bloß ein grandiser Mime und Dichter, sondern auch noch ein kühler Rechner? Nein, denn was man daraus lernen kann, ist Folgendes. Erstens: So einen Eintrag hat garantiert sonst kein Achtklässler in seinem Heft. Zweitens: Man kann auch ohne Mathe weit kommen. Denn drittens: Auch Ulrich Tukur wusste die Formel nicht (mehr )und musste sie sich erst aufsagen lassen.