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Musikfestval Saar geht mit Führungstrio in Saarbrücken an den Start

Trio übernimmt den Taktstock : Neues Musikfestival Saar will „Stars von morgen“ bringen und Mitmach-Formate bieten

Nicole Johänntgen, Sebastian Studnitzky und Julien Quentin überzeugten mit ihrem Konzept.

Jung, urban, großregional, Musikstil-übergreifend – so sah der grobe Rahmen für die Konzepte aus, mit denen sich zwölf Bewerber um die Leitung des neuen Musikfestivals Saar bewarben, das einen Etat von rund 800 00 Euro hat. Drei kamen in die engste Wahl, stellten sich am Mittwoch der vierköpfigen Jury, ließen ihre Ideen auf Machbarkeit prüfen. Gewonnen hat ein Trio mit einer Saarländerin an der Spitze: Die bekannte Saxophonistin und Musiklehrerin Nicole Johänntgen (37) tritt zusammen mit dem international etablierten Berliner Jazztrompeter und „XJAZZ“-Festivalmacher Sebastian Studnitzky (47) an und haben auch noch einen Klassik-Spezialisten und Kammermusiker mit an Bord: Julien Quentin.
Das Trio überzeugte die vierköpfige Jury durch den nicht-elitären Ansatz, aber offensichtlich auch durch die Emotionalität, mit der insbesondere Johänntgen ihr Anliegen verkaufte. „Sie brennen für ihr Projekt“, sagte Jurysprecher Hans Peter Schneider. Sein Jury-Kollege Patrice Hourbette hob gegenüber der SZ hervor: „Das Festivalteam möchte ungewöhnlich offensiv auf die Menschen zugehen, das ist ein neuer Ansatz.“ Dieser Aspekt spielte dann auch bei Johänntgens Äußerungen gegenüber den Medien eine herausgehobene Rolle. Nicht nur Musikstil-übergreifend, sondern auch schichtenübergreifend beschrieb sie das Profil des neuen Festivals, für das es noch keinen Namen gibt. „Wir möchten an Menschen herankommen, die sonst weniger mit Kultur in Kontakt sind. Wir werden dorthin gehen, wo die Menschen sind“, sagte die aus Fischbach stammende und jetzt in Zürich lebende Musikerin. Ihr Festival versteht sie weniger als Konzert-Reihe denn als ein Instrument für musikalische Weiterbildung. Für Kinder und Jugendliche will sie jenseits der klassischen Kinderkonzerte Mitmach-Formate bieten.

Menschen zusammenzubringen, Laien mit Musikern, aber auch Musiker verschiedener Stilrichtungen, ist Johänntgen ein Hauptanliegen. Sie schließt nicht aus, dass populäre und große Namen im Programm auftauchen werden, jedoch liege das Augenmerk auf den „Stars von morgen“. Man sei mit Labels im Gespräch, um letztere aufzuspüren, so Johänntgen. Sie trat unmittelbar nach der Jurysitzung ohne ihren Festivalpartner Studnitzky vor die Presse, denn der hatte wegen terminlicher Verpflichtungen die Juryentscheidung nicht mehr abwarten können. Außerdem sagte Johänntgen, sie wolle durch das Festival „etwas über das Saarland und seine Geschichte erzählen“. Ihr sei wichtig, während des Festivals „gute Stimmung weiterzutragen“, Menschen damit anzustecken, so dass „ein Magnetismus stattfindet.“ Das Festival, das auch Brücken zu anderen Künsten (Theater, Bildende Kunst, Literatur) schlagen soll, wird sich auf Saarbrücken konzentrieren und ungewöhnliche Spielorte miteinbeziehen. Als Beispiel nannte die Musikerin den Hauptbahnhof oder ein Schiff. Um den Festival-Newcomer schon vor dem eigentlichen Start bekannt zu machen, plant Johänntgen monatliche Events, die bereits in diesem Jahr beginnen sollen.

Kultusminister Ulrich Commercon, der nicht Teil der Jury war, hob hervor, dass ihm insbesondere die zentrale Idee imponiere, Menschen in einen Austausch zu bringen. Unter den Bewerbungen seien auch viele nicht-saarländische Teams gewesen, so der Minister.

Freilich waren alle drei Teams, die es in die letzte Juryrunde geschafft hatten, regional verankert. Zwar sollten die Bewerber-Namen nicht publik werden, jedoch hörte man, dass neben Johänntgen/Studnitzky auch eine luxemburgische Bewerberin angetreten war, die zuvor im Saarland beruflich tätig war. Zudem sichtete man den Saarbrücker Jazzprofessor Oliver Strauch in der Saarbrücker Villa Europa, wo er zusammen mit einem Partner auf die Jury-Entscheidung wartete. Bernhard Leonardy jedoch, der Chef der verjüngten und neu konzipierten Musikfestspiele Saar, hatte sich nach eigener Auskunft nicht beworben.

Die Neugründung Commercons ist umstritten. Sie gilt als Konkurrenzunternehmung zu den traditionsreichen Musikfestspielen Saar, die keine Landesunterstützung mehr bekommen. 2017 hatte der Minister bereits ein Popfestival („Colors of Pop“) initiiert, das weit hinter den Erwartungen zurück blieb. Der aus dem Saarland stammende Festivalchef Thilo Ziegler, Veranstalter von „Rocco del Schlacko“ oder des „Electromagnetic“-Festivals, musste gehen.