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Musikfestspiele Saar: Wie Star-Geigerin Baiba Skride in Saarbrücken glänzte

Kammermusik mit Star-Geigerin Baiba Skride : Orchestraler Klangrausch im Kirchenraum

Kammermusik in der Kirche „Maria Königin“: Mit der lettischen Violinistin Baiba Skride boten die Musikfestspiele Saar ein ungewöhnliches Hörerlebnis.

Die Musikfestspiele Saar waren am Samstag mit Kammermusik zu Gast in der Kirche „Maria Königin“ auf dem Saarbrücker Rotenbühl. Das Gotteshaus, von Architekt Rudolf Schwarz als monumentaler, hoch aufragender Sandstein-Beton-Glasbau entworfen und 1959 eingeweiht, scheint wegen seines üppigen Nachhalls nicht für intime Kammermusik geeignet. Doch welche Überraschung: Was mit der lettischen Geigerin Baiba Skride und ihren Quartettfreunden zu erleben war, wurde eine neue Hörerfahrung.

Antonín Dvořák war der Abend gewidmet, mit dem Streichquartett G-Dur op.106 begann er. „Mir sind selten die Themen so vorbildlich und buchstäblich zugeflossen“, bekannte Dvořák. Das mit höchster Meisterschaft in artifizieller Verarbeitung gestaltete, avanciert angelegte Werk bietet den Spielern eine große Bandbreite zur klanglichen und emotionalen Gestaltung. Baiba Skride nutze sie mit lebendigem, süßem Ton, Hans Liviabella (2.Violine) mit warmer Eleganz, Bratschist Ivan Vukćević mit samtiger Fülle und Cellistin Harriet Krijgh kraftvoll grundierend, mit energischem Bogen. Frappierende Intensität, weitgespannte Dynamik und Temperament wurden für das Kantige und auch das Lyrische eingesetzt. Da mussten dann schon mal ein paar Bogenhaare geopfert werden. Aber was für ein Erlebnis, wenn sich der Piano-Klang mystisch aus dem Nachhall-Nebel hob, sich zum Forte auftürmte bis hinauf in die Höhe des Kirchenraumes. Es war zu spüren, wie die Musiker inspiriert waren durch die ungewohnte Akustik, empathisch aufeinander hörten und gestalteten. Ein prächtiges Klangerlebnis.

Zum Klavierquintett A-Dur op.81 ergänzte die Pianistin Magda Amara das Ensemble. Sie integrierte sich vorbildlich, gab ihrem Part feingliedrige Struktur, ohne Dominanz. Das Quintett gehört zu den meist gerühmten Werken Dvořàks, ja des klassisch-romantischen Repertoires. Man spürt darin gelöste Schaffensfreude, die sich in vitaler Rhythmik, blühender Melodik, reichen Stimmungs-Schattierungen und brillanten Klangeffekten äußert. Es wurde ein schier orchestraler Klangrausch, den das Ensemble in den Kirchenraum zauberte. Bei aller Individualität gelang das Zusammenspiel wie aus einem Guss, mit sprudelndem Temperament, feinsinnigen Soli von Viola und Violoncello in der „Dumka“ und einem polyphon durchwirkten, unbeschwerten Finale. Nach reichem Beifall dann nochmals das „Scherzo“. Insgesamt ein Klangabenteuer, emotional, expressiv, aufregend, überzeugend. Ein ungewöhnliches Hörerlebnis.