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Musikfestspiele Saar widmen sich vom 9. Mai bis 6. Juni dem Thema Natur

Musikfestspiele Saar : Die neue Natur der Musikfestspiele Saar

Konzentriert auf das Thema „Natur“ präsentiert sich das Saar-Festival vom 9. Mai bis 5. Juni. Und: Man probiert viele neue Formate und auch einen Festivalclub aus.

Von neuen „Brücken in Europa“ ist Freitag die Rede, diesem Morgen vor der Brexit-Nacht, in der Europa bröckelt. Aber auch von der Klimakrise und der Schicksalsfrage: Gibt es für die alten Industrien, die ja das Saarland prägten, noch Zukunft? Natur versus Arbeitswelt also, schärfer formuliert Kapitalismus. Dazu geht’s über Brücken zwischen den Generationen. Auch von Klassik-Liebhabern und jenen, die’s noch werden sollen, parliert Musikfestspiel-Intendant Bernhard Leonardy im Schummerlicht der Vöklinger Gebläsehalle, innerlich aber strahlend. Ach so: das deutsch-französische Musikfestival will man auch noch sein...

Donnerwetter: Der ideologische Überbau tönt gewaltig für ein nur vierwöchiges Festival. Klingt fast, als hänge man noch dem Marx-Jahr nach, statt aktuell das Beethoven-Jubiläum zu zelebrieren. Auch die Verkündigungslokalität ist danach: Zwischen den Gebläsemaschinen des Völklinger Welterbes beschwört die Doppelspitze des Festivals, Leonardy und Eva Karolina Behr, viel, was die rund 15 Konzerte thematisch unterfüttern soll. Von denen eines einem allerdings bei einer Orchideenwanderung im Bliesgau die Flötentöne beibringen soll (16. Mai). Und ein weiteres zum Picknick mit „buntem musikalischen Programm“ (so der Festivalflyer) am 21. Mai in den Deutsch-Französischen-Garten lockt. Gerät die Basis nicht arg schmal?

Andererseits: Es gibt sie ja, die Ankerpunkte im Fundament. Das eigentliche Eröffnungskonzert am 15. Mai mit dem Orchestre National de Lorraine unter Stefan Veselka gehört dazu, ebenso wie das Finale mit einem Konzert in der Völklinger Hütte und einer aber „naturnah“ spielenden Deutschen Radio Philharmonie. Schließlich steht Beethovens heiter-ländliche Sechste, die „Pastorale“, und Ives Sinfonie Nr. 3 an. Wie schon im Vorjahr sucht man für dieses Konzert auch die Kooperation zu „Fridays for Future“. Dazu kommt das erstklassige britische A-Cappella-Ensemble Voces 8 (17. Mai), das BBC-Philharmonic-Orchestra und Top-Cellist Jan Vogler gastieren in der Alten Schmelz (23. Mai) in St. Ingbert, und das Grau-Schumacher-Duo wird mit Schauspieler Ulrich Noethen ein Werk des Saarbrücker Musikhochschul-Professors Stefan Litwin uraufführen (24. Mai) – frei nach Jean Paul. Leonardy höchstselbst formiert überdies gerade einen Festspielchor und ein Orchester, um im Deutsch-Französischen-Garten Haydns „Schöpfung“ (20. Mai) aufzuführen. Es grünt so grün.

Und schaut man mal in die Programme, staunt man: Derart intensiv wurde zuvor bei den Saar-Festspielen nie konzeptuell geplant; Werke tatsächlich an einem Thema fixiert. „Die Natur in der Musik“ wird in diesem Programm fürwahr zum Leitmotiv. Das ist erfreulich neu, wie noch so manches. Vom alten Design hat man sich verabschiedet. Klarer, puristischer wirkt das neue. So offen und kooperativ wie jetzt, war das Festival früher auch nicht. Leonardy spricht gar von 100 „Kooperatoren“: Firmen, Verbänden, Kommunen, Institutionen Medien, die alle unterstützen. Die Musikfestspiele – ein großes Alle-an-einem-Strang-Projekt also? Sieht so aus.

„Leider geben nicht alle Geld“, bedauert Leonardy, „aber alle sehr viel Engagement“. Die Finanzen bleiben halt die Achillesferse. Bei rund 400 000 Euro liegt der Gesamtetat nun. Und mit „6 000 Tickets“ gehe man in den Verkauf, erläutert Behr. Bei Preisen von 15 Euro bis maximal 50 Euro, lässt sich leicht ausrechnen, dass Sponsoren, der 900 Mitglieder mächtige Förderverein und auch öffentliches Geld lebenswichtig sind. Von Land wie Saar-Toto gebe es Zusagen, betont Leonardy. Speziell vom Wirtschaftsministerium bekomme man Hilfe, um für das Festival auch außerhalb des Landes zu werben. Was nach dem leidigen Mittelkürzungsstreit früherer Tage sicher ein positives Signal setzt.

Überhaupt führe „man gute Gespräche mit der Staatskanzlei und Ministerien“, meint der Intendant. Dennoch muss der Publikumszuspruch auch dieses Mal vom 9. Mai bis 5. Juni annähernd so gut sein wie im Jahr zuvor, damit die Kalkulation aufgeht. „96 Prozent Auslastung“ waren es 2019, so Behr. Und rund 11 000 Gäste. Diesen Sommer werden es aber weniger Besucher sein, da nach dem neuen Turnus die Musikfestspiele jedes Jahr präsent sind, und auf ein üppigeres Konzertjahr (2019) nun ein etwas schmäleres folgt. Ziemlich neu ist auch, dass kleine Konzerte bei Privatleuten – „Concerts de poche“ – das Angebot bereichern, man noch mehr für Kinder bietet, die Konzertorte grenzüberschreitend wählte und es nach einigen Konzerten sogar einen Festivalclub gibt. Gleich fünf Préludes, fünf Vorkonzerte machen zudem vom 9. Mai an Lust aufs Festival. Es hat sich also ganz schön was getan.

Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, 3. Februar. Informationen unter Tel. (06 81) 97 61 00.

Cellist Jan Vogler tritt mit dem BBC Philharmonic auf. Foto: Felix Broede/Musikfestspiele Saar/Felix Broede

www.musikfestspiele-saar.de