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Musikfestspiele Saar: Finale mit Bundesjazzorchester in Brebach

Junge Top-Jazzer : Feuriger junger Jazz in der kalten Brebacher Halle

Finale bei den Musikfestspielen Saar: Mit seinem Konzert in den ehemaligen Gusswerken Saarbrücken glänzte das Bundesjazzorchester.

Stummfilm mit Live-Musik? Da sind wir im Saarland dank diverser Projekte verwöhnt. Um einen Film kommt man in dem Genre schlicht nicht herum: Robert Wienes Gruselstreifen „Das Cabinet des Doktor Caligari“, ein expressionistisches Meisterwerk aus dem Jahr 1920.

Am Dienstag war dieser Meilenstein beim großen Finale der Musikfestspiele Saar zu sehen, und „groß“ darf man gerne wörtlich nehmen: Das Festival dehnte das Kinokonzert in gleich mehrerlei Hinsicht auf XXL-Format. Gigantisch war allein schon der Schauplatz, die zugige Fabrikhalle der 2020 stillgelegten Gusswerke Saarbrücken in Brebach. Dann die Musiker – keine Band, nein, eine Big Band, das Bundesjazzorchester nämlich, plus Vokalquartett. 1988 von Peter Herbolzheimer gegründet, gilt das Bujazzo als Ausbildungsorgan des deutschen Blue-Note-Nachwuchses und brachte Größen wie Till Brönner oder Michael Wollny hervor.

Obendrein wurde das energisch aufspielende Orchester (Leitung: Niels Klein) von zwei stattlichen Leinwänden flankiert. Improvisiert wurde freilich wenig: Der Jazznachwuchs präsentierte Wienes Klassiker in einer Auftrags-Komposition des Hollywood-Komponisten Jeff Beal („House of Cards“) und lotete dabei ein Spannungsfeld von Swing bis Rock aus – mit griffigen Leitmotiven, knackigen Breaks, glockengleich klingendem E-Piano, psychedelischer E-Gitarre und sprechenden Bläser-Soli.

Mit seinem Projekt namens „Klingende Utopien“, bei dem parallel auch neu vertonte, animierte Reklamefilme aus der ehemaligen Berliner Werbeagentur Julius Pinschewer gezeigt werden, beteiligt sich das Bujazzo am bundesweiten Themenjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“. In die Verknüpfung jüdischer Film-Avantgarde von gestern mit orchestralem Jazz von heute musste man sich hier freilich erst einhören, weil der wuchtige Breitwandsound intimere Film-Szenen oft schier zu erschlagen drohte. Zudem tönte es im akustisch heiklen, weil steinernen Ambiente teils recht scharf und hart, während die Gesangstexte kaum zu verstehen waren. Insgesamt jedoch eine feurige Sache, die der kalten Hütte tüchtig einheizte.