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Mit Bernd Glemser und Felix Klieser

Kammermusiktage Mettlach : Im Zeltpalast unter Beethovens Mondschein

Die Kammermusiktage Mettlach haben am Wochenende zwei herausragende Konzerte geboten.

Die „Mondschein-Sonate“ in der Sonntags-Matinée der Kammermusiktage im Zeltpalast: Ludwig van Beethovens opus 27 Nr. 2 in cis-moll, von ihm nur als „Sonata quasi una fantasia“ bezeichnet, spannt einen Bogen von inniger Intensität bis zum „Presto agitato“ voller Wut, Verzweiflung und Auflehnung. Am Flügel Bernd Glemser, der als Stammgast immer für ein ausverkauftes Haus steht. Sein Interpretationskonzept ist Klarheit, kraftvolle Strukturen, keine Gefühligkeit, sondern fein dosierte Emotionen. Der direkte, knackig-frische Klang des Yamaha-Flügels durch alle Lagen kam ihm sicherlich entgegen. Auch bei Franz Schuberts a-moll-Sonate D 845, in deren Ecksätzen mit den sprichwörtlichen „Schubertschen Längen“ Motive und Themen vielfältig gedreht und gewendet, neu beleuchtet und variiert werden.

Charakteristisch sind die hämmernden Motive und die dazwischen fahrenden Schläge, ganz im Gegensatz zum poetischen Variationen-Andante. Mit stupender Technik gelang Glemser eine beeindruckend werktreue Interpretation. Das tragische Schicksal eines litauischen Volkshelden erzählt die g-moll-Ballade von Frédéric Chopin. Mit wirkungsvollen Steigerungen, brausendem Laufwerk, rasend niederbrechenden Oktavläufen. Im Kontrast dazu die beiden Nocturnes opus 27 mit zum Licht strebenden Steigerungen, weiten Kantilenen und bestrickenden Arabesken. Chopin klar und durchsichtig ausgebreitet, ohne viel rechtes Pedal und übersteigerten Gefühlen.

Zum Schluss Liszts „Mephisto-Walzer“, „das“ Paradestück aller Klavier-Virtuosen. Dieser „Tanz in der Dorfschenke“, nach Lenaus Faust-Dichtung, ist von packender Suggestivität: Mit peitschenden Themen, flirrenden Trillern, frenetischen Steigerungen, bacchantischer Lust. Das Publikum riss es schier von den Stühlen. Beifall und Zugaben: ein flirrendes Charakterstück und ein meditativer Bach-Choral in Busonis Bearbeitung. So rundete sich das pia­nistische Feuerwerk.

Mit Beethovens Streichquartett op.18/3 hatte am Samstag das „Zemlinsky-Quartett“ im Zeltpalast ein weiteres Konzert der Kammermusiktage gegeben. Noch bewegt sich Beethoven da im Rahmen damals üblicher anspruchsvoller Spielmusik: Kontrastreich in den Themen, temperamentvoll im Gestus und handwerklich kunstvoll in der Struktur, wie er es bei seinem Lehrer Joseph Haydn gelernt hatte. Die Anforderungen an die Streicher sind beachtlich. Auffallend war der obertonreiche Klang der Violine des Primarius, der sich abhob von der gedeckteren Tongebung der anderen Drei. Eine nicht immer ganz organische Dominanz.

Zum Streicher-Ensemble trat der Hornist Felix Klieser, der, armlos geboren, die Ventile seines Instrumentes mit den linken Zehen bedient. Die Tongestaltung meistert er mit seinem Atem und seinen Lippen. Der preisgekrönte 29-Jährige hat es in die Spitzengruppe der Hornisten geschafft und sieht sich als „musicus inter pares“. Das Waldhorn ist das am schwierigsten zu spielende Blechblasinstrument, ein wenig davon ist auch bei Kliesers Spiel zu hören. Mit kess-charmanter Anmoderation stimmte er auf drei der vier Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart ein: KV 417, 447 und 495, alle in Es-Dur, die Mozart, bedrängt vom befreundeten Joseph Leutgeb, für diesen geschrieben hat. Mit Anekdoten aus beider Verhältnis garnierte Klieser seine Erklärungen.

Für seinen Solopart fehlte zwar das weiche Bett des Orchesterklangs, den das Streichquartett aber mit dünnerer Decke hinreichend ersetzte. Klieser wollte wohl dem Naturhorn-Klang nahe kommen, mit rustikal-geradem Ton, der oft ans Schmettern heranreichte, dennoch in den langsamen Sätzen ahnen ließ, wie weich und kantabel das Horn dann in der Romantik wurde. Im letzten Rondo, wiederholt als Zugabe, zeigte Klieser, dass er es wirklich drauf hat.