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Merziger Teltpalastchef Joachim Arnold fordert Entschädigung für Kulturmacher

Merziger Zeltpalast : „Es gibt leider keinen Rechtsanspruch auf Hilfe“

Auch der Merziger Zeltpalastchef Joachim Arnold meldet sich bei der Anhörung zum Covid-19-Maßnahmegesetz zur Wort. Er fordert Entschädigung für Kulturmacher.    

Krisen kennt der Merziger Kulturunternehmer Joachim Arnold zur Genüge. Kaum einer macht hierzulande so risikofreudig und oft auch mit letztem Kapitaleinsatz Programm wie der Chef von Musik & Theater Saar (M&T). Profitiert hat davon nicht zuletzt das Publikum, dem der 55-Jährige über Jahrzehnte nicht bloß Hochklassiges, sondern immer wieder Überraschendes servierte. Und auch das, wozu sich der staatlich subventionierte Kulturbetrieb nicht aufraffen wollte. Ein Impulsgeber, fraglos. Nun aber ist dieser Impulsgeber wie so viele in seiner Branche faktisch lahmgelegt. Gefangen in einer Lage, aus der er sich all seiner Kreativität und seinem Unternehmergeist zum Trotz nicht selbst befreien kann. Die Corona-Pandemie legt den Kulturmachern mit dem zweiten Lockdown, dessen Verlängerung bis 20. Dezember nun fast schon sicher scheint, wieder Fesseln an.

Nichtstun und Schweigen kommt aber für Arnold nicht in Frage. Darum wird er sich am Dienstag in der öffentlichen Anhörung des Saarländischen Landtags zum Entwurf des Covid-19-Maßnahmengesetzes vernehmlich zu Wort melden. Die CDU-Fraktion hatte ihn um seine Stellungnahme gebeten. Dazu hat der M&T-Chef bereits vorab ein dreiseitiges Papier verfasst. Seine Bilanz der bisherigen Staats-Hilfen für Selbständige und freie Unternehmen in der Kulturbranche darin, in einem Wort: ernüchternd. „Die getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie erschüttern das ,Urvertrauen’ vieler Menschen in ihre Grundrechte. Insbesondere im Bereich ‚Kunst und Kultur’ ist die Berufs-(Art.12 I) und Kunstfreiheit (Art. 5 III) aktuell nicht mehr gewährleistet“, schreibt Arnold. Wobei er, das betont er ausdrücklich, nicht die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kritisiert. Wohl aber, wie man mit jenen umgehe, die die Lockdowns mit voller Wucht trifft. Weil sie nichts mehr tun dürfen und damit auch kein Geld verdienen.

Bereits die Maßnahmen im Zuge des ersten Lockdowns waren „wenig praxistauglich“, so der Kulturunternehmer. Aber auch das November-Paket des Bundes belege, wie wenig man von der Lebenswirklichkeit in der Kulturbranche wisse – mit ihren vielen Eine-Frau-/Ein-Mann-Akteuren. „Und es gibt keinen Rechtsanspruch auf Hilfe“, klagt Arnold, „die Hilfen können gezahlt werden, müssen aber nicht“. Darum plädiert er dafür, dass denen Entschädigungen gezahlt werden, die ihren Beruf wegen der Schutzmaßnahmen nicht ausüben können. Egal, ob es Solokünstler oder freie Unternehmen im Kultursektor seien; vergleichbar der Kurzarbeitergeld-Lösung. Eine Riesen-Welle von Anspruchstellern sei kaum zu befürchten, meint Arnold. „Die Betroffenen sind klar zu identifizieren, und es sind im Kontext der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung überschaubar wenige“ heißt es in seinem Papier.

Für Musik & Theater Saar bleibt Joachim Arnold übrigens trotz aller Nackenschläge optimistisch. Zwar seien Einnahmen „komplett weggebrochen“. Just im November und Dezember nämlich vermietet er den Zeltpalast sonst für große Betriebs- und Weihnachtsfeiern. Und auch der Weihnachtscircus fällt dieser Jahr aus. Sein Programm für die Kammermusiktage 2021 aber will Arnold Anfang Dezember präsentieren. „Die Künstler sind gebucht“, sagt er. Darunter auch Schauspielstar Matthias Brandt.

Wo aber Brandt und die anderen auftreten werden, das weiß auch Arnold noch nicht. Der Traditionsspielort Mettlacher Abtei kommt wegen seiner Kleinheit kaum infrage. Vielleicht wird es wieder das Merziger Zelt sein, so Arnold. Ganz sicher aber, sagt er, könne er bei all diesen Unwägbarkeiten keine Musical-Produktion planen. Das Bangen und Ziittern geht also weiter. Für Joachim Arnold wie die ganze Branche.