Marc Forster in Losheim : Schöner Abend mit dem Gute-Laune-Bär

Marc Forster kam nach Losheim – und 19 000 Fans wollten ihn sehen. Der Mann mit der Mütze aus dem Pfälzischen bot einen bunten Abend zum Mitsingen. Nur Kollege Michael Patrick Kelly hielt lieber ein Nickerchen.

Was ist er nun, dieser Mark Forster? Teeniestar oder Frauenschwarm? Oder vielleicht doch beides? In den ersten Reihen seines Konzerts am Losheimer Stausee waren jedenfalls kaum männliche Wesen erkennbar, die Altersspanne reichte am Freitagabend von Grundschule bis über 40. Am Inbrünstigsten sangen die ganz jungen Mädchen die Refrains mit. Letztlich dürfte es kaum einen Star geben, zu dem so viele Familien geschlossen anreisen.

Der aus Winnweiler in der Pfalz stammende Forster ist halt weniger männliches Sex-Symbol als vielmehr der knuffige Gute-Laune-Bär zum Knuddeln, der hyperaktive Stimmungsmacher zum ganz doll Liebhaben oder der Kappe tragende Flummi mit dem bärtigen Grinsen wie Jürgen Klopp.

Singen kann er natürlich auch, außerdem haut er regelmäßig einen Song raus, der es nach ganz oben in die Charts schafft. Kein Wunder also, dass das Losheimer Konzert zu schier endlosen Staus und Warteschlangen führte – 19 000 Fans waren laut Angaben des Veranstalters gekommen. Damit bewegt sich der Sänger in den Dimensionen seines Lieblingsfußballklubs, des 1. FC Kaiserslautern, dessen Drittliga-Begegnungen von etwa so vielen Zuschauern besucht werden. Dass er nahe der Heimat auftrat, freute Mark Forster so sehr, dass er sagte, er würde bald von Berlin wieder nach Hause ziehen. Natürlich ist ihm klar, dass er sich hier im Saarland befindet. Heute sei aber der richtige Moment, um das Saarland und die Pfalz zusammenzuführen, rief er – und erntete dafür ausnahmsweise eine eher verhaltene Reaktion. Dieser Gedanke schien dem fast kindlichen Gemüt des 35-jährigen entsprungen zu sein, genauso wie die Idee, das Publikum mit „Losi“, der Verniedlichung von Losheim, anzusprechen. „Losi, bitte sag Hallo zu meinem Orchesterchen“, so forderte Forster etwa den Applaus für seine tadellose zwölfköpfige Band.

Emotional wurde es, als der Sänger gestand, er könne zwei Dinge nicht: Mit Leuten, die ihm nahestehen, über seine Gefühle sprechen und in der Öffentlichkeit Klavier spielen. Letzteres tat er dann aber doch, und zwar um Ersteres zu kompensieren: Deswegen würde er eben Lieder schreiben, so zum Beispiel der Song für seinen Vater: „Mein Vater und ich, wir haben eine schöne Beziehung, aber sehr sehr kompliziert.“ Am Ende des Songs heißt es: „Was ich für dich sing‘, fühlst du das auch?“. Der Papa habe ihm geantwortet: „Ja, ich fühle das auch.“

Weniger kompliziert scheint Forsters Verhältnis zu seinen Kollegen zu sein – so rief er mittendrin mal kurz bei Michael Patrick Kelly an, der aber scheinbar gerade ein Nickerchen machte und deshalb gleich wieder auflegte. Also musste es mal wieder Sido richten, der einst Forsters Karriere ins Rollen gebracht hatte mit der Zusammenarbeit bei den Hits „Einer dieser Steine“ und „Au revoir“. Aus den Tiefen des Internet wurde das Konterfei des Rappers auf die Leinwand projiziert, von wo aus er dann scheinbar live mitmachte beim Song „Danke Danke“. Bei „Au revoir“ musste Forster ohne seinen Mentor auskommen. Immer wieder streute der Pfälzer einen seiner Hits ein, auf dass keine Langeweile aufkam. Mit „Flash mich“ begann er den bunten Mitsing-Abend, am Ende ertönte der Song, der nicht passender hätte sein können: „Chöre“. Tausende von Kehlen sangen da mit, dass selbst Gotthilf Fischer neidisch geworden wäre. Dazu regnete es Konfetti, genauso wie es im Text heißt – das war der mitreißendste Moment.

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