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Mal schockierend, mal betördend schön.

„Monos“ im Saarbrücker Filmhaus : Der Herr der Fliegen im Herz der Finsternis

Das wieder geöffnete Saarbrücker Filmhaus zeigt „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“, ein Drama aus Kolumbien, ebenso schockierend wie betörend schön.

Seit seiner Weltpremiere beim Sundance Filmfestival 2019 hat dieses kompromisslose Drama aus Lateinamerika mehr als zwei Dutzend Preise gewonnen. Die Kritiker verglichen „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ mit Francis Ford Coppolas Vietnam-Inferno „Apocalpyse Now“, der Dystopie „Der Herr der Fliegen“ oder Werner Herzogs Regenwald-Expedition „Fitzcarraldo“. Und tatsächlich schafft es der 1980 geborene, kolumbianisch-ecuadorianische Regisseur Alejandro Lanes, uns mit seinem dritten Spielfilm von Beginn an in Bann zu ziehen.

Auf einem Hochplateau irgendwo in den Bergen Kolumbiens spielt eine Gruppe von Teenagern mit verbundenen Augen Fußball. Sie heißen Rambo, Bigfoot, Lady oder Schlumpf und bilden eine Einheit von Kindersoldaten, die von einem kleinwüchsigen Commandante befehligt wird. Das Spiel war nur eine kurze Ablenkung für sie. Die Aufgabe der mit Maschinengewehren bewaffneten Guerilla-Truppe besteht momentan darin, eine amerikanische Geisel (Julianne Nicholson), die von allen nur „Doctora“ genannt wird, zu bewachen. Und ihnen wird eine Milchkuh namens Shakira anvertraut. Als dem Tier etwas zustößt, beginnt die fragile Balance zwischen den Jugendlichen zu kippen.

„Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ schillert in vielen Facetten und lässt das Publikum niemals kalt: Der Film schockiert als gnadenloses Bürgerkriegsdrama und hat zugleich surreale, hypnotische Sequenzen. Er schildert den brutalen Überlebenskampf von Teenagern im Dschungel und überrascht mit Szenen von betörender Schönheit. Einige der Kämpfer verlieben sich ineinander: Diese Reise ins Herz der Finsternis ist auch ein Drama vom Erwachsenwerden.

Manchmal verliert dieser Film, der oft wie ein böser Fiebertraum wirkt, ein wenig den Faden, mäandert dahin wie ein träger Fluss im Urwald. Aber man bleibt doch immer gespannt darauf, was sich in der nächsten Szene ereignet. Einer der Jungen kann aus der Gruppe fliehen, wird von einer Familie aufgenommen und entgeht doch der Gewalt nicht. In der gnadenlosen Welt dieses auch visuell außergewöhnlichen Dramas gibt es keine Rückzugsräume: Die Brutalität ist allumfassend, ein Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt. Und vielleicht ist sie auch ein Sinnbild für den traurigen Zustand Lateinamerikas.

„Monos – Zwischen Himmel und
Hölle“
läuft im Saarbrücker Filmhaus.
Termine und Informationen unter:
www.filmhaus.saarbruecken.de