Ein neues Museum für Zeitgenössisches im Saarland Neunkirchen bekommt ein KKM - Keramik Kunst Museum

Neunkirchen · Das Saarland bekommt ein neues Museum: „Zeitgenössisch, international, einzigartig“ ist der Anspruch des KKM Keramik Kunst Museums Stiftung Hannelore Seiffert, das am Sonntag im KULT. Kulturzentrum Neunkirchen eröffnet. Gestern wurden erste Einblicke gewährt.

 Zeitgenössische Unikatkeramik der Sammlung Hannelore Seiffert (Foto) sind in einem neuen Keramikmuseum in Neunkirchen zu sehen.

Zeitgenössische Unikatkeramik der Sammlung Hannelore Seiffert (Foto) sind in einem neuen Keramikmuseum in Neunkirchen zu sehen.

Foto: Iris Maria Maurer

Der 27. August 2023 dürfte für Hannelore Seiffert einer der wichtigsten Tage ihres Lebens werden. Begonnen hat es 1943 in Darmstadt und verlief die ersten gut vier Jahrzehnte relativ (keramik)kunstfrei. Was um so denkwürdiger ist, als am Sonntag mit dem KKM Keramik Kunst Museum Stiftung Hannelore Seiffert ein in der Region einzigartiges Museum für Gegenwartskeramik seine Türen im Erdgeschoss des KULT.Kulturzentrum öffnet - Wand an Wand mit der Stadtbibliothek, über sich zwei weitere Stockwerke der Städtischen Galerie Neunkirchen.

Angetreten ist das kleine, aber feine Museum, um Einblicke in die enorme Bandbreite und die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Materials Ton zu vermitteln. Und wer oder was könnte das besser als Hannelore Seiffert mit ihrer unfassbar großen Privatsammlung, zwischenzeitlich zählte sie knapp 1200 Einzelstücke von über 400 Keramikkünstlern aus über 35 Ländern, zusammen getragen in ihrem dafür mehrfach umgebauten und erweiterten Haus in Schiffweiler.

Seiffert kennt beide Seiten des künstlerischen Wirkens. Als Neuling in Sachen Ton hatte sie sich 1993 eine eigene Werkstatt eingerichtet, besuchte Kurse, bildete sich weiter und war ab 1996 war sie mit ihren Arbeiten in über 20 Gruppen- und Einzelausstellungen in Deutschland und dem benachbarten Ausland vertreten. Parallel dazu begann die Spätberufene, leidenschaftlich zu sammeln. Weltweit, aber nie etwas anderes als zeitgenössische Kunst, und mit bemerkenswert zielsicherer Intuition. Nicht von ungefähr wurde die Wahlsaarländerin 2007 als erste Deutsche in den Olymp der Keramik berufen: die Internationale Akademie für Keramik in Genf. „Dehemm“, also hier in Neunkirchen, bestritt die international vernetzte Expertin zwei Ausstellungen, 2018 und 2021, die sich großen Zuspruchs erfreuten.

Nun währt auch ein Sammlerleben, und sei es noch so enthusiastisch, nicht ewig. Was soll später mit ihren Schätzen geschehen – diese Frage trieb Hannelore Seiffert schon länger um. Die sehr schnell freundschaftliche, gegenseitig wertschätzende Zusammenarbeit mit Nicole Nix-Hauck, Leiterin der Städtischen Galerie Neunkirchen, und die räumliche Nähe zur Kreisstadt, deren Künstlerszene sie seit langem eng verbunden ist, ließen die Idee für das Museum wachsen.

Wirklich ernst wurde es dann im vergangenen Jahr: Alle Werke mussten fotografiert und neu katalogisiert wurden, angepasst ans System der Galerie. Nächster folgerichtiger Schritt war die Gründung der „Stiftung Hannelore Seiffert für internationale Unikatkeramik“ im April 2023, der die inzwischen achtzigjährige Sammlerin 400 ihrer Kunstobjekte übereignete. Mit Hilfe der Stadt Neunkirchen sowie großzügiger Sponsoren konnte das Museum eingerichtet werden. Besonders zu erwähnen ist hier Ilse Scheffler, die eine „sehr sehr großzügige Spende in sechsstelliger Höhe“ einbrachte, für die sich Oberbürgermeister Jörg Aumann beim Vorabgespräch am Mittwoch ausdrücklich bedankte. Das KKM wie auch die Stiftung werden von der Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH treuhänderisch verwaltet und von der Städtischen Galerie Neunkirchen geleitet.

Was bekommen die Besucher am Sonntag zu sehen nach dem um 11 Uhr startenden offiziellen Teil? Mehr als 250 Einzelstücke renommierter Künstler wie Petra Bittl (DE), Susan Collett (CA), Ken Eastman (GB), Maria Geszler-Garzuly (HU), Satoru Hoshino (JP), Beate Kuhn (DE), Marc Leuthold (US), Johannes Nagel (DE), Heidi Preuss Grew (US), Beatrijs van Rheeden (NL) oder Akio Takamori (US). Präsentiert werden die Arbeiten auf 300 weißen Quadratmetern in luftig wirkenden, variablen Regalsystemen, die passgenau in der Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe und damit regional angefertigt wurden.

Interessant auch die Nebenschauplätze: Maria Geszler-Garzuly ist Nebenraum Nummer eins gewidmet. Die Ungarin unterhält mittlerweile eine ganz besondere Beziehung zu Seiffert und auch zum Saarland, wovon unter anderem ein Objekt mit der Völklinger Hütte zeugt. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine kleine Bibliothek mit Fachliteratur der Sammlerin. Sechs von ihr selbst angefertigter Keramikköpfe schauen sich die Szenerie von oben an. Wer sich etwas Einmaliges mit nach Hause nehmen möchte, wird in den Vitrinen fündig, bestückt mit kleinen Keramiken aus der Seiffertschen Sammlung. Die Preise liegen bei 10 Euro aufwärts.

Bleibt, den öffentlichen Rundgang am 27. August um 14 Uhr mit Hannelore Seiffert zu empfehlen. Jeden zweiten Sonntag im Monat will sie Führungen anbieten.

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