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Kulturszene im Saarland ist wegen Corona in Existenznöten

Veranstaltungsausfälle wegen Corona : Kulturszene des Saarlandes in Existenznöten

Die freie Kulturszene kämpft jetzt ums Überleben und fordert Hilfe vom Staat. Die Saar-Kultusministerin sagt Unterstützung zu.

Kulturveranstalter und die freie Kunst- und Musikszene treffen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens besonders hart. Alle Konzerte und Theateraufführungen sind abgesagt, Museen sind zu, Kneipen dicht. Viele, die von der Klein- und Nischenkunst lebten, müssen jetzt um ihr Überleben kämpfen, denn die Coronavirus-Pandemie zwingt alle Kulturschaffenden in die Zwangspause.

„Viele Künstler, die frei arbeiten, leben vom Dispo-Kredit, wir sind alle in Alarmbereitschaft“, schildert Eveline Sebaa, Vorstandsmitglied des Netzwerks Freie Szene Saar, die Situation ihrer Kollegen. Rund 20 Einzelkünstlerinnen und -Künstler und einige Ensembles sind dort organisiert. „Es ist für uns eine Katastrophe“, sagt die Schauspielerin und Regisseurin, der ebenfalls ein Auftrag weggebrochen ist. „Viele Menschen gehen ins Staatstheater oder in große Konzerte und haben gar nicht auf dem Schirm, dass es sehr viele freischaffende Künstlerinnen und Künstler gibt, denen jetzt alles wegbricht.“

Sebaa und ihre Künstler-Kollegen hoffen nun als Selbstständige, dass auch ihnen vom Bund unter die Arme gegriffen wird. Denn für Unternehmen, die von der Corona-Krise betroffen sind, wurde ein Hilfspaket mit unbegrenzten Liquiditätshilfen auf den Weg gebracht. Der Kulturausschuss im Bundestag berät am 25. März voraussichtlich über Hilfspakete. Doch auch wenn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Künstlern und Kultureinrichtungen Unterstützung zugesagt hat und der Deutsche Kulturrat einen Notfallfonds für Künstler fordert – Kulturpolitik ist Ländersache, die über ihre Kulturetats die Freie Szene fördern.

„Viele mit Landesmitteln geförderte Kultureinrichtungen, Kulturveranstalter, Kulturinitiativen sowie Künstlerinnen und Künstler befinden sich aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie plötzlich unverschuldet in einer existenzbedrohenden Situation. In dieser schwierigen Lage lassen wir niemanden allein“, sicherte Saar-Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) zu. „Wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten alles dafür tun, diese Situation zu entschärfen, pragmatisch und unbürokratisch Hilfe zu leisten.“ Der im Bund angekündigte Nothilfefonds für die Kultur müsse schnellstens kommen, so die Ministerin. „Kulturelle Projekte, deren Förderung wir zugesagt haben, müssen sich nicht an eine zeitliche oder örtliche Vorgabe halten“, bekräftigte sie. Produktionen könnten nachgeholt oder aber ins Digitale übertragen werden.

Bis dahin muss die Freie Szene improvisieren. „Alle sind jetzt erstmal damit beschäftigt, sich zu sortieren und irgendwie über die Runden zu kommen. Denn auch Proben fallen aus“, so Sebaa. Wie wäre es mit Kunstaktionen zur Corona-Krise? Dafür habe man noch keine Zeit gefunden, sagt Sebaa. Der Vorstand des Netzwerks Freie Szene Saar wolle sich Ende des Monats treffen und beraten.

Dass Kulturveranstaltungen ins Internet verlegt werden, wie es auch die Ministerin anregt, scheint unter den gegebenen Umständen unausweichlich – und pragmatisch. Die Deutsche Radiophilharmonie hat es bereits getan, die Berliner Staatsoper unter den Linden feierte die „Carmen“-Premiere vergangene Woche im Live-Stream. Andere Kulturveranstalter werden folgen. Die Krise, da kann man sicher sein, wird viel kreatives Potenzial freisetzen. Ob das Publikum sich solidarisch zeigen und für digitale Angebote zahlen wird, steht in den Sternen.

Ein saarländischer Veranstalter hat sich bereits etwas ausgedacht: Das Intensiv-Theater, das seit vier Jahren auch kommerziell erfolgreich Musicals auf saarländische Bühnen bringt, macht „Kultur gegen Corona“ im Netz: Am 13. April wird eine Musical-Gala als Live-Stream übertragen. Um Spenden dafür wird via „Startnext“, einer Internet-Plattform für Crowdfunding, gebeten. 25 000 Euro erhoffen sich die Veranstalter als erstes Ziel, um das Intensivtheater, ein eingetragener gemeinnütziger Verein, vor dem Aus zu retten. Die freien Theatermacher sind leider nicht die einzigen darbenden Künstler. Aber auch in Krisenzeiten bedarf es der Kunst und der Kultur – vielleicht mehr denn je.