Konzert von Rummelsnuff in der Sparte 4 in Saarbrücken

Konzert : Rummelsnuff ließ die Sparte 4 zu Seemannsliedern schunkeln

Hat das sonst so intellektuelle Publikum der Sparte4 am Ende doch ein Bedürfnis nach Schunkeln und Mitsingen? Auf diesen Gedanken konnte man kommen beim ausverkauften Konzert von Rummelsnuff und Maat Asbach, als plötzlich Seemannslieder erklangen und sogar eine Polonäse getanzt wurde.

Das war aber nur ein Aspekt dieses äußerst erstaunlichen Abends.

Über Rummelsnuff schrieb mal jemand sehr treffend in einem Musikforum, dass er in keine Schublade passe, vor allem ginge sie auch gar nicht mehr zu. Bodybuilder, etwas übergewichtig, kahlköpfig, stiernackig, mehr röhrend als singend, schwul, Komponist von Mitgröl-Melodien ebenso wie von solchen, die über fast zwei Oktaven gehen. Unglaubliche Falten auf Stirn und Kopfhaut. Texte über Maschinenwarte, Gerüstbauer, Sägewerke oder Harzer Käse. Oder eben über seine Liebe zu Maat Asbach, dem Mann mit der schönen Stimme. Der singt mittels einer traumhaften Melodie ein rumänisches Gedicht über den Frühling („Salutare“). Rummelsnuff brummelt dazu: „Wenn die Stimme doch schon alles sagt, muss man die Worte nicht verstehen / weißt du was: Ich lass dich nie mehr gehen.“

Die Begleitung kommt vom Laptop, es klingt, als würden Rammstein Synthiepop machen. Beim relativ sinnfreien Lied „Bratwurstzange“ singt das Sparten-Publikum inbrünstig mit – wer hier nichtsahnend hereinschneite, hätte Augen und Ohren kaum getraut. „Wir drehen die Wurst genügend lange / Wir brauchen keine Bratwurstzange.“ Längst hat Rummelsnuff den massigen Oberkörper freigelegt, der Schweiß rinnt in Strömen. Er weiß sich zu inszenieren, sein Leib passt zur Musik. Eine ganze Batterie an Hüten hängt an einem Ständer – die wechselt er ständig. Bald hat er die Kapitänsmütze auf und Maat Asbach eine Kappe der DDR-Volksmarine. Sie singen „Salzig schmeckt der Wind“, ein Seemannslied, das die beiden in eine Reihe stellen mit „Seemann (deine Heimat ist das Meer)“ und „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.

Seemann und dicke Muskeln? Ja, an Popeye erinnert Rummelsnuff, ebenso wie an die Werbefigur des Meister Proper. Lange Jahre war der aus Sachsen stammende Musiker, der eigentlich Roger Baptist heißt, Türsteher beim Berliner Szeneclub Berghain. Das hat er zum Glück nicht mehr nötig, erzählt er nach dem Konzert. Seit vier Jahren kann er ganz von der Musik und den Theaterauftritten leben. Und seit er Maat Asbach kenne, habe er jemanden, der die schönen Melodien, die ihm einfallen, auch singen kann.

So erschreckend, wie er auf den ersten Blick auf manchen wirken mag, so martialisch seine Musik teilweise ist, so sanft geht er mit seinen Fans um: Da wirft er sich noch bei jedem einzelnen für ein Erinnerungsfoto in Pose und beantwortet jede Frage. Ein echtes Unikum. Und Hauptfigur eines Konzerts, das man nicht vergessen wird.

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