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Konstantin Krimmel bei den Kammermusiktagen im Zeltpalast Merzig

Konstantin Krimmel bei den Mettlacher Kammermusiktagen : Der vergebliche Kampf des Müllerburschen

Der Bariton Konstantin Krimmel interpretierte im Rahmen der Mettlacher Kammermusiktage Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ bei der Matinée in Merzig am Sonntag mit unaufdringlichem Affekt. Ein ergreifendes Konzert.

Franz Schubert hat den Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ auf Gedichte des zu seiner Zeit literarisch angesehenen Wilhelm Müller (1784–1827) geschrieben. In einer Zeit schwerer Erkrankung brachte Schubert fast alle der 20 Lieder im Spital zu Papier. Eine Art „Liednovelle“ berichtet in lyrischen Selbstbekenntnissen von Glück und Leid eines jungen Müllerburschen, der auf Wanderschaft die Liebe einer schönen Müllerstochter findet. Sie verlässt ihn um eines Jägers willen, er macht im Mühlbach seinem Leben ein Ende. Der Bach ist sein Vertrauter, er führt ihn zur Mühle, hört sich seine frohen und traurigen Bekenntnisse an und singt den Enttäuschten in den Todesschlaf. Müller verwendet in seiner Dichtung häufig den Diminutiv: Bächlein, Köpfchen, Äuglein, Fensterlein, Blümelein, Mägdelein. Ob der Dichter damit die Reimfähigkeit befördern wollte oder eine psychologische Absicht hatte, eine Entdramatisierung erreichen wollte?

Im Merziger Zeltpalast war am Sonntag eine Liedmatinée allein diesem Zyklus gewidmet. Der junge, aufstrebende Konstantin Krimmel verfügt über einen hellen, tenoralen, feingoldenen Bariton mit geschickter Beimischung der Kopfstimme, einen Bariton-Martin. Da Schubert die meisten Lieder als Strophenlieder komponiert hat, also die gleiche musikalische Begleitung und Melodie für unterschiedliche Textaussagen, liegt es ganz beim Interpreten, wie er gestaltet, Ausdruck findet, Emotionen erzeugt. Die Beziehung der Tonarten der einzelnen Lieder zueinander hat Schubert mit Bedacht gewählt, im Original sind sie für hohe Stimme geschrieben. Die notwendige Transposition um bis zu einer kleinen Terz für den tieferen Bariton veränderte diese fein durchdachte Beziehung und vermittelte einen dunkleren Gesamteindruck. Gleich zu Beginn legte sich ein feiner resignativer Schleier über die Lieder. So als ahnte der Wanderer bereits das bittere Ende seiner Wanderschaft.

Lyrisch introvertiert, meist leise, mit unaufdringlichem Affekt erzählte Krimmel das zerbrechliche Schicksal des Protagonisten, der letztlich nicht gegen den Jäger und die damit verknüpfte Farbe Grün ankämpft, sondern sich in sein Schicksal ergibt. Diese Verinnerlichung bedarf eines Begleiters am Klavier, der mit entsprechender Zurückhaltung der oft spontanen Interpretation des Sängers folgen kann. Wie mit Samthandschuhen unterstützte Daniel Heide, gestaltete mit und sorgte mit seinem wandlungsfähigen Anschlag für die Basis dieser Wanderung zur Liebe und weiter bis zum Tod eines hilflosen Herzens. Ergreifend.