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"Kein Tag umsonst", neues Album von Laith Al-Deen

Interview mit Laith Al-Deen : „Im Lockdown war kein Tag umsonst“

Der Musiker ist mit seinem neuen Album „Kein Tag umsonst“ am Start und gibt an diesem Freitag ein Autokonzert in Reden.

Schon seit den Anfängen seiner Karriere ist Laith Al-Deen regelmäßig im Saarland zu Gast. In diesem Jahr wollte der Pop-Musiker eigentlich gleich zwei Jubiläen feiern: Er steht seit 30 Jahren auf der Bühne und hat vor 20 Jahren seine Hit-Single „Bilder von Dir‘ veröffentlicht, mit der ihm sein Durchbruch gelungen ist. Doch Corona hat auch seine Pläne auf den Kopf gestellt. Am Veröffentlichungstag seines neuen Albums „Kein Tag umsonst“ gibt der gebürtige Karlsruher nun an diesem Freitag, 22. Mai, 20 Uhr, ein Autokonzert im Erlebnisort Reden.

Wie bereitest Du Dich auf das Autokonzert vor?

AL-DEEN Ich habe – ehrlich gesagt – keine spezielle Vorbereitung. Wir proben zu Hause, um die Songs so gut wie möglich vorzubereiten und unseren Konzert-Standard zu halten. Und lassen uns genau wie alle anderen von allem weiteren überraschen.

Waren die Bandproben in der aktuellen Situation nicht etwas kompliziert?

AL-DEEN Die Bandproben waren deswegen nicht kompliziert, weil wir keine hatten. Wir haben uns letztendlich getrennt voneinander vorbereitet und treffen uns zum Livespielen jeweils zu den Konzerten nach langer Zeit zum ersten Mal wieder.

Im Saarland bist du ja schon an mehrfach an ungewöhnlichen Orten wie einem Hubschrauber-Schuppen aufgetreten. An welche dieser Konzerte erinnerst Du Dich spontan?

AL-DEEN Ich erinnere mich, dass ich seiner Zeit mal eine Gruppe von Fitnessstudio-Besitzern bespielt habe. Zu Zeiten, als ich noch in einer Cover-Band tätig war. Und jeder dieser Fitnessstudio-Besitzer hat versucht, den Nebenmann zu übertrumpfen – was zur Folge hatte, dass die Fitnessstudios und die Locations, in denen wir gespielt haben, immer größer und ausladender wurden.

Mit Deinem neuen Album hast Du Dir etwas Zeit gelassen. War das so geplant?

AL-DEEN Seit dem letzten Album sind vier Jahre vergangen, was für mich einmal einen kompletten, klassischen Albumzyklus beinhaltet. Dazu hat die aktuelle Produktion etwas gedauert, weil mein Produzent Udo Rinklin und ich uns einfach mal mehr Zeit nehmen wollten und wir dazu durch alle möglichen Lebensumstände immer mal wieder zeitlich zurückgeworfen wurden. Alles zusammen hat aber zu einem besonders guten Ergebnis geführt, würde ich meinen.

Das Album heißt „Kein Tag umsonst“. Konntest Du dieses Motto auch in Zeiten des Lockdowns umsetzen?

AL-DEEN Auch während des Lockdowns war kein Tag umsonst. Letzten Endes geht es darum, in jedem Tag etwas Fruchtbares für sich zu finden. Und selbst, wenn es ein „schlechter Tag“ ist, der einen dazu motivieren möchte, diesen „schlechten Tag“ nicht nochmal zu wiederholen – auch dann war der Tag im Endeffekt nicht umsonst.

Hat die Corona-Krise auch auf Dein Leben gravierende Auswirkungen?

AL-DEEN Die Corona-Krise hat nach wie vor gravierende Auswirkungen auf mein Leben. Einfach, weil vieles durcheinander gewürfelt und abgesagt wurde oder geschoben werden musste. Meine größte Einnahmequelle – das Live-Geschäft – ist komplett abgesägt und viele Timings, die sich normalerweise um die Veröffentlichung meines Albums abgespielt hätten, wurden entweder verändert, komplett abgesagt oder auch geschoben. Das heißt, mein Leben besticht auf jeden Fall – wie bei den meisten meiner Kollegen – durch große Ungewissheit.

Im Saarland spielst Du am Veröffentlichungstag des Albums. Ist das für Dich ein besonderes Datum?

AL-DEEN Der Tag der Veröffentlichung ist immer etwas Besonderes. Ein neues Werk erblickt das Tageslicht. Und zufälligerweise liegt eins der Autokonzerte genau an diesem Tag. So ist der Tag umso besonderer, weil ich das bis dato zweite Autokonzert meines Lebens spiele – vielleicht auch das letzte, das weiß bisher noch keiner. Und von daher bleibt dieses Konzert, der Tag und das ganze Jahr wahrscheinlich sehr, sehr besonders.

In Deinen Songs gibt es immer wieder „thematische Überlappungen“...

AL-DEEN Es gibt in jedem Fall immer thematische Überlappungen, das war allerdings bei meinen vorherigen Alben ganz genauso. Es geht immer wieder ein Stück weit um die Sehnsucht und darum, sich seinen Sehnsüchten bewusst zu werden. Beziehungsweise um das „Bewusstsein“ an sich, sich selbst als Person in den Fokus zu setzen. Und vielleicht auch entgegen dem ein oder anderen Selbstoptimierungswahn anzuerkennen, wer man ist und wo man steht. Und was man wirklich möchte. Um dann schlussendlich mit den gewonnenen Erkenntnissen seine Ziele zu verfolgen.

Zudem zeigen die Songs, dass Du „im Leben angekommen bist“. Wie ist das zum einen als Musiker und zum anderen als Mensch zu verstehen?

AL-DEEN Es ist absolut nicht notwendig, mein Leben als Musiker von meinem Leben als „Mensch“ zu trennen. Alles was mich menschlich weiterbringt, bringt mich als Musiker genauso weiter und umgekehrt. Letzten Endes lernt das eine von dem anderen und sie geben sich gegenseitig Futter. Das ist eine der großen Errungenschaften, wenn man das Hobby zum Beruf oder den Beruf zur Berufung machen konnte.

Hat es im Gegensatz zu dem Album-Titel in Deiner Karriere nicht Momente gegeben, die aus heutiger Sicht vergeudete Zeit waren?

AL-DEEN Zeit vergeudet oder verschwendet habe ich in meinem Leben sicherlich genug – was aber nicht bedeutet, dass der Tag deswegen umsonst war. Man muss wahrscheinlich erstmal Zeit vergeuden oder verschwenden, um zu wissen, dass man vielleicht etwas getan hat, was man nicht nochmal haben muss. Es kann durchaus sein, dass einen „Zeit verschwenden“ schneller auf den Trichter bringt, welche Prioritäten man im Leben hat.

2020 begehst Du das 20-jährige Jubiläum Deiner Debüt-Single „Bilder von Dir“. Wie feierst Du diesen Anlass?

AL-DEEN Das 20. Jahr nach „Bilder von Dir“ wäre eigentlich mein Feier-Jahr geworden. Jetzt hat Covid-19 allerdings einen großen Schatten auf das Jubiläum geworfen, was sicherlich nicht nur mir so geht, sondern auch diversen anderen Kollegen, die in diesem Jahr ähnliche Meilensteine gefeiert hätten. Ich habe diese 20 Jahre für mich im Kopf. Lustiger weise fällt mein allererster Bühnenauftritt, der vor nunmehr 30 Jahren stattgefunden hat, auch mit seinem Jubiläum in dieses Jahr. Eigentlich gäbe es also doppelt Grund zu feiern. Ich freu mich einfach in mich selbst hinein, dass ich das schon so lange machen darf und spare mir einen Teil meiner Feierfreude für 2021 auf. Ich hoffe, dass sich spätestens dann bessere Gelegenheiten ergeben werden, um eine richtige Sause zu starten.

Wird es nach dem Auto-Konzert noch einen weiteren Tour-Auftritt im Saarland geben?

AL-DEEN Natürlich wird es nach diesem speziellen Auto-Konzert auch noch weitere Tourauftritte im Saarland geben. Derzeit ist die Verlängerung meiner „C’est La Vie – Tour“ auch mit einem Termin im Saarland geplant. Diese Tour hätte eigentlich schon Anfang diesen Jahres stattgefunden, Corona-bedingt ist sie momentan auf Ende September, Anfang Oktober verschoben. Da ist aber natürlich aktuell immer noch nicht klar, ob wir diese Termine halten können oder nochmals verschieben müssen. Wir müssen die Entwicklungen beobachten und werden in jedem Fall alle Konzertbesucher auf dem Laufenden halten.