Katja Riemann liest in Merzig "Carneval der Tiere" von Willemsen

Katja Rieman zu Gast im Zeltpalast : Warum Tiere die besseren Menschen sind

Katja Riemann liest bei Kammermusikfest „Franziska Hölscher und Freunde“ in Merzig Roger Willemsens Version des „Karnevals der Tiere“.

„Aber hier ist nur verloren, wer Tomaten auf den Ohren“ reimt der Autor, Literaturwissenschaftler und Comedian Roger Willemsen, um Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ aus der Kinder-Spielecke herauszuholen und ihn wieder „polemisch-zeitkritisch“ und somit auch für „Erwachsene“ interessant zu machen, so wie er vom Komponisten gedacht war. Der hatte ironisierend eigene und Werke von Kollegen genutzt, um die vorgestellten Tiere und indirekt die Gesellschaft zu charakterisieren.

Die Schauspielerin Katja Riemann war am Samstag zum Kammermusikfest „Franziska Hölscher und Freunde“ in den Zeltpalast Merzig gekommen, um mit Musikern des Festivals und der Hochschule für Musik Saar die Textversion von Willemsen vorzustellen. Auch Loriot und Peter Ustinow hatten witzige, verbindende Texte dem „Karneval“ zur Seite gestellt. Willemsens Version jedoch versucht, das heutige Zeitgeschehen sa„tierisch“ zu kommentieren. Über eine „Frustus-Ganz-Medaille“ oder Dieter Bohlen wird gekalauert, der „Rave“ bekommt einen Seitenhieb ab. „Weil sich das Reimen so schön mit der Musik verbindet“ ist allerdings keine Erklärung dafür, dass sich frivole, ja derbe Anteile in die Menagerie mischen. „Die Schnecke hat erst rumgemäkelt, sich dann trotzdem hingeräkelt. Und kaum hat Ehrgeiz sie gepackt, zeigt sie sich splitterfasernackt und schreit herum: Ich bin bereit, als Pin-Up für die Ewigkeit.“ Ähnliches und Sexistischeres dichtet Willemsen in seinem zoologischen Rundumschlag, virtuos und engagiert vorgespielt von der Riemann, die die Musik-Charakterstücke geschickt miteinander zu verbinden weiß.

An den Klavieren werkeln Yu Kosuge und Jacques Ammon kraftvoll virtuos, ein Streichquintett, angeführt von der Geigerin Franziska Hölscher koloriert farbenreich, unterstützt von Flöte, Klarinette und Xylophon. Majestätisch zieht der Schwan, interpretiert vom klangschönen Cello Benedict Kloeckners, seine romantische Bahn über den See, der Kontrabass-Elefant grummelt schwerfällig durchs Gelände. Man freute sich über die musikalisch gelungene Aufführung und schmunzelte über die sich tierisch-lustvoll gebärdenden Sprachkapriolen. „Ich werde meine Stimme schonen unter diesen Konditionen; weiß mich niemand hier zu schätzen, soll er mich doch umbesetzen!“, meinte die Riemann. Doch niemand im ausverkauften Zelt dachte an so etwas. Das bewies der freudig gespendete Applaus für den Versuch, klarzustellen, dass „Tiere die besseren Menschen“ sind.

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