1. Saarland
  2. Saar-Kultur

Kameramann Johannes Louis zeigt "Cleo" in Wadern

Der saarländische Kameramann Johannes Louis : „Da wusste ich, was ich machen will.“

Der saarländische Kameramann Johannes Louis lebt in Berlin und hat einige Preise gewonnen. Die rührigen Kinomacher der Lichtspiele Wadern haben ihn nun eingeladen, einen seiner Filme bei ihnen zu zeigen. Das tut er am Sonntag: Es läuft das Großstadtmärchen „Cleo“.

Diesen einen klassischen Moment in der Kindheit, an dem er wusste, dass er mal nichts anderes sein wollte als Kameramann – den gab es nicht für ihn. Erstmal wusste Johannes Louis (38) aus Weiskirchen ein paar Jahre später, was ihn nicht so recht interessierte: etwa sein Trierer Studium von Psychologie und Politik. Da Film und Fotografie ihn immer am Herzen lagen, dachte Louis da, „die Arbeit als Kameramann könnte ja ganz spannend sein“. In den Semesterferien ging es von Trier nach Berlin, als Beleuchtungspraktikant bei einem Kurzfilm. Keine große Sache eigentlich, aber dennoch entscheidend: „Da wusste ich, was ich machen will.“ Louis zog nach Berlin, machte ein Jahr lang bei Filmproduktionen  Praktika, sammelte Erfahrungen, bewarb sich 2006 an der Filmuniversität Babelsberg und wurde direkt angenommen – zu seiner Überraschung, „denn da bewerben sich im Bereich Kamera 200 Leute auf fünf bis acht Studienplätze“.  Wobei nach neun Semestern das nächste Nadelöhr droht:  Ein Dozent habe ihm erzählt, sagt Louis, „dass von den sechs Leuten, die pro Jahr mit dem Kamera-Studium fertig werden, nach einigen Jahren höchstens zwei wirklich als Kameramann arbeiten“.

Stilistische Vorbilder hatte und hat Louis im strengen Sinne nicht – eher persönliche: Im Studium und bei der Arbeit lernte er einige Meister ihres Fachs kennen, wie den 2016 verstorbenen Vilmos Zsigmond („Heaven’s Gate“, „Die durch die Hölle gehen“) oder auch Anthony Dod Mantle („Slumdog Millionär“, „T2 Train­spotting“) – Louis war überrascht, wie „entspannt die sind und total hilfsbereit. Sie beantworten jede Frage, die man hat.“

Der Kameramann Johannes Louis aus Weiskirchen. Foto: Max Currie

Manche Regisseure finden Kamera-Arbeit dann am besten, wenn die Kamera sozusagen unsichtbar bleibt. Louis sieht das etwas anders: „Sicher – eine gute Kameraarbeit ist nicht unbedingt die, die besonders viele Bewegungen macht, Schwenks oder Fahrten. Aber ich würde mich da der Philosophie von Kameramann Roger Deakins anschließen: Die Bilder sollen die Geschichte unterstützen und sich nicht darüber stellen.“

Beeindruckend sind Louis‘ Bilder unter anderem in den Werken von Regisseur Erik Schmitt, den er „wie bei den meisten wirklich guten Arbeitsbeziehungen durch Zufall“ traf, bei der Geburtstagsfeier eines Freundes. Der stellte die beiden einander vor und sagte: „Unterhaltet Euch doch mal.“ Das taten sie, machten Kameratests, entwickelten gemeinsame Ideen und drehten einige preisgekrönte Kurzfilme: Für „Nashorn im Galopp“ (2012) wurde Louis für den Deutschen Kamerapreis nominiert, mit Schmitts „Berlin Metanoia“ drei Jahre später gewann er ihn. „Cleo“ ist Schmitts Langfilmdebüt, für das Louis eine bunte Optik aufbietet, ungewöhnliche Perspektiven und kleine, verspielte Kameratricks. „Das war ein interessanter und lustiger Prozess“, sagt Louis zu dem Film, „Animationen sind ja für sich schön – aber man muss immer überlegen, wie man sie zum Teil einer Erzählung werden lässt, damit sie einen nicht aus der Geschichte herausreißen, gerade in einem Spielfilm.“

Marleen Lohse spielt die verträumte Titelfigur in „Cleo“. Foto: Weltkino

2012 stand ein Film mit Louis‘ Bildern, diesmal eher spontan und dokumentarisch wirkend,  im Wettbewerb des Saarbrücker Filmfestivals Max Ophüls Preis (und gewann den „Preis für den gesellschaftlich relevanten Film“): „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“, über die Irrungen und Wirrungen beim Festival in Cannes. Mit der Regisseurin Isabell Suba hat Louis jüngst auch fürs Fernsehen gearbeitet, für den Barcelona-Krimi „Entführte Mädchen“. Wie starr sind beim 20.15-Uhr-Fernsehen die Normen, was Bilder und Kameraperspektiven angeht? „Da sind die Parameter ganz anders, man hat weniger Zeit und oft auch weniger Spielraum. Bis zu einem bestimmten Grad kann man sich aber arrangieren – und wenn man gute Partner hat, kann man sogar richtig gute Sachen machen als Kameramann.“

Wobei dieser Begriff Louis, wie manchen Kolleginnen und Kollegen, nicht sonderlich liegt: „Eine Kamera ist ja nur ein technisches Gerät, das den Beruf nicht bezeichnet.“ Auch im Berufsverband und bei der Deutschen Filmakademie werde immer wieder diskutiert, wie man sich nennen soll. Mit dem Begriff „Bildgestalter“ kann sich Louis auch nicht anfreunden, „ich bin als Kameramann ja nicht der Einzige, der das Bild gestaltet, sondern auch die Regie, das Szenenbild, die Maske, die Kostümbildner“. Immerhin den US-Begriff „cinematographer“ findet Louis ganz passend – „aber übersetzt klingt er auch wieder merkwürdig“.

Viel Zeit, darüber zu grübeln, hat Louis ohnehin nicht: Zurzeit arbeitet er zweigleisig, bereitet den nächsten Film mit Erik Schmitt vor, der 2020 gedreht wird, zugleich koordiniert er beim Workshop „Berlinale Talents“ der Internationalen Filmfestspiele in Berlin die Arbeit mit jungen Kameraleuten aus aller Welt. Doch vor der Berlinale geht es erstmal in die alte Heimat, am Samstag zeigen die Filmfreunde Wadern den Film „Cleo“ und haben ihn als Gesprächsgast eingeladen – über die klassisch kurzen saarländischen Wege. „Die Leute vom Verein kannten meine Mutter und haben sie angesprochen. Und ich habe mir immer schon gewünscht, einen Film von mir daheim zu zeigen. Tolle Sache.“

Termin: Sonntag, 17 Uhr, Eintritt frei, Louis wird über seine Arbeit sprechen.
Infos: www.lichtspiele-wadern.de
www.johanneslouis.com