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Jo Enzweiler gibt Leitung des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis ab.

Generationswechsel im Institut für aktuelle Kunst : „Ganz aufhören werde ich nie“

Generationswechsel im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis: Jo Enzweiler gibt die Leitung nach 27 Jahren ab.

Zwei große quadratische Werke des saarländischen Malers Boris Kleint lehnen gerahmt in einem der Gänge zwischen den Regalen im Archiv des Zentrums für Künstlernachlässe in Saarlouis. „Die haben wir gerade geschenkt bekommen“, freut sich Jo Enzweiler. Hier, im neuen Anbau des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis, lagern Werke aus derzeit 17 Künstlernachlässen. Erben wissen sie dort gut aufgehoben, denn einen Nachlass zu verwalten kann eine Herausforderung sein, wie Jo Enzweiler und seine langjährige Mitarbeiterin Claudia Maas berichten.

Einige der Werke des Archivs hat man aufgehängt, einen Clüsserath zum Beispiel oder die filigrane Papierarbeit von Oskar Holweck. Man kann sie aus der „Artothek“ ausleihen. Für nur 30 Euro pro Halbjahr – echte Kunst saarländischer Künstler, darunter auch viele bekannte. Enz­weiler erläutert beim Rundgang die Arbeit seiner Kollegen, führt im lichtdurchfluteten Schauraum des Instituts durch die kleine Ausstellung mit Werken von Volkmar Gross, auf dessen Nachlass das Forschungszentrum gründet. „Ist er nicht schön, dieser Raum?“, fragt er mit zurückhaltendem Stolz. Man kann ihm nur zustimmen. Und dann erzählt Enzweiler (Jahrgang 1934), wie mühsam und doch beglückend die Arbeit im Institut ist und in all den Jahren seiner Leitung war.

Seit immerhin 27 Jahren leitet der heute 86-jährige Künstler das Institut für aktuelle Kunst, das er, Gründungsrektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), 1993 selbst als An-Institut der HBK auf den Weg brachte. Es ist gewissermaßen sein eigenes Vermächtnis. Denn im Januar ist Schluss, dann zieht sich der gebürtige Merziger, der die Kunstszene an der Saar als Künstler, Kunstpädagoge und -Förderer wesentlich mitgeprägt hat, zurück. Wie man hört, wird er die Leitung abgeben an Andreas Bayer, der sich als Kunsthistoriker und Kurator (Landeskunstausstellung 2013, KuBa-Kulturzentrum am Eurobahnhof Saarbrücken) hervorragend auskennt in der zeitgenössischen Kunstszene des Landes, an der HBK als Dozent arbeitet, und bestens vernetzt ist.

Seit drei Jahren erst gibt es das Nachlasszentrum als Forschungsstelle für zeitgenössische saarländische Kunst, in der die Vermächtnisse bedeutender Künstler und Künstlerinnen der Region dokumentiert, archiviert und ausgewertet werden. Das Nachlasszentrum ist der letzte große Erfolg, den Jo Enzweiler für die Kunst an der Saar mit schier unermüdlichem Einsatz und viel Klinkenputzerei erkämpft hat – fast ein Jahrzehnt hat es gedauert, bis er das Zentrum im dafür erweiterten Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis eröffnen konnte.

Er übergibt also ein gut bestelltes Haus, das allerdings nicht an einer Modernisierung durch mehr Digitalisierung vorbeikommt. Jo Enz­weiler und Claudia Maas, die das Institut nach 31-jähriger Zusammenarbeit mit Jo Enzweiler Ende Dezember ebenfalls verlässt, ist dies bewusst. Zusammen haben sie den Grundstein gelegt. Nun begrüßen sie – wenn auch gewiss ein wenig wehmütig – den Generationswechsel.

Im ehemaligen Pulverlager der Festung Saarlouis, wo das Institut residiert, ist der Platz ausgeschöpft. Hier, in der „Schatzkammer“, wie Enzweiler es nennt, lagert Material zu saarländischen Künstlern in großen Pappkartons. Mehrere Mitarbeiter sind dort mit der Erstellung des saarländischen Künstlerlexikons beschäftigt, ebenfalls eine Initiative von Jo Enzweiler.

Er selbst kommt darin natürlich auch vor und man erfährt einiges über seine der Konkreten Kunst zugerechneten Arbeiten. Die förderte er unter anderem als Mitglied der „neuen gruppe saar“ und als Mitbegründer der Galerie St. Johann, die bis 2009 überregional anerkannt war als Umschlagplatz für die Konkreten.

Es ist nun auch seine Kunst, der er sich noch intensiver widmen will. „Aufhören werde ich nie, ich bin in erster Linie Künstler“, sagt der in gewisser Weise zeitlos wirkende Mann mit der Vorliebe für leuchtendes Gelb. „Es geht nun mehr Kraft zurück in die eigene künstlerische Arbeit.“ In seinem Atelier im Wallerfanger Wohnhaus will er „immer weiter nachforschen“, denn irgendwie habe man als Künstler eine Art „Sendungsbewusstsein“, sagt Enzweiler.

Ob ihm die Arbeit in „seinem“ Institut fehlen könnte? Enzweiler gibt keine klare Antwort, aber er scheint zufrieden, mit dem, was er geleistet hat. Das Institut sei „ein Durchlauferhitzer“ und habe viele Anstöße gegeben. „Die Arbeit geht weiter“, sagt er lapidar – und ist guter Dinge, dass sein Nachfolger das Institut zwar in anderem Stil, aber doch in seinem Sinne weiterführen wird.