James Morrison liefert stimmstarkes Konzert im Den Atelier in Luxemburg

Konzertkritik : Morrison nach Bühnenpause wieder ganz der Alte

Im April 2016 musste James Morrison seinen Auftritt in der Luxemburger Rockhal  absagen. Am Montag klappte es nun im Den Atelier. Die großen Erfolge sind ein paar Jahre länger her, die Haare seither kürzer, die Bizeps etwas strammer – musikalisch hat der 35-jährige Brite aber nichts eingebüßt.

Allen voran überzeugt seine wuchtig-intensive und manchmal knarzige Stimme, die je nach Lied an Jon Bon Jovi, Bryan Adams und Joe Cocker erinnert. Davon konnten sich die fast 1000 Zuschauer im beinahe ausverkauften Atelier überzeugen, die gerade die Refrains von Morrisons größten Hits „Broken Strings“ (2008), „I won’t let you go“ (2011) und „You give me something“ (2006) schallend mitskandierten.

Sein Album „Higher than here“ hat inzwischen vier Jahre auf dem Buckel, diesen März erschien mit „You’re stronger than you know“ der Nachfolger, der bei den Fans eher solide ankam und noch keinen Chartstürmer abwarf. Mit dem Album verarbeitete Morrison eine Reihe von Schicksalsschlägen, die der Grund für seine Bühnenabstinenz waren.  Da wäre die Frühgeburt seiner  Tochter und dann die Todesfälle seines Bruders, seines Neffen und seines Vaters – letzterer an einem Herzinfarkt während Morrison tourte. Er habe das Handy lautlos gehabt und daher viele Anrufversuche seines Vaters verpasst, hatte Morrison in einem Interview gesagt und getrauert, dass er nun nie herausfinden werde, was dieser ihm habe sagen wollen. Als Erinnerung trägt er seither ein Amulett seines Vaters um den Hals. Auch in Luxemburg.

Musikalisch bietet er die gewohnte Rock-Pop-Mischung, die zu Beginn sehr flott und energisch daherkommt, in ruhigeren Momenten aber auch als leiser, souliger Hintergrund zum Sonntagsfrühstück passen würde. Der Soul-Einschlag ist hier noch stärker als bei den Frühwerken.

Der gut gelaunte aber sich mit (undeutlichen) Ansagen zurückhaltende Morrison singt und spielt gleichzeitig Gitarre, dazu gesellen sich weitere fünf Musiker, darunter zwei Hintergrundsängerinnen, die insgesamt überzeugen, bei „Broken Strings“ aber einen zwiegespaltenen Eindruck hinterlassen. Das ist kein Vergleich zu Nelly Furtado, die im Original mit Morrison das Duett des Nummer-eins-Songs bildete, doch das Aufeinandertreffen zweier starker Stimmen sorgt auch in Luxemburg für Gänsehaut.

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