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Ingo Appelt zu Besuch im Autokino Saar an der Völklinger Hütte

Comedian zu Gast in Völklingen : Ganz großes Autokino mit Ingo Appelt

Der Komiker war mit seinem neuen Programm zu Gast vor der Völklinger Hütte. Ein Erlebnis – mit technischen Tücken.

Verzweiflung macht sich breit. Ringsum wird zustimmend gehupt, alle anderen Autofahrer verstehen offenbar, was SR-Moderator Frank Falkenauer von der Bühne aus erklärt – nur im eigenen Pkw kommen seine Worte partout nicht an. Dabei hatte man technisch extra aufgerüstet für den Besuch im Autokino Saar am Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Wer hätte gedacht, dass das gute alte Autokino mal eine solche Renaissance erleben würde? Da tut sich für Musiker und Kleinkünstler eine Möglichkeit auf, live vor Publikum aufzutreten, die auch Comedians wie Ingo Appelt dankbar nutzen.

Ungestört genießen im Séparée, wie auf dem heimischen Sofa, und das bei kristallklarer Klangqualität – herrlich! Vorausgesetzt, man ist in der Lage, am Autoradio die erforderliche Frequenz, die hier auf großer Leinwand neben der Bühne eingeblendet wird, manuell einzustellen. Also: Bedienungsanleitung googeln, die entsprechenden Seiten studieren und ausdrucken. Doch die Sache hat so ihre Tücken, wie man vorab auf der Infoseite des Veranstalters erfährt: Der Empfang bei abgestelltem Motor frisst die Batterie offenbar gar nicht selten derart leer, dass das Auto hinterher nicht mehr anspringt. Nicht umsonst bietet das Team vor Ort vorsorglich Überbrückung an. Alternativen? Internetradio via Smartphone! Das sollte doch in jedem Fall klappen. Zur akustischen Aufwertung wandert eine mobile Bluetoothbox mit Surroundsound mit, und wenn der Handyakku schlapp macht, wird er an die frisch geladene Powerbank gehängt.

Vor Ort, auf dem Parkplatz des Weltkulturerbes, eingerahmt von malerischer Industriekulisse, funktioniert dann nach Einweisung auf die Stellfläche jedoch erst mal gar nichts. Die Radio-App findet den Sender „Autokino Völklingen“ zwar problemlos, verkündet aber, dass er momentan nicht zur Verfügung stehe. Auch das Autoradio verhält sich wenig kooperativ. Hartnäckig verweigert es das händische Einstellen der Frequenz, dafür aktiviert sich unverhofft der Suchlauf. Als es endlich klappt, ist der Sound wirklich verblüffend.

Vorher schnell noch auf‘s Klo? Wer den Wagen verlässt, um einen der beiden tipptopp sauberen Toilettenwagen aufzusuchen oder Getränke und Snacks einzuholen, muss eine Maske aufsetzen. Vor Vorstellungsbeginn klopft ein netter junger Mann an die Scheibe der Fahrertür. Ob er die Windschutzscheibe putzen dürfe? Gerne, Dankeschön! Und mittendrin werden sogar ein paar Gratis-Tüten mit Gummibärchen verteilt. Dieser Service macht Laune, und der Rest auch: Nachwuchs-Komiker Benni Stark schlägt sich im Vorprogramm durchaus wacker, und was Appelt hier abliefert, ist, um beim Bild zu bleiben, ganz großes Kino. Absolut souverän und frech wie immer feuert Appelt, per Kamera auf Leinwandformat vergrößert, ein rasantes „Best of“ seines aktuellen Programms „Der Staats-Trainer“ ab. Und das in so atemberaubendem Tempo, dass er sich irritiert irgendwann selbst stoppt: „Ich glaube, ich bin zwei- bis dreimal schneller als normal!“

Der Comedian Ingo Appelt. Foto: Ava Elderwood

Verständlich, angesichts der Umstände: Es fehlen der direkte Kontakt und die Pausen via Applaus, der hier durch begeistertes Hupen ersetzt wird; Zugaben werden mit Lichthupen und wehenden Scheibenwischern eingefordert. Ein Pkw hupt sich gar allzu frenetisch quasi fest, das Getöse lässt sich nicht mehr stoppen. Appelt nutzt das ulkige Malheur für spontane Interaktion: „Mach mal die Zündung aus!“ rät er, aber auch das nützt nichts: Der Wagen muss zur allgemeinen Erheiterung vorübergehend vom Batteriestrom abgeklemmt werden. Trotz des kuriosen Zwischenfalls ein rundum gelungener Abend – nur das romantische Autokino-Feeling, wie wir es von alten Hollywood-Schinken kennen, das will sich partout nicht einstellen. Vielleicht ist es dafür einfach noch zu hell; vielleicht liegt‘ s auch an den Umständen – egal: Schön, dass überhaupt was stattfindet! Aus medizinischer Sicht wäre dazu wohl zu sagen: In Zeiten von Corona muss man Abstriche machen.