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In der Abtei in Tholey gastierte die A-Cappella-Formation Voces8

Britische Vokal-Kunst auf allerhöchstem Niveau : Musikfestspiele Saar: Wie Voces8 in der Abteikirche zu Tränen rührte

War das enthusiastische Voraus-Lob für die britische Formation „Voces8“ angemessen? Der Auftritt in der Abtei in Tholey ließ alle Zweifel verstummen und machte Zuhörerinnen fassungslos.

Ob „Voces8“ nun wirklich das „weltbeste Ensemble der Vokalkunst“ ist, keiner aus dem Publikum jemals „schönere Klänge“ gehört hat und die altehrwürdige Benediktiner-Abtei womöglich auch noch nichts Edleres vernommen hat – das lässt sich nicht zuverlässig überprüfen. Es waren enthusiastische Mutmaßungen des Festivalleiters Bernhard Leonardy, der am Donnerstag kein Hehl machte aus seiner persönlichen Begeisterung für die englische a-cappella-Gruppe, die er im Rahmen seiner Musikfestspiele präsentieren durfte. Eindringlich verdeutlichte er dem Auditorium, welch ein Glück es habe, dieses Konzert erleben zu dürfen: Wahren Heerscharen von Interessenten habe er Kartenwünsche abschlagen müssen.

Nun, was man zweifellos sagen kann: Es ist tatsächlich schwer vorstellbar, dass die erfrischend unprätentiöse und in jeder Hinsicht überwältigende Darbietung dieser acht Vokalvirtuosen zu toppen ist. Zumal die Abteikirche des Klosters Tholey über eine so durchlässige Akustik verfügt, dass jede noch so feine Nuance des Vortrags deutlich zum Ausdruck kam. Mit einem Querschnitt durch 500 Jahre - nicht nur geistlicher - Chormusik spiegelte das von wechselnden Mitgliedern launig moderierte Programm das mehrsprachige Repertoire des 2003 gegründeten Ensembles, das mit zwei Sopranen, einem Alt, zwei Tenören, einem Bariton, einem Bass und einem Altus/Countertenor besetzt ist: Voces8 beherrschen alle Stilistiken, von Alter Musik über Klassik, Romantik und Neue Musik bis hin zu Folk, Jazz und Pop – inklusive Bearbeitungen des Haus-Arrangeurs Jim Clements und Werken wechselnder Auftragskomponisten. Wahrlich unerhört, mit welchem Schmelz, welch organischer Dynamik und welch makelloser Intonation sich hier ein polyphones Stimmengeflecht scheinbar körperlos schwebend aus dem Nichts heraus entwickelt; mit welcher Leichtigkeit sich ein schwerelos kopfiger Klang duftig aufwölkt – und mit welch guter Sprachverständlichkeit die jungen Briten auch bei deutschen Texten brillieren, so etwa bei Heinrich Schütz' (1585 – 1672) „Selig sind die Toten“.

Die unnachahmlich weiche Noblesse, mit der Bassist Jonathan Pacey in den Tiefen andockt, erinnert an die berühmte Champagnerbremse: die Fähigkeit englischer Chauffeure, den Rolls-Royce so elegant zu stoppen, dass die Brause in den Gläsern im Fonds nicht überschwappt. Faszinierend auch, wie der grazile Klang bei Benjamin Brittens (1913 – 1976) delikater „Hymn to St. Cecilia“ (einem Höhepunkt des Konzerts) zu chorischer Fülle anschwoll. Mit jazzig swingenden Nummern bewiesen Voces8 schließlich, dass sie Gruppen wie „Manhattan Transfer“ und Konsorten locker das Weihwasser reichen können.

Stehender Beifall, Zugaben? Ehrensache. Fassungslose Zuhörerinnen vergossen gar Tränen der Ergriffenheit. Und mancher verließ die Abtei nicht nur mit einer CD, sondern feierte den Abend mit einer Flasche der Festival-Cuvée, die durch die von Leonardy garantierte unablässige Beschallung mit klassischer Musik wahrscheinlich noch hochprozentiger wurde.