Im Streit um den Pingusson-Bau bezieht Saarbrückens Baudezernent Stellung

Kostenpflichtiger Inhalt: Streit um Pingusson-Gebäude : Saarbrücken kämpft gegen die Abrissbirne

Im Streit um das Ex-Kultusministerium bringt sich Saarbrückens Baudezernent Lukas gegen Bauminister Bouillon in Stellung.

Seit zehn Jahren dreht sich ein Debatten-Karussell um den vor sich hin bröckelnden Pingusson-Bau an der Saarbrücker Stadtautobahn, die ehemalige französische Botschaft. Fortkommen: null. Und eben auch das taucht immer mal wieder auf: eine Konfrontationslinie zwischen dem Land, das die Sanierung aus vermeintlich böser (Abriss-)Absicht verschleppt, und der Stadt, die vorankommen will mit der Optimierung von Alt-Saarbrücken.

Letzteres wiederholt sich gerade jetzt. Saarbrückens Baudezernent Heiko Lukas (parteilos) bezieht Stellung gegen Bauminister Klaus Bouillon (CDU): „Ich erwarte von dem für Baukultur zuständigen Minister Rückendeckung für diesen wichtigsten Bau der saarländischen Nachkriegsgeschichte und nicht eine Infragestellung“, sagte Lukas auf SZ-Nachfrage. Er kann nicht nachvollziehen, warum Bouillon ausgerechnet jetzt mit dem Davonlaufen der Kosten argumentiere. Bereits vor Jahren habe eine Summe von rund 40 Millionen Euro im Raum gestanden, dass man 2025/2026, dem frühesten Enddatum der Sanierungsarbeiten, weit höher liegen werde, sei logisch und keine Überraschung.

„Für die Stadt Saarbrücken ist der Pingusson-Bau der zentrale Baustein der Stadtentwicklung in Alt-Saarbrücken, auf den wir alle unsere Planungen und Wettbewerbsausschreibungen ausgerichtet haben“, so Lukas. Ein Abriss konterkariere vor allem die Planungen für den Neubau der Handwerkskammer (HWK-Bildungsakademie), der in Rauminhalten und Geschosshöhen auf das Denkmal ausgerichtet worden sei. Lukas: „Ich erwarte ein klares Bekenntnis des Bauministers für den Erhalt und keine negativen Signale.“ Lukas befürwortet einen Wiederbezug des Gebäudes durch das Kultusministerium, das seit 2014 in der alten Post untergebracht ist.

Doch er fordert ein „offeneres, moderneres“ Nutzungskonzept. Derzeit werde das Gebäude als ummauert und verschlossen erlebt. In den Plänen der Stadt spiele die Öffnung des Parks die entscheidende Rolle, auch sollten Bürger die repräsentativen Erdgeschoss-Räume des Pingusson-Baus erleben dürfen. Durch die Nachbarschaft unter anderem zur Kunsthochschule und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ergebe sich ein vitaler, neuer öffentlicher Ort, so der Dezernent. Das Kultusministerium müsse sich einfügen: „Man kann keine Eins-zu-eins-Übertragung des alten Raumprogrammes erwarten, man wird das Gebäude neu organisieren müssen. Darauf sollten sich jetzt die Energien und Aktivitäten in der Landesregierung richten.

Die Diskussion muss sich endlich auf dieses Niveau bewegen, damit die Saarländer die Chance begreifen können, die in diesem Gebäude steckt.“ Deshalb werde die Landeshauptstadt eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, um attraktive Konzepte für öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss in direkter Verbindung mit dem Park zu ermöglichen – unter Einbindung des Hauptakteurs, des Landes. Derweil haben Bouillons Abriss-Erwägungen auch den Städtebaubeirat der Landeshauptstadt alarmiert. Dessen Vorsitzender Luca Kist bringt einen neuen Aspekt in die Diskussion: klimagerechte Stadtentwicklung.

Die C02-Bilanz eines Neubau-Projektes sei in der Regel schlechter als die eines sanierten Bestandsgebäudes, denn zunächst würden Ressourcen aufgewendet, um etwas abzureißen: „Eine Sanierung darf im Verhältnis zum Neubau dann auch mal mehr kosten.“ Kist hält die Summe von 53 Millionen Euro für „realistisch“: „Ich gehe davon aus, dass die Fachabteilung in Bouillons Ministeriums ihren Job gut gemacht hat.“

Zugleich warnt er davor, die folgenden Wirtschaftlichkeitsprüfungen durch ein Ingenieurbüro und den Landesrechnungshof abzuwarten, bevor eine Grundsatzentscheidung im Kabinett getroffen wird. Mutmaßlich fielen solche Gutachten negativ aus, und welcher Politiker würde dem dann zuwider handeln?

Wie der Baudezernent dringt Kist darauf, den Pingusson-Bau nicht isoliert zu sehen, sondern mit seinem Umfeld als neuen öffentlichen Raum. Nur die Integration ins Stadtleben sorge dafür, dass das Gebäude nicht als Nostalgie begriffen werde oder als ein Baustein der Frankreichstrategie, vielmehr als ein Stück Heimat.

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