Erstmals wurde die Kuba-Herbstschau von einem Künstlerkollektiv kuratiert Im Kuba kann man dem Urlaub hinterher träumen

Saarbrücken · Die SaarArt ist zu Ende, doch im Kulturzentrum am Eurobahnhof läuft gerade eine andere Form der Landeskunstausstellung.

Blick in die Kuba-Ausstellung mit Werken von Shako Berakashvili (vorne) und Max Sayed.

Blick in die Kuba-Ausstellung mit Werken von Shako Berakashvili (vorne) und Max Sayed.

Foto: Oliver Dietze

Man vermisste bei der SaarArt viele Stammgast-Künstler, denn mancher wollte sich auf das neue Konzept der Landeskunstausstellung nicht einlassen und bewarb sich erst gar nicht. Deshalb ist es besonders erfreulich, wenn man jetzt beim Herbstsalon im Kuba viele davon entdecken kann. Präsentiert werden 22 Positionen, zu den Atelierkünstlern werden auch Gäste dazu geladen.

An erster Stelle der schönen Begegnungen ist Dirk Rausch zu nennen. Er arbeitet vor allem mit geometrischen Farbflächen, die er überlappen lässt. Leichte Unschärfen führen zu flirrenden Farben und Raumeindrücken. Farbwirkung und -beziehungen sind Gegenstand seiner seriellen Arbeiten, dabei kombiniert Rausch die analoge Technik des Aquarells mit digitalen Drucktechniken. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Rausch aus Farbe und Form betörend Schönes schafft. Seine aktuellen Arbeiten sind dichter und in der Ausführung kompakter als zuvor.

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen und deshalb ist Michael Koobs 3-Kanal-Videoinstallation „Gelassenheit ist eine warme Brise“ eine Wohltat. Koob nimmt uns mit nach Italien. Rechts und links sehen wir einen Sonnenschirm und den strahlend blauen Himmel. Auf dem mittleren Bildschirm blicken wir auf den Strand mit eben jenen Sonnenschirmen. Man hört den Wind und die Wellen, das Flattern der Schirme und ein paar Wortfetzen von den Badenden. Das alles strahlt so viel Ruhe und Gelassenheit aus, dass man sich beim Anschauen in den Urlaub zurückträumt.

Träumen von Strand und Meer kann man auch bei Arne Menzel. Von ihm hängen zwei Seestücke in der Ausstellung. Gemeinsam ist ihnen eine horizontale Linie in gleicher Höhe, die den Horizont bildet. Das linke Bild zeigt lediglich eine grellpinke Grundierung mit unregelmäßig blauer Fläche im unteren Drittel. Und doch assoziiert man die Arbeit sofort mit einem Sonnenuntergang oder -aufgang am Meer. Das rechte Bild ist etwas gegenständlicher und zeigt einen Strand mit Möwen. Würde man das linke Bild auch sofort mit einer Meeresansicht assoziieren, wenn es das figurative Bild nicht gäbe? Wo beginnt Abstrahierung und wo endet sie? Eine spannende Frage. An das Meer erinnert auch Martin Steinerts „Bogen“, der an eine sich aufbauende Welle erinnert.

Düster ist hingegen Luise Talbots Gemälde „Camouflage“. In ihren Motiven nutzt sie immer wieder Stoffe, um Dinge und Szenen zu verschleiern. Wir sehen im Grunde nichts als ein grün-blau schimmerndes Tuch vor einem schlammbraunen Hintergrund. Doch es zeichnen sich die Formen eines Menschen ab, der auf einem Tisch zu liegen scheint. Der perfekte Grusel mit minimalem Aufwand. Natürlich erinnert die Szene an eine Leiche auf einem Seziertisch, auch wenn wir es nicht wirklich wissen, was sich unter dem Stoff versteckt. Das Geschehen findet nur im Kopf des Betrachters statt. Talbot geht den schon im Studium begonnenen Weg kontinuierlich weiter und es macht viel Spaß, ihr dabei zuzuschauen.

Erstmals bei einem Herbstsalon dabei ist Eric Heit mit einem digitalen Artprint, das den modernen Arbeitsalltag mit Laptop und Tablet in den Kontext antiker Vasenmalerei setzt. Außerdem zeigen die Atelierstipendiaten Shako Berekashvili und Rebekka Berthold aktuelle Werke. Berthold überzeugt mit zarten Aquarellen mit Fragmenten von Köpfen und Gesichtern. Berakashvili setzt mit Ölkreide Zeichen und Symbole auf Papier, die er mit Leinölfirnis versiegelt. Dadurch wirken die Arbeiten wie flüchtig eingefangene Fotografien.

Nicht unerwähnt bleiben kann Petra Jungs wunderbare Arbeit. Sie vergleicht das Leben mit einem Fluss und macht die Wand zur Projektionsfläche ihres Lebens. Aus Haaren hat sie kleine Schiffchen geformt und „Wegzeugen &Zeitgefährten“ hineingelegt. Das sind kleine Erinnerungen, die sie im Laufe ihres Lebens gesammelt hat und die ihr wichtig sind: getrocknete Pflanzen und Blüten, Federn, Zettelchen, Figuren, Schmuck und Eintrittskarten.

Erstmals war nicht mehr Andreas Bayer als künstlerischer Leiter für den Herbstsalon des KuBa verantwortlich, weil er sich ganz auf seine Aufgabe als Leiter des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis konzentrieren will. Dieses Mal kuratierten die Künstler undn Künstlerinnen selbst. Meist ist das keine gute Idee, weil die Distanz fehlt. Doch im Kollektiv wie jetzt im KubA scheint das ganz gut zu funktionieren. Die Schau kann auch in der Hängung überzeugen.

Neben den schon genannten Künstlerinnen und -Künstlern sind auch Julia Aatz und Julia Baur dabei, die französische Gastkünstlerin Sidonie Bilger, Werner Constroffer, Mane Hellenthal, Juliana Hümpfner, Vera Kattler, Markus Laforsch, Annegret Leiner, Armin Rohr, Max Sayed, Claudia Vogel und Eva Walker.

Bis 1. Oktober;Di–So 15-18 Uhr.