Helmlé-Übersetzerpreis geht in diesem Jahr an  Sonja Finck.

Auszeichnung in Sulzbach : Preiswürdig: Sonja Finck und die „Sichtbarkeit des Übersetzers“

(kek) Wäre jede Laudatio so klug und hochliterarisch, so feinsinnig und obendrein unterhaltsam wie die, mit der am Montag Frank Heibert seine Kollegin Sonja Finck ehrte – man wollte täglich bei Preisverleihungen hocken.

In der Sulzbacher Aula erhielt die Übersetzerin Sonja Finck den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, benannt nach dem Sohn der Stadt (1927-2000). Der 2004 vom SR initiierte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird seit 2005 verliehen. Ausgelobt wird er vom Saarländischen Rundfunk, der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie (Stiftung ME Saar) und der Stadt Sulzbach, die 2010 hinzustieß.

Ausgezeichnet wurde Finck für ihre Übertragungen frankophoner Literatur aus verschiedenen Kulturkreisen und Kontexten; die von ihr übersetzten AutorInnen stammen etwa aus Nordafrika, Frankreich oder Kanada. Die Jurorinnen des Eugen-Helmlé-Preises 2019 (wie bereits im vergangenen Jahr waren dies die Berliner Journalistin Susanne von Schenck; Colette Gravier, Literaturbeauftragte der Direction Régionale des Affaires Culturelles der Région Grand Est in Metz, und SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs) lobten sie als „unermüdliche Vermittlerin“ zwischen den Kulturen: „Die Arbeit von Sonja Finck […] lädt auf ihre Art dazu ein, an den großen Debatten und aktuellen Fragen unserer Gegenwart teilzuhaben“, zitierte Oswald Bubel, Vorstandsvorsitzender der ME-Stiftung, aus der Begründung.

 Finck lebt in Berlin und Québec; geboren wurde sie 1978 im nordrheinwestfälischen Moers. In Toulouse absolvierte die heute 41-Jährige zunächst eine Artistenausbildung und studierte danach literarisches Übersetzen in Düsseldorf und Madrid. Seit 2004 arbeitet sie freiberuflich als Übersetzerin von Romanen und Theaterstücken aus dem Französischen, Englischen und Spanischen ins Deutsche. Fincks Übertragungen – etwa von Annie Ernaux oder Jocelyne Saucier – zeugten von intensiver Auseinandersetzung mit Werk und Autor, legte Heibert dar. Er lobte Fincks „kluge Offenheit“ und „ihr politisches Engagement“, ihren künstlerischen Mut, ihr Einfühlungsvermögen und ihren Neugestaltungswillen.

In diesem Zusammenhang thematisierte Heibert die „Sichtbarkeit des Übersetzers“: Ihr skrupulöses Nachfragen und beherztes Nachjustieren machten Finck zur „Mit-Autorin“, die gerade durch ihren verantwortungsbewussten freien Umgang mit der eigentlichen Wortbedeutung eine größtmögliche Texttreue erziele. Gemeinsam mit Bestseller-Autorin Annie Ernaux plauderte Finck abschließend im Gespräch mit Tilla Fuchs aus der Praxis und las im deutsch-französischen Wechsel mit Ernaux aus deren Werken „Die Jahre“, „Erinnerung eines Mädchens“ und „Der Platz“.

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