1. Saarland
  2. Saar-Kultur

HBK Saar Saarbrücken: Jährlicher Rundgang und Hochschulinformationstag.

Saar-Kunsthochschule : Wo Norbert trabt und Hamlet demnächst probt

Bei der Jahresausstellung der Saar-Kunsthochschule zeigen junge Kreative bis Montag, was im vergangenen Jahr entstanden ist.

Es ist eine lieb gewonnene Tradition, dass sich die Studierenden der Hochschule der

Bildenden Künste Saar (HBK) einmal im Jahr mit dem, was in den Ateliers entstanden ist, der Öffentlichkeit präsentieren. Um die 1000 Besucher seien es regelmäßig, die diese Gelegenheit nutzten, junge Kreative und ihre oft unkonventionellen Arbeiten aus allen Fachrichtungen kennenzulernen, sagt HBK-Sprecher Andreas Bayer. Und auch dieses Mal gibt es wieder viel zu sehen, zu erleben, zu diskutieren – und möglicherweise auch zu erwerben.

Die HBK Saar wird in diesem Jahr 30 Jahre alt – doch dieses Jubiläum wird eher bescheiden begangen: Im Foyer des Haupthauses an der Keplerstraße (Ludwigsplatz) haben junge Kommunikationsdesigner die Zahl 30 künstlerisch in Szene gesetzt und mit Zitaten aus der Hochschulgeschichte kombiniert. Zudem gab es zur Eröffnung am gestrigen Freitag um 19 Uhr eine an die Decke des Foyers projizierte Videoinstallation, die die Kunst von der Steinzeit bis ins digitale Zeitalter thematisierte.

Die Saarbrücker Kunsthochschule zeichnet sich seit ihrer Gründung aus durch ihren interdisziplinären Ansatz. Was in diesem „ästhetischen Laboratorium“, wie es HBK-Rektorin Gabriele Langendorf im Vorwort der Jahrespublikation 2019 schreibt, so alles entsteht und auch für die Praxis taugt, lässt sich gut im Produktdesign erfahren. Dort haben sich Studierende im Rahmen eines Projektes mit innovativem Design medizinischer Hilfsmittel befasst. Entstanden sind beispielsweise Prototypen für ein Anti-Dekubitus-Matratzen-System, eine leise Milchpumpe, die sich der Brust anpasst oder ein modulares Physiotherapie-Gestell, das das selbstständige Trainieren auch älterer Menschen erlaubt. Junge Produktdesigner haben außerdem Ausstattungen wie clevere, formschöne Regale, in die Wand integrierte Blumentöpfe oder Lichtschalter für ein Holzhaus entwickelt, das bereits auf dem Markt ist. Und auch das Keramik-Atelier öffnet in diesem Jahr seine Türen und bietet einige Objekte zum Kauf an. Originelles kaufen kann man zudem im Design-Basar. Dass sich modernes Design zuehmend um Nachhaltigkeit, Up- und Recycling dreht, ist auch an der HBK zu beobachten.

Im Grundstudium geht es in diesem Jahr um Transformationsprozesse. Einige originelle Arbeiten zum Thema der Metamorphose sind dort entstanden. So zeigt eine Studentin, wie aus einer aus zwei Modulen bestehenden Bank, ein Tisch und dann ein Regal wird. Im Malerei-Atelier von Professorin Gabriele Langendorf hat man sich mit der komplexen Symbiose von Bildraum und Realraum auseinandergesetzt. Wie ein Netz legen sich dort Linien, Flächen und deren Schatten über Fenster, Boden und Wände. Wie optische Täuschungen wirken die geometrischen oder organischen Eingriffe in den Raum, je nach Perspektive entstehen faszinierende, dreidimensionale Körper im Raum. Im E-Haus finden Liebhaber von Foto- und Videokunst interessante Installationen und experimentelle Fotografien. Auch die Klangkünstler sind dort beheimatet – sie läuteten den Rundgang am Freitagabend mit einer Glocken-Performance ein.

Ein Publikumsmagnet wird sicherlich wieder die Präsentation in den Ateliers von Media Art und Design sein, wo man ein interaktives Multi-Player-Videospiel mit Virtual Reality-Brillen testen kann. Dort sind auch mehrere Entwürfe eines dynamischen Bühnenbildes für die geplante „Hamlet“-Produktion des Saarländischen Staatstheaters zu sehen. Die Studierenden haben dafür Video-Projektionen und echte Kulissen im so genannten „Video mapping“ fusioniert. So können schnell neue Bühnenräume und Szenarien entstehen. Wie man mit Licht Kunst macht, ist eindrucksvoll im Atelier von Daniel Hausig zu sehen. Das Saarland in Zahlen typografisch verarbeitet haben Studierende auf witzig gestalteten Plakaten, die mit saarländischen Eigenarten spielen – von Maggi bis Lyoner.

Unkonventionell, experimentell und im besten Sinne abgedreht zeigen sich wie gewohnt die Studenten und Studentinnen der HBK-Dependance für Bildhauerei und Public Art, geleitet von Georg Winter, deren Werkstätten sich in der Handwerkergasse in der Völklinger Hütte befinden. Dort wird das „Rezeptionspferd“ Norbert die Gäste am Samstag ab 14 Uhr empfangen, um sie „durch die Gasse zu geleiten“, wie Winter ankündigt. Was das soll? Das wird sich sozusagen im Laufe der Performance zeigen. Außerdem sind in Völklingen Arbeiten entstanden, die sich mit dem Bauhaus im weitesten Sinne beschäftigen und um „das Selbstverständnis künstlerischer Produktion“ kreisen, so Winter. Neben Gemälden, Drucken und Zeichnungen entdeckt man dort Räume für Musik, Tanz- und Kunstperformance. Die Gasse lebt von diesem Aktionismus.

Bereits zum 9. Mal wurde am gestrigen Freitag (19 Uhr) der „Peter-und-Luise-Hager-Preis“ an drei junge Künstler vergeben. Elf der eingereichten Arbeiten sind in der HBK-Galerie ausgestellt (Bericht folgt).