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Hans Husel, Original der saarländischen Jazz- und Grafik-Szene, blickt zurück

Jazz-Original Hans Husel : Was ein Freidenker so mit Spielräumen macht

Das Saarbrücker Jazz-Original Hans Husel blickt auf sein Leben zurück.

Allzu locker nahm Hans Husel die Sache wohl nicht. „Das ist mein zweiter Vortrag in meinem Leben“, hörte man ihn aus dem Nebenraum. „Ich brauche erst noch ein zweites Bier!“ Und als er darauf beharrte, im Stehen zu referieren, blieb Spielraum-Vorstand Burkhard Ullrich getreulich an Husels Seite: als Stichwortgeber, sollte der ungeübte Redner den Faden verlieren, und um ihn aufzufangen – „falls ich“, ulkte Husel, „dahinsinke“.

Am Samstag stellte Husel, liebenswert eigensinniges und streitbares Original der hiesigen Jazz- und Grafik-Szene, beim gut besuchten 113. Abend im „Spielraum“ Heiligenwald seine Broschüre „Musical Activities“ vor: eine knapp 45 Jahre umspannende Dokumentation der von ihm initiierten und redaktionell betreuten Experimental-Jazz-Konzerte sowie seiner (nicht nur in diesem Kontext) entstandenen eigenen künstlerischen Arbeiten. Die Auflage: 50 Exemplare, alle unsigniert. „Ich signiere nicht!“, grantelte Husel. „Er hat so seine Art“, wisperte es im Publikum, „immer schon gehabt.“ 1942 in Speyer geboren, fuhrwerkte der Verächter jeglicher Fahrstuhlmusik und Mainstreamkunst nicht nur als Konzertveranstalter, sondern auch als Buchhändler, Grafikdesigner, Galerist, Kneipier und „williger Verrichter fremdbestimmter Arbeit“ – so nennt er seine Ausflüge ins Angestelltenverhältnis. Die Liebe zum Jazz weckte der Vater eines Klassenkameraden, der eine umfangreiche Plattensammlung hatte und außerdem Husels Freidenker-Geist mit Literatur von Jean Genet und Henry Miller fütterte. Seit 1970 stellte Husel aktiv aus und wirkte bald auch musikalisch als Impulsgeber: Unter seiner Ägide wandelte sich das „sog.theater“ 1975 zur Kneipe mit Galerie und, allerdings nur mäßig erfolgreichem, Jazzbetrieb.

Den Grundstein als Konzertveranstalter legte Husel 1980 mit der Verpflichtung des Freejazz-Urgesteins Peter Brötzmann für den legendären Saarbrücker Jazz-Keller Gießkanne – die Zeitungskritik durften Husel und sein damaliger Mitstreiter Hermann Bauer selbst schreiben. Stoff für schrullige Anekdoten boten auch die folgenden Jahre: Mit seinem Job als Grafiker der Stadtgalerie etablierte Husel ab 1985 die Reihe „Improvisierte Musik“. Hier spielte alles, was international Rang und Namen hatte; sofern, so Husel, „gerade auf Tour und bezahlbar“. Ende der 1990er verendete die Reihe an wiederholten Reibereien mit Stadtgalerie-Leiter Bernd Schulz und wurde 2003 im Saarländischen Künstlerhaus fortgesetzt; 2012 vererbte Husel seine „Künstlerhausmusik“ dann an den Jazzer Stefan Scheib.

Begleitend entwarf Husel zahlreiche experimentelle Plakate und CD/DVD-Cover sowie weitere Zeichnungen, Druckgrafiken, Collagen, Wortplastiken, Objekte und Konzepte mit musikalischem Bezug. Seit Ende 2005 übt sich Husel zudem auf dem Gebiet der digitalen Konzertfotografie: keine dokumentarischen Aufnahmen, sondern impulsiv situative Bilder. Und seit 2015 kreiert der Mittsiebziger Logo, Flyer und Plakat fürs Saarbrücker Freejazz-Festival, bei dem er auch an der Abendkasse hockt. Nach Husels trockenhumorigem Vortrag, bei dem parallel sein beständiger Kampf mit dem Beamer heitere Momente bescherte, spielte wie jedes Jahr vor Hexennacht das vitale „Christof Thewes Quartett“ (Hartmut Oßwald, Saxofone; Benjamin Lehmann, Kontrabass; Christof Thewes, Posaune; Martial Frenzel, Schlagzeug) zünftige Stücke aus Thewes’ „SurRealbook“. Ehrensache, dass Husel knorrig kommentierte.

Hans Husel: Musical Activities. 68 Seiten, 25 Euro.
Spielraum-Programm unter: www.spielraumstudio.de