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Gute Stimmung beim Konzert von Milow im Den Atelier in Luxemburg

Konzert-Kritik : Milows Sommer-Klänge im Atelier

Der Singer-Songwriter startete am Sonntag in Luxemburger seine neue Live-Tour. Das ausverkaufte Haus versetzte er in Feierlaune. Und sprach dabei erstmals Deutsch.

Milow ist in Luxemburg Stammgast. Neunmal trat der Belgier Jonathan Vandenbroeck hier in den letzten zehn Jahren auf, alleine sechsmal im Atelier. Am Sonntag hatte er die Location als Startort für seine „Lean into Me“-Tour auserkoren und füllte damit locker die frühere Autowerkstatt. Zwei Stunden voller Musik versprach der 38-Jährige anfänglich – und hielt. Mit 125 Minuten sei eines der längsten Konzerte gewesen, das er bisher überhaupt gespielt habe, schrieb er anschließend bei Facebook.

Und die 125 Minuten hatten es in sich: Luftschlangen, sogar Funkenfontänen in der kuscheligen Mini-Halle, immerzu donnernder Applaus, prächtige Tanz- und Feierstimmung von Beginn an unter den etwa 1000 Zuschauern. Die der Singer-Songwriter geschickt befeuerte, indem er gleich das erste Lied, seinen frühesten Hit „You don’t know“, mit umgeschnalltem Spezialmikro und Gitarre auf der Treppe des kleinen Atelier zum Besten gab. Das Bad in der Menge zum Auftakt. Gefolgt von jeder Menge spaßiger Ansagen, Anekdoten und Frotzeleien mit den Kollegen. Immer begleitet von seinem sympathischen Dauerlächeln. Die Message: Wir haben Spaß!

Die kommt an. Denn merklich stimmt die Chemie unter den sechs auf der Bühne, die Sturm und Regen außerhalb mit sommerlich warmen Klängen begegnen, auch textlich treffend etwa bei „Summer days“. Nichts zu spüren davon, dass die Band erst seit wenigen Tagen zusammen probt. Ein gewohnt spielstarkes Ensemble, aus dem wie schon vor acht Jahren Backgroundsängerin Nina Babet und vor allem Gitarrist Tom Vanstiphout herausragen. Als (Mit)-Sänger und dank seiner Soli, die etwa „Ayo technology“ sphärischen Pep verleiht. Dabei ist der Milow-Sound seit Beginn an von der Akustikgitarre geprägt, die auch im Atelier das Bindemittel ist für wohlige Musikbonbons.

Die Hit-Dichte hat in den jüngsten Jahren deutlich abgenommen, starke Stücke wie „Howling at the Moon“, mit dem er den regulären Teil beschließt, oder „Lay you worry down“, das allerletzte Lied des Abends, zeugen weiter von Milows Schreib- und Komponierfähigkeiten. Generell ist sein aktuelles Album zurückhaltend, intim, privat, geworden. Erwachsener als die Vorgänger und doch wieder federleicht. Live klingt es flotter.

Bei der ganzen Gute-Laune-Atmosphäre fällt vieles nicht negativ ins Gewicht. Etwa, dass die Formation Martin + James für das Luxemburger Konzert als Vorband ausgefallen ist. Auch bei den nächsten Konzerten in Deutschland sind die beiden Briten, anders als zunächst geplant, auch nicht dabei, wie sie am Montagnachmittag bei Facebook verkündeten. Schade, hatten die beiden gerade nach langer Pause eine neue EP herausgebracht. Sie waren schon 2011 im Atelier vor Milow aufgetreten – und eroberten sich auch dort eine Fanbasis.

Die hat Milow im vergangenen Jahr durch das populäre TV-Format „Sing meinen Song“ vergrößert – ebenso wie sein Live-Repertoire. Er covert nunmehr „Weiße Tauben“ von Johannes Oerding, der auch Gast besagter Show war. Und Wincent Weiss‘ „Musik sein“. Und erzählt, wie er für die Sendung binnen drei Monaten Deutsch lernen musste und sich dafür neben dem Schauen von Netflix auf Deutsch an Wochenende in L.A. (wo er wohnt) wöchentlich mit einer strengen Lehrerin in der für ihn neuen Sprache unterhalten musste. Die Story kennt man zwar inzwischen zur Genüge – aber auch das trübt an dem Abend die Freude keinen Deut. Ebenso wenig, dass die Zugabe überraschend gediegen ausfällt. Man kann sich sicher sein: Milow wird bald zurückkommen.

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