Großes Festival mit US-Band Loch Lomond in Hemmersdorf

Festivalpläne in Hemmersdorf : Große Festivalpläne auf dem Land

Die lose Konzertreihe „Internationale Künstler zu Gast im Dorf“ geht weiter: Nächste Woche kommt die US-Band Loch Lomond nach Hemmersdorf. Veranstalter Chris Burr plant dort nun ein ganzes Festival, das international vermarktet werden und die ganze Region beleben soll.

Es hätte ja auch schief gehen können. Man stelle sich vor: Eine renommierte Band, die sonst eher in New York, London oder Berlin auftritt, reist erstmals in Saarland, noch dazu ins besonders Ländliche – und niemand geht hin. Im September 2018  kam die US-Band Spain um Gründer/Sänger Josh Haden nach Hemmersdorf (Gemeinde Rehlingen-Siersburg), in den Ballsaal des Hotels Gasthaus Gellenberg. Kurios durchaus, aber kein tourneeplanbedingter Zufall – sondern ein ambitionierter Versuchsballon. Der Musikveranstalter Chris Burr (43), der von Hemmersdorf aus (mit einer Dependance in Bern) die Konzertagentur Hotellounge betreibt, wollte testen, ob sein Veranstaltungsmotto „Internationale Künstler zu Gast im Dorf“ überhaupt eine Chance hat.

Die hat es wohl, denn fast 200 Musikfreunde kamen zu Spain nach Hemmersdorf, bisher als hipper Konzertort absolut unverdächtig. Sicherlich keine Zahlen, die Veranstalter reich machen oder überhaupt mehr als gedeckte Kosten versprechen (zumal bei einem schlanken Eintrittspreis von zehn Euro); aber Burr ist mit der „guten Resonanz“ zufrieden, denn ihm geht es vor allem um die Belebung des Orts. Gerade mal sieben oder acht treue Fans der Band seien von weither angereist, „der Rest des Publikums kam vor allem aus dem Dorf. Die Leute wollten einfach mal kucken kommen, weil sonst wenig los ist.“

Burr hat jetzt eine nächste Band eingeladen, die einen guten und musikalisch ziemlich vielschichtigen Abend verspricht: Loch Lomond, die dem Namen zum Trotze nicht aus Schottland kommt, sondern aus den USA. Schließt man von dem jüngsten, auch schon drei Jahre alten Album „Pens from Spain“, erwarten einen viele versponnene Pop-Momente mit manchmal unwiderstehlichen Refrains, Gesang zwischen Falsett und tiefergelegter Bowie-Dramatik, ein bisschen piepsende Elektronik, vor allem aber einem luftig organischen Klangbild; unter anderem mit choralen Passagen, Piano und Glockenspiel – eine Entdeckung.

Für Burr zählt die Band aus Oregon zu „diesen interessanten Künstlern, die sonst nicht hier spielen. Irgendwo zwischen Hochkultur, die meistens subventioniert wird, und kommerziellem Pop-Mainstream, der sich über die Ticketverkäufe trägt. Wir liegen eigentlich genau dazwischen.“ Was die Realisierung und Finanzierung  von Burrs jüngster Idee nicht einfacher macht: ein mehrtägiges Musikfestival in Hemmersdorf, an verschiedenen Spielorten. Das wird kommen, sagt Burr. Aber wann genau und mit welchen Künstlern, das will er noch nicht verkünden.  Immerhin: Die gebuchten Musikerinnen und Musiker, die er hinter vorgehaltener Hand nennt, so viel darf man verraten, werden den Weg nach Hemmersdorf lohnen.

Um das Ganze auf den Weg zu bringen, haben Burr und Gleichgesinnte den „Hemmersdorf Pop Förderverein“ gegründet (weitere Mitglieder sind sehr wilkommen). Das Satzungs-Credo beklagt, dass die Region „zunehmend unattraktiver für junge Menschen erscheint“. Da „braucht es neue attraktive und vielfältige Kulturangebote“. 18 Gründungsmitglieder hat der Verein (mit Burr als Erstem Vorsitzenden), darunter Thomas Roscheck (Marketingmann der Luxemburger Rockhal), Jazzgitarrist Uli Brodersen, Musikerin Kathrin Berger und Produzent Marcel Sude. Jetzt geht es darum, mehr Mitglieder anzuwerben und Sponsorengelder für das Festival.

Das soll „selbst für Musikkenner ein Entdecker & Genießer-Festival“ sein.  Zudem soll es „dazu beitragen, eine Identitätsfindung der so genannten Großregion in Gang zu bringen“. Und ein „Marketing-Instrument für die Gemeinde, den Saargau und das gesamte Saarland“ soll es auch sein. Zumindest  das letzte der ambitionierten Ziele erinnert ein wenig an den saarländischen Poprat, der 2016 mit großer Geste angetreten war, um das Saarland zum Popland zu machen, mittlerweile aber etwas stiller wirkt. Burr war selbst ein Poprat erster Stunde, hat dem Verein dann aber mehr oder weniger enttäuscht den Rücken gekehrt. „Man darf nicht zu groß sein und alles gleichzeitig wollen“, sagt er dazu, „da verpufft vieles. Man muss eine klare Linie nach außen haben und man muss sich auf wenige Ziele konzentrieren.“ Sein nächstes Ziel: das Festival.

Veranstalter, Festival-Planer und Ex-Poprat Chris Burr. Foto: Chris Burr/Burr

Konzert: Loch Lomond und davor die Saarbrücker Band Me in the Forest. Montag, 24. Juni, Gasthaus Gellenberg (Niedaltdorferstraße 23), Hemmersdorf. Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Karten (12/14 Euro) an den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.
Kontakt zum Förderverein:
www.facebook.com/fv.hdpop

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