Gitte Haenning begeistert Publikum mit Jazz-Versionen in Saarlouis

Gitte sorgte für viele Überraschungen : Gitte Haenning will längst keinen Cowboy mehr als Mann

Dänische Sängerin macht in Saarlouis einen großen Bogen um ihre Schlager von einst – und beglückt das Publikum am Ende mit einer Jazz-Version ihres größten Hits.

Eine geglückte Gratwanderung haben mehr als 600 Zuschauer am Freitag beim ausverkauften Konzert von Gitte Haenning im Saarlouiser Theater am Ring erlebt. Gratwanderung deshalb, weil ja sicherlich viele Besucher angereist waren, um zu hören, was Gitte populär machte: Ihre Erfolge im Schlagergeschäft. Die begannen bereits 1963 mit „Ich will ’nen Cowboy als Mann“, gingen in den 70ern weiter mit Titeln wie „So schön kann doch kein Mann sein“ und endeten in den 80ern mit „Ich will alles“ und „Lampenfieber“. Um es vorwegzunehmen: Davon war nur ein kleines bisschen im Programm der Dänin.

Denn, und davon galt es das Publikum zu überzeugen, Gitte mag diese Titel offenbar nicht besonders und möchte auf keinen Fall als alternder Schlagerstar betrachtet werden. Der Kampf zwischen der Erwartung des Publikums einerseits und dem Wunsch der Sängerin nach selbstbestimmter Songauswahl andererseits zog sich wie ein roter Faden durch das Konzert. Es begann schon damit, dass zunächst die toll spielende Band auf die Bühne kam und als Ouvertüre ein Medley aus Gitte-Hits präsentierte. Dann fing die 73-jährige an, ihr Künstlerleben zu erzählen. Dieses Leben begann weit vor dem „Cowboy“ als skandinavischer Kinderstar. Ein Produzent hatte ihrem Vater, ebenfalls Sänger, ein Duett mit seiner Tochter vorgeschlagen. Die kleine Gitte konnte dazu mit der Aussicht auf ein Fahrrad überredet werden, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Häufig begann die Sängerin ihre Anmoderation eines Titels mit „Das wurde auch kein Hit“ oder „Das verstehen Sie ja nicht, das ist auf Dänisch“. Wie schön, dass ihr das Publikum die kleinen Schrullen verzieh – oder hoffte es doch noch auf den „Cowboy“? „Ich bin nicht als steinerne Ikone gekommen, sondern damit Sie sehen, was ich so gemacht habe, bevor ich nach Deutschland kam“, klärte Gitte auf. Und ja, das hatte doch auch etwas, einmal, weil sie noch gut bei Stimme ist und zum anderen, weil Bandleader und Pianist Sebastian Weiß die alten Schlager mit den jazzigen Arrangements irgendwie seriöser klingen ließ. Mit einem Sprung zum 1982 erschienenen „Der Anruf“ ließ Gitte dann die 70er einfach aus. „Das wurde auch kein Hit, ich weiß nicht, warum.“ Da wollte man nicht unhöflich sein und hineinrufen, dass der Song an sich einfach schauderhaft ist. Schließlich traf die Sängerin ansonsten eine eigenwillige, aber durchaus geschmackvolle Auswahl.

Teil zwei des Konzerts stand ganz im Zeichen von Gittes später Musical-Karriere. Zu dieser habe man sie überreden müssen, weil sie sich doch keine Texte merken könne. In der Tat las sie das meiste vom Notenständer ab. Wie sie die Musical-Rollen dennoch schaffte, blieb ein Rätsel.

Und schon endete die charakterstarke Autobiographie-Show. Und siehe da, das Saarlouiser Publikum belohnte das mutige Repertoire mit langem Applaus. Spannung bei der Zugabe: Cowboy oder nicht? „Natürlich erwarten Sie etwas Besonderes von mir“, sagte Gitte bedeutungsschwanger. Überraschende Lösung für die angesprochene Gratwanderung: Cowboy? Ja, aber was für einer! In einer coolen Jazz-Version mit viel Kontrabass sprach sie einfach den Text ins Mikrofon. Das Publikum nahm den Humor an, zumal Gitarrist Benedikt Reidenbach auch noch das Bonanza-Thema zitierte. Ja, und dann sang sie es doch noch richtig: „Ich will ’nen Cowboy als Mann“.

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