Früherer Saarbrücker Chefdirigent Hans Zender gestorben

Saar-Musikleben : Zum Tode des Saarbrücker Orchesterchefs Hans Zender

Dirigent, Komponist und Musikvermittler: Hans Zender hat das Saarbrücker Rundfunkorchester in den 70ern und 80ern entscheidend geprägt. Jetzt ist er mit 82 Jahren gestorben.

Es gibt Namen, die haben diesen gewissen Klang. Ein Klang, der Erinnerung an Großes wach hält. Ein Klang, der sogar über Generationen trägt. Hans Zender ist so ein Name. Wann auch immer man mit Musikern oder anderen Dirigenten über das frühere Rundfunk-Sinfonierorchester Saarbrücken (RSO) spricht, den Vorgänger der Deutschen Radio Philharmonie, irgendwann fällt der Name Hans Zender. Ehrfürchtig ausgesprochen meist, voller Respekt. Der gilt einer außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeit, bei der sich das Dirigieren, das Interpretieren also, quasi organisch mit dem eigenen Erschaffen von Musik verband. Dabei war der frühere Chefdirigent des Saarbrücker Orchesters jemand, der sein Komponieren immer wieder neu reflektierte bis hin zur Entwicklung einer eigenen Harmonielehre, jemand, der sogar für sein Komponieren die geläufigen Tonschritte weiter segmentierte in Mikrointervalle; gewissermaßen auch ein Grundlagenforscher in puncto Musik. Jetzt ist Hans Zender knapp einen Monat vor seinem 83. Geburtstag gestorben

Der einstige RSO-Chef war ein hoch gebildeter wie auch neben der Musik umfassend wissbegieriger Mensch, der sich mit europäischer Literatur genauso intensiv befasste wie mit japanischer Lyrik. Anregungen suchte und fand er in vielen Künsten wie auch in der Philosophie; in Saarbrücken tauschte er sich etwa auch gern mit Philosoph Kuno Lorenz aus. Zender war kein Pult-Gott mit Karajan-Thrill; fast stand da schon ein Anti-Maestro vor den Orchester. Mitte 30 war er, als der gebürtige Wiesbadener, 1971 aus Kiel kommend, wo er bereits Generalmusikdirektor war, als Chef beim RSO in Saarbrücken anfing. Schwarzer Pullover, schwarze Hose, randlose Brille: Zender sah aus wie das Idealbild eines Intellektuellen zu jener Zeit. Als Komponist schrieb er fürs Musiktheater wie für den Konzertsaal. „Schachspiel für zwei Orchestergruppen“ heißt bezeichnenderweise ein Werk dieses Klangdenkers, der nie auf effekthaschendes Neutönen aus war. Wie selbstverständlich nahm Zender, der auch an der Frankfurter Musikhochschule lehrte, die Tradition auf, herausragende Werke wie Schuberts „Winterreise“ interpretierte er komponierend neu, spielte mit dem Überlieferten, variierte es mit Blick auf unsere Zeit (2016 noch wurde diese, seine „Winterreise“ in Saarbrücken eingespielt). Das war dann aber auch seine Art diese Musik in Schutz zu nehmen gegen allzu flache Aufführungen, als habe er schon heutige Klassikradio-Seichtigkeit vorausgeahnt. „Waches Hören“ überschrieb er einen seiner Essays, waches Dirigieren war sein Gegenmittel.

Auch als Dirigent war Hans Zender ein großer Förderer der zeitgenössischen Musik, mühte sich um etliche Komponistenkollegen, indem er ihre Werke uraufführte. Den exzellenten Ruf, den das RSO, den der SR, mit Blick auf die Neue Musik hatte, verknüpft sich eben mit seinem komponierenden Orchesterchef und dem Festival „Musik im 20. Jahrhundert“. Bis 1984 blieb er beim RSO. Dann wechselte er nach Hamburg, war unter anderem GMD des Staatsopernorchesters, dirigierte das NDR-Sinfonieorchester und etliche weitere Orchester von Rang.

Hans Zender im Gespräch mit dem Saarbrücker Philosophen Kuno Lorenz (rechts). Foto: FAP-Fine Art Press

Sein Orchester hier in Saarbrücken aber hat Hans Zender geprägt wie bislang kein Zweiter. Das RSO verdanke „ihm seinen Ruf als Präzisionsorchester für die zeitgenössische Musik“, sagte SR-Intendant Thomas Kleist jetzt, „viele Konzertbesucher begeisterte er nachhaltig für die klassische und ganz besonders für die zeitgenössische Musik“. Nachhaltig – wie wahr.

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