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Formate für Resonanzen-Festival gesucht: Kreative treffen sich in Saarbrücken

Resonanzen-Festival sucht innovative Formate : Ganz neue Töne für das Resonanzen-Festival

Das Corona-Virus stellt übliche Festival-Abläufe auf den Kopf. Das erste Resonanzen-Festival im Oktober muss sich daher neu erfinden – und bat die Kreativbranche um Inspiration: Bei einem Treffen in Saarbrücken entstanden innovative Veranstaltungsformate.

Abstandsregeln, Maskenpflicht, Sing-Verbote: Wie stellt man ein Festival auf die Beine, das auch unter schwierigsten Pandemie-Bedingungen funktioniert? Welche neuen Konzert-Formate könnte man entwickeln? Was muss völlig neu gedacht werden? Um diese Fragen zu beantworten, hat sich das Resonanzen-Team Unterstützung bei den Kreativen – Musiker, Designer, Multimedia-Experten, Event-Manager – geholt. Rund 40 Teilnehmer aus der Großregion folgten am Samstag dem „Summit Call“ von K8 (Institut für strategische Ästhetik) und Dock 11, der Plattform der Kreativbranche in der Großregion, und trafen sich im Saarbrücker Pingusson-Bau.

„Wir müssen so flexibel wie möglich sein, alle herkömmlichen Abläufe in der Festivalplanung gelten nicht mehr“, begründet Sebastian Studnitzky, einer der künstlerischen Leiter der Resonanzen und erfahrener Festival-Macher, das Branchentreffen, bei dem er viele interessante Leute habe kennenlernen können, „die wir gar nicht auf dem Schirm hatten“. 60 bis 70 Konzerte sollen vom 1. bis 11. Oktober vor allem in der Landeshauptstadt stattfinden, darunter zwangsläufig viele kleine Formate. „Vieles werden wir sehr lange offen halten müssen.“

Was alles gehen könnte, präsentierten die Kreativen nach einem Workshop-Tag – Insider nennen das „Ideation-Prozess – also im Pingusson-Bau. Dort hat sich die Kreativbranche seit geraumer Zeit gewissermaßen eingenistet und nutzt den denkmalgeschützten Bau oft und gerne als Location für unkonventionelle Events wie dieses. Zuletzt fand dort die Preisverleihung des Kultur-Hackathons „Coding da Vinci Saar-Lor-Lux“ statt, ebenfalls ein Format, bei dem es um die Entwicklung innovativer Ideen im Kulturbereich geht, in diesem Fall um digitale Anwendungen.

Die spielen selbstverständlich auch bei den für das Resonanzen-Festival entwickelten Formaten eine Rolle, aber auch „altmodisch analoge“ Ideen wie Musiktouren zu Fuß durch die Stadt wurden vorgestellt. Letztere sollen verschiedene Themen – von Jazz bis Klassik –  abdecken, mehrere Spielorte, vielleicht auch Gastro-Stationen kombinieren und ausdrücklich „nicht virtuell“, sondern ganz real erfahrbar sein, wie eines der insgesamt sieben Teams sein gemeinsam erarbeitetes Konzept vorstellte. Für diese „musikalische Wundertüte“ wolle man vor allem lokale Bands und Veranstalter buchen.

Genau umgekehrt würde das Format der „Musik-Parade“ funktionieren: Nicht das Publikum käme hier zur Musik, sondern die Musiker zu den Zuhörern, die sich beispielsweise in Hotels einmieten könnten (und so ein Ticket zahlen), um kurze Konzerte von auf mobilen Bühnen installierten Bands am Fenster zu verfolgen. Man könne leerstehende Häuser oder auch ganze Straßenzüge derart bespielen, so die Vision des Teams. Wer was und wie viel bezahlt oder ob das alles umsonst sein soll, darüber gab es keine konkreten Aussagen bei diesem charmanten Vorschlag.

Ein weiteres Team schlägt vor, das Konzept der „musikalischen Salons“ wieder zu beleben, wie es sie im 19. Jahrhundert gab, als sich das Bürgertum zum Konzert in Privaträumen traf. Eine online-Plattform soll hierbei Gastgeber, Bands und Publikum vernetzen. Die Künstler sollen eine feste Gage erhalten. Der Vorteil: Viele kleinere Veranstaltungen mit vielen Künstlern, die auch dann stattfinden könnten, sollte es wieder stärkere Einschränkungen im öffentlichen Raum geben.

Auch „Picknick-Konzerte“ funktionieren, weil sie von der Teilnehmerzahl sehr variabel sind und zudem draußen stattfinden. Das Team für diese nicht sehr neue Idee hatte sich bereits Gedanken um die konkrete Umsetzung gemacht, inklusive Sponsoring und Picknick-Körbe.

Am anspruchsvollsten, technisch wie konzeptionell, präsentierte sich das Team für das „Immersive Konzert“: Hierbei erwerben Zuhörer so genannte „Music Cards“ mit digitalen Inhalten, wie Audio-Dateien oder Live-Streams zum Scannen. Die App ist zugleich das Ticket. Über 3-D-Audio bekommt der Zuhörer ein Konzerterlebnis via Kopfhörer. Der Clou: Die Leute sollen an einem Ort (zum Beispiel die Saarbrücker Garage) zusammengeführt werden, in der Annahme, einer inszenierten Konzert-Installation beizuwohnen, ohne Live Band. Diese kommt zum Schluss dann aber doch ins Spiel und macht aus dem virtuellen Konzert ein reales.

Welches dieser innovativen Formate nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell ins Programm des Resonanzen-Festivals passen wird, soll sich in den kommenden Wochen zeigen. Das Festival hat jedenfalls ein Budget von 20 000 Euro für Format-Entwicklung eingeplant. Dass nicht alle Teilnehmer des Gipfels zum Zuge kommen, versteht sich von selbst. „Es lohnt sich für viele trotzdem zu kommen, weil sie die Kompetenzen der anderen kennenlernen und sich eventuell vernetzen können für zukünftige Projekte“, erklärt Lars Potyka, Projektleiter bei Dock 11. Solche Branchentreffen der Kreativen seien sehr wichtig. Letztendlich wird aus der besten Idee nichts, wenn sie sich nicht umsetzen lässt.

Studnitzky hofft, dass auch die Politik erkennt, wie wichtig der Kultursektor sei, gerade jetzt. „Es hängt sehr viel Wertschöpfung an der Kultur und neuen Formaten, das kapieren viele aber noch nicht.“ Das neue Festival werde mit viel weniger Einnahmen als geplant auskommen müssen und auch die Sponsoren zögerten. Gleichzeitig seien Produktionskosten gestiegen. Mit innovativen Ansätzen hoffen er und sein Team, diese unvorhersehbaren Schwierigkeiten zu kompensieren, damit die ersten „Resonanzen“ nicht auch die letzten sein werden.

Mit Post-its und auf Plakaten skizzierten die Teams ihre Format-Entwürfe. Foto: Esther Brenner

Am Sonntag, 19. Juli, gibt es wieder ein kostenloses Satelliten-Konzert der „Resonanzen“: Mit drei Bands an Bord fährt das Theaterschiff Maria Helena ab 12 Uhr (bis 21.30 Uhr) von Saarlouis, über Völklingen-Wehrden zurück nach Saarbrücken. Man kann dem Boot als Fahrradfahrer folgen. Es spielen: Katharina Ernst, Storky Bones und The Rodeo. Alle Infos und Zeiten: www.resonanzenfestival.de.