„Die roten Schuhe“ und Scorsese-Doku Filmhaus Saarbrücken widmet sich dem legendären Regie-Duo Powell & Pressburger

Saarbrücken · Ohne diese beiden hätte das Kino anders ausgesehen. Das Filmhaus Saarbrücken widmet sich am Sonntag dem legendären Regie-Duo Michael Powell und Emeric Pressburger.

Erotisch aufgeladener Klassiker: Deborah Kerr in „Die schwarze Narzisse“ von 1947.

Erotisch aufgeladener Klassiker: Deborah Kerr in „Die schwarze Narzisse“ von 1947.

Foto: Mubi

Wie die beiden wohl geträumt haben? Wahrscheinlich in Technicolor; in strahlenden Farben, die dabei eine ganz eigene Nostalgie und entrückte Atmosphäre mitbringen, wie aus einer anderen Welt. Die Filme dieses Duos waren so einzigartig wie ihre wohl symbiotische Zusammenarbeit. 24 gemeinsame Spielfilme haben Michael Powell (1905-1990) und Emeric Pressburger (1902-1988) zwischen 1939 und 1972 ins Kino gebracht – darunter viele Klassiker. In „Irrtum im Jenseits“ (1946) schwebt ein Bomberpilot zwischen Leben und Tod, wobei der Himmel, in dem über das Schicksal des Piloten ein Prozess beginnt, schwarzweiß ist – farbig ist das Diesseits in diesem hinreißenden, bittersüßen Film, den man kaum trockenen Auges übersteht. 1947 spielte Deborah Kerr eine Nonne in dem erotisch aufgeladenen, bildgewaltigen Drama „Die schwarze Narzisse“.

Karrieredämpfer durch Horrorfilm

 “Die roten Schuhe“ läuft am Sonntag im Saarbrücker Filmhaus.

“Die roten Schuhe“ läuft am Sonntag im Saarbrücker Filmhaus.

Foto: Mubi

Der Brite Powell und der Exil-Ungar Pressburger hatten ihre eigene Produktionsfirma namens „The Archers“, waren unabhängige Geister, die lange auch unabhängig arbeiten konnten. Das endete 1960 schlagartig – mit einem Film, der mittlerweile anerkannt ist als düsteres Meisterstück, bei der Premiere aber Publikum wie Kritik so brutal vor den Kopf stieß, dass das Weiterarbeiten sehr schwer wurde für dieses dynamische Duo: „Augen der Angst“ („Peeping Tom“), ein Schauerstück über einen mordenden Kamera-Assistenten, ein Film über Angst, Traumata und Voyeurismus (auch den im Kino). Ein Werk, das gleich auch die Karriere des Hauptdarstellers Karlheinz Böhm schwer beschädigte.

Von Sorsese wiederentdeckt

 Emeric Pressburger (links) und Michael Powell bei den Dreharbveiten zu „Die roten Schuhe“.

Emeric Pressburger (links) und Michael Powell bei den Dreharbveiten zu „Die roten Schuhe“.

Foto: Mubi

Das Leben und die Arbeit von Powell und Pressburger zeichnet die Doku „Made in England“ nach, mit Martin Scorsese („Taxi Driver“, „GoodFellas“) als Erzähler; der Filmemacher hatte die Werke der beiden in den 1970er im Fernsehen entdeckt, lieben gelernt, den persönlichen Kontakt gesucht – unter anderem mit dem Ergebnis, dass Powell Scorseses langjährige (ab 1967 bis heute) Editorin Thelma Schoonmaker heiratete. Die Doku „Made in England“ ist nun einer der beiden Produktionen, mit denen sich das Saarbrücker Filmhaus an diesem Sonntag dem legendären Duo widmet.

Vor der Doku ist einer der schönsten Filme der beiden zu sehen: „Die roten Schuhe“ von 1948, ein Ballettfilm und Farbrausch gleichermaßen, zu sehen als digitale Kinokopie aus England.

Termine: Am Sonntag läuft ab 11 Uhr „The red shoes“ in der Originalfassung, ab 14.30 Uhr „Made in England: Die Filme von Powell und Pressburger“ im Original mit Untertiteln.
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