Filmemacher Pol Cruchten gestorben

Luxemburg : Luxemburger Film-Regisseur Pol Cruchten gestorben

Anfang der 1990er, das war seine große, fast schon glanzvolle Zeit. 1993 bekam Pol Cruchten für „Hochzäitsnuecht“ in Saarbrücken den Max-Ophüls-Preis.

„Kino pur“, sei das, voller Gefühl, „bigger than life“, lobte die Jury den Film des Luxemburger Regisseurs. Zuvor war Cruchtens Streifen voller Lokalkolorit über eine Tochter aus besserem Haus und einen durchs Leben streunenden Halbwaisen, in Liebe und in Drogenkonsum schicksalshaft aneinander gekettet, aufgeladen durch die schauspielerische Urkraft Thierry van Wervekes, bereits bei den Festspielen in Cannes aufgefallen. Unter all der internationalen Konkurrenz. Bis heute glückte das keinem weiteren Luxemburger.

Es hätte also durchaus auch eine große Karriere werden können, aber Pol Cruchten, der jetzt mit nur 55 Jahren überraschend in La Rochelle gestorben ist, während der Arbeit an einem neuen Film, war keiner, der dem kommerziellen Erfolg nachlief. Ihn interessierten herausfordernde Fragestellungen, auch als schwierig geltende Themen. Nicht mal zehn Spielfilme hat er gedreht. Trotzdem war sein ganzes Leben Kino. In Pétange geboren besuchte er die École Supérieure d’Études Cinématographiques in Paris, er studierte Regie. Einige Jahre nach dem Erfolg von „Hochzäitsnuecht“ gründete er auch eine eigene Produktionsfirma „Red Lion“, arbeitete wie besessen.

Lange ließ sich denn Kino in Luxemburg auch auf drei Namen reduzieren: Cruchten, van Werveke, der 2009 starb, und Andy Bausch, dem als Regisseur auch internationaler Erfolg zuteil wurde. Nun lebt nur noch Bausch.

Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel schrieb jetzt via Twitter, mit Pol Cruchten habe sein Land nicht nur einen „einzigartigen Regisseur, Produzenten und Pionier des Luxemburger Films verloren, sondern auch einen Menschen mit einem großen Herzen“. Ein großes Herz – das hatten Pol Cruchtens Filme tatsächlich.

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