Filme von "Creajeune" im Kino Achteinhalb

Filme von „Créajeune“ im Kino Achteinhalb : Das Weltall und das Gemüsebeet

Zwischen den Weiten des Weltalls und dem heimischen Gemüsebeet haben sich diesmal die Werke aus der Kategorie „Junge Erwachsene“ (bis 30 Jahre) bei „Créajeune“ abgespielt, dem Filmwettbewerb der Großregion.

Am Dienstag, 20. Mai, laufen die noch einmal im Saarbrücker Kino Achteinhalb – organisiert vom Saarländischen Filmbüro. Knapp zweieinhalb Stunden läuft das untertitelte Programm, es beginnt um 20 Uhr.

Was gibt es zu sehen? Zwölf Filme, mal eine flotte Minute lang, mal fast eine halbe Stunde, mal fiktiver Kurzfilm, mal Doku. Bei manchen Filmen sollte man nicht blinzeln, sonst verpasst man ein paar Einstellungen: Die Luxemburgerin Elisa Pietrangelo etwa erzählt in ihrem rasant montierten Ein-Minuten-Film „Core“ eine mysteriöse (Kurz-)Geschichte von einer älteren Dame, die via Telefonzelle in andere Welten (oder Zeiten?) reist und einem wartenden Mädchen ein besonderes Mitbringsel kredenzt. Viele Bilder und Einstellungen (das war sichtlich viel Arbeit) packt der Film in seine knappe Laufzeit, der fast wie ein Trailer für einen längeren Film wirkt – der sehr willkommen wäre.

Das Gymnasium Henri Poincaré in Nancy entführt mit „The Migrant“ ins All. Ein Raumschiff namens „Sympathic“, das wie ein Hybrid aus Bügeleisen und Tischstaubsauger aussieht, gerät in Schwierigkeiten – wäre ein Planet mit Bewohnern, die wie früh gealterte Kinder aussehen, eine Rettung? Im Prinzip schon, doch deren Willkommenskultur ist nicht existent, Terraner haben einen schlechten Ruf. Ein galliger Kurzkommentar (sechs Minuten) zur Migration, ohne Zeigefinger, aber mit schönen Tricks, umflort von Retro-Aroma.

Eine schwarze Komödie ist „On a merdé“ von Aurélien Maury aus Lothringen. Nach einer Party liegt eine Leiche im Wohnzimmer. Die Gastgeber greifen kurzerhand zu improvisiertem Leichensack nebst Schaufel, ab geht es ins Grüne. Doch die Gastgeberin tendiert zum Überregieren, wenn sie eine Schaufel in der Hand hat. Sechs flotte Minuten sind das, lässig gespielt.

Aus der Wallonie kommt die halbstündige Doku „Du blues au flouze“: Das belgische Filmkollektiv „Coup 2 Pouce“ beschäftigt sich mit HipHop, dessen Geschichte und auch der anscheinend Genre-immanenten Tendenz, Frauen herabzuwürdigen. Eine Collage mit vielen Gesprächspartnern, darunter Musiker und Frauen, denen man in einer Einkaufspassage Videos zeigt, in denen die Statistinnen vor allem mit ihrer Rückseite in Erscheinung treten.

Nur ein Film der zwölf Wettbewerbsfilme kommt aus dem Saarland – und er ist exzellent: Die Saarbrückerin Nora Mazurek lässt in „Sommer im Garten“ ihren 86-jährigen Großvater Josef Thomas aus seinem Leben und von seinem Garten erzählen. Zwischen Sätzen wie „Für die Tomaten war es kein gutes Jahr“ und „Lauch geht in unserem Garten sehr gut“ spricht er von seinem Leben, seiner geliebten, demenzkranken Frau, davon, wie er 1962 beim Grubenunglück in Luisenthal an einem Tag 28 verbrannte Leichen nach oben geschafft hat, am nächsten Tag nochmal acht. Zwischen Salatbeet und Vogelhäuschen offenbart sich da, zumindest schlaglichtartig für 19 Minuten, ein ganzes Leben. Die Vögel zwitschern, in den Scheiben eines überdachten Beets spiegeln sich die Wolken, und der Großvater spricht vom Tod, „jetzt, wo wir wirklich ans Ende sehen“. Ob er sich ein Leben nach dem Tod erhofft, fragt die Enkelin. „Ich bin der Meinung, da kommt nix“. Ein Film, der sehr berührt, ohne gefühlig zu sein – da möchte man schon eine Träne zerdrücken.

Mehr von Saarbrücker Zeitung