Es wird gruselig im Merziger Zeltpalast, mit "Jekyll & Hyde“ als Musical

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues Musical im Merziger Zeltpalast : Fetzige Horror-Story im Merziger Zeltpalast

Joachim Arnold verrät, warum er das gruselige Steam-Punk-Musical „Jekyll & Hyde“ als Sommer-Großproduktion im Merziger Zeltpalast produziert und warum er in Berlin lebt.

Hurra, wir leben noch!, das wäre ein durchaus passendes Motto für das Kultur-Unternehmen „Musik und Theater Saar“ (M+T). Nach der Trennung von seiner Frau und Geschäftspartnerin Edda Petri musste Chef Joachim Arnold (54) seinen Betrieb einmal mehr neu aufstellen. Verwaltung und Personal „runterdampfen“, nennt er das in der ihm eigenen plastischen Art. Er sei nun Chef und Angestellter eines „Ein-Mann-Betriebes“: Büro-Leiter, Hausmeister, Intendant und technischer Direktor.  Wenn Arnold in Merzig vor Ort ist, lebt er in einem 50-Quadratmeter-Tiny-Haus auf dem Zeltpalast-Gelände. Denn den Erstwohnsitz hat der Saarländer schon lange in Berlin angemeldet, dort, wo die Musikbranche zu Hause ist und sich für ihn freundschaftliches und künstlerisches Umfeld ideal und effektiv verzahnen lassen.

Seit über 20 Jahren hat Arnold als privater Kultur-Unternehmer und Theater-Produzent überlebt, hat diverse Finanzengpässe, Programm- und Standort-Experimente hinter sich, viele gute Ideen begraben. Doch drei seiner Projekte erwiesen sich als besonders krisenresistent, sind nicht mehr wegzudenken aus dem regionalen Kultur-Angebot: Die Merziger Zeltoper/Zeltmusical, die Mettlacher Kammermusiktage und das zusammen mit der Deutschen Radio-Philharmonie gestemmte Open-Air-Event „Klassik am See“ (Losheim). Auf diese drei Haupt-Säulen und Geschäftsfelder will sich Arnold zukünftig konzentrieren. „Spezialisierung“ sei angesagt, meint Arnold, die Schärfung der Einzel-Profile seiner Veranstaltungen, die immer zielgenauer vor allem das hiesige Publikum zufrieden machen sollen. Hochfliegende Pläne der Vergangenheit, mit dem Zeltpalast ins touristische Geschäft vorzustoßen, musste er begraben. Busreisende als Übernachtungskunden durch ein Musical ins Saarland locken zu wollen, sei aussichtslos, findet Arnold. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Kultur-Destination Saarland als Paket-Buchung überregional nicht ziehe und noch kein Image habe. An Expansion oder Innovation denkt der Kulturmann derzeit also nicht. Ihm liegt an der Konsolidierung langjähriger Partnerschaften. Etwa mit der Stadt Merzig, der laut Arnold das Kulturprogramm im Merziger Zeltpalast 130 000 Euro wert ist. Und wert sein kann. „Da war nichts dabei, wofür man sich hätte schämen müssen“, sagt der Kultur-Unternehmer. Und hat Recht damit. seine Firma und Arbeit stehen für ein verlässlich hohes Niveau.

Andreas Gergen führt die Regie. Foto: Andrea Peller

4000 Tickets hat Arnold im Sommer 2019 verkauft, hatte das Platzangebot auf rund die Hälfte (500) heruntergefahren, um für das intime Judy-Garland-Musical „End of the rainbow“ eine intime Club-Atmosphäre zu schaffen. Nach diesem schmal besetzten Schauspiel mit Musik, das zwangsläufig die Erwartungen der Zuschauer an ein Sommer-Party-Event nicht erfüllen konnte, will Arnold es im nächsten Jahr doch lieber nochmal richtig krachen lassen. Ab 21. August geht er mit einer aufwendigen Produktion an den Start, mit dem Broadway-Erfolgsmusical „Jekyll & Hyde“. „Es wird wieder die große Show“, so Arnold, er verspricht eine fette Bühnen-Optik und große Bilder. Geplant ist eine Besetzung nach dem Modell von Arnolds „Addam’s Familiy“. 16 Darsteller sollen auf der Bühne stehen.

Das Musical „Jekyll and Hyde“ von Frank Wildhorn, das 1990 in Houston uraufgeführt wurde und dann seinen internationalen Siegeszug antrat, basiert auf der Novelle „The strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson (1850-1894), einem der bekanntesten Autoren des viktorianischen England. Es ist eine düstere Geschichte, in der es um Erotik, Schizophrenie und Mord geht. Der vielfach verfilmte Plot: Doktor Henry Jekyll sucht nach einer Medizin, die das Gute und das Böse im Menschen trennen kann und testet das Gebräu an sich selbst. So entsteht sein dunkles Alter Ego namens Edward Hyde. Der zieht nachts durch die Straßen Londons und lebt seine gewalttätigen Fantasien mit Prostituierten aus. Als Schauer-Musical im Steam-Punk-Stil verspricht das tatsächlich viele Schau-Effekte.

Die Regie übernimmt der Entertainment-Spezialist Andreas Gergen, mit dem Arnold seit Jahren eng zusammenarbeitet. Der in Saarlouis geborene Regisseur war bis 2017 Operndirektor am Salzburger Landestheater und gilt als Musical-Fachmann. „Er ist quasi mein künstlerischer Leiter“, sagt Arnold, der sich aus dem Bühnen-Bereich zurückzieht: „Ich bin nicht mehr länger der Theater-Zampano“, sagt der studierte Musiker, der über Jahre in Merzig oft als Dirigent fungierte. Jetzt sieht Arnold sich als Kopf einer „kleinen Holding“ mit Einzelbetrieben: Zeltpalast-GmbH (Vermietung/Vermarktung der Location), Musicalproduktionsfirma (Berlin), „Klassik-am-See“- und Kammermusiktage-GmbH. Jeder Geschäftszweig müsse sich selbst ernähren.

Dass Arnold es ernst meint mit seiner Strategie „Ich bin dann mal weg aus der ersten Reihe“, dafür steht auch die 2018 vollzogene Stabübergabe an der Spitze der Mettlacher Kammermusiktage, die jetzt von der Geigerin Franziska Hölscher gemanagt werden. Einen „Generationenwechsel“ nennt Arnold das. Für „Klassik am See“ (4. Juli) kündigt er eine Frau am Pult und ein amerikanisches Programm an, und für Dezember dieses Jahr (13. bis 29. Dezember) einen großen Weihnachtszirkus, den er 2018 erstmals mit ins Portfolio nahm. Denn ganz ohne Expeditionen in neue Kultur-Gebiete wär’s einem Mann wie ihm, der nach eigenem Bekunden über Jahre eine „Firma wie ein Pulverfass“ im Griff haben musste, dann doch zu öd.

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