„Ein Heimspiel ist immer was Besonderes“

Ela Steinmetz im Interview : „Ein Heimspiel ist immer was Besonderes“

Am 19. Oktober gastiert „Ela“ solo in Neunkirchen, wo sie aufgewachsen ist. Die Sängerin ist mittlerweile als Songwriterin sehr gefragt.

Quasi über Nacht wurde Elzbieta „Ela“ Steinmetz 2014 mit ihrer Band Elaiza berühmt. Die gebürtige Ukrainerin, die seit ihrem achten Lebensjahr lange Zeit im Saarland lebte, gewann mit ihren beiden Kolleginnen völlig überraschend den deutschen Vorentscheid zum „Eurovision Song Contest“ und vertrat Deutschland 2014 beim Finale in Kopenhagen. Inzwischen ist viel passiert. Im SZ-Interview blickt die heute 26-Jährige auf die bewegte Zeit zurück und verrät ihre Solo-Pläne.

Du wohnst inzwischen in Berlin. Welche Bedeutung hat das Saarland heute für Dich?

STEINMETZ Eine riesige Bedeutung. Ich liebe meine Heimat und versuche, so oft hier zu sein wie es geht. Man kennt das ja – als Künstlerin ist man eigentlich ständig nur unterwegs. Aber ich finde man darf nie vergessen, wo man herkommt. Hier hab ich meine Familie, meine Freunde und eben mein richtiges Zuhause.

Wie ist die Idee entstanden, zukünftig auch solo zu arbeiten?

STEINMETZ Ich hab’ angefangen, immer mehr für andere Künstler auf Deutsch zu Schreiben und habe  plötzlich festgestellt, dass auf Deutsch zu singen richtig schön ist. Es war ein schleichender Prozess. Nach und nach sind Songs entstanden – und irgendwann eben genug für ein ganzes Album (lacht). Also dachte ich: Warum nicht solo? So ist mein Solo Projekt „Ela“ entstanden.

Stimmt es, dass Du auf Deine Songs viel positive Resonanz von Kollegen bekommen hast?

STEINMETZ Ja, das ist einfach nur unglaublich! Ich habe meine Musik erst mal selbst veröffentlicht – um zu schauen, wie die Reaktionen so sind und bekam auf einmal so viel Liebe! Spotify hat mich mit ganz vielen Playlisten gepusht, die Resonanz der Fans war wirklich toll und beim letzten Release meiner Single „Fahrtwind“ hat Sarah Connor es sogar auf Instagram geteilt mit den folgenden Worten: „…Checkt mal das Mädel! Geile Stimme! Endlich mal!...“. Wie krass!

Elaiza gibt es aber nach wie vor, oder?

STEINMETZ Ja. Elaiza gibt es natürlich nach wie vor. Allerdings brauche ich den kreativen Prozess in unterschiedlichen Welten – ob es jetzt als Band-Mitglied, als Songwriterin oder eben als Ela. ist. Es treibt mich an, mich mit unterschiedlicher Musik zu befassen, darin einzutauchen und mich davon inspirieren zu lassen.

Was waren – aus heutiger Sicht -– die positiven und die weniger schönen Erfahrungen Eures „ESC“-Ruhms?

STEINMETZ Alles passierte so schnell! Plötzlich konnte man nicht mal mehr Einkaufen oder Bahnfahren, oder einfach nur Existieren (lacht), weil alle einen angestarrt haben. Im Nachhinein eigentlich witzig, wie manch einer vor mir stand mit seinem Handy um mich mit den Fotos aus der Online-Welt zu vergleichen, ob ich es wirklich bin. Aber zu dem Zeitpunkt war es echt viel. Wir kannten das nicht, wir sind Musikerinnen und haben vorher in kleinen Clubs vor zirka zehn Leuten gespielt und über Nacht – Boom – ist man plötzlich einer so riesigen, für uns unbekannten, Musik-Landschaft ausgesetzt. Man gibt Interviews, ist in allen TV- Shows, Radiosendern und ist irgendwie „berühmt“. Dabei ist man doch nur die kleine Ela. Aus dem Saarland. Und was sollten eigentlich diese Freunde, von denen man vorher nieeee was gehört hat?! Es war der Wahnsinn. Ich sag’s‘ Euch: Es gab teilweise so lustige Situationen, ich könnte ein Buch darüber schreiben.

Wie habt Ihr den ganzen Rummel verkraftet?

STEINMETZ Humor war für uns der Schlüssel, damit umzugehen. Und am Ende waren wir einfach nur dankbar für alles, was wir erleben beziehungsweise für uns so mitnehmen durften. Wir haben großartige Künstler kennengelernt, durften mit ganz vielen tollen Menschen zusammenarbeiten, haben zwei Alben veröffentlicht, waren in Europa auf Tour, letztes Jahr sogar noch in Afrika und sind an allen diesen Erlebnissen gewachsen. Vor allem für mich als Songwriterin ist es eine Ehre, beim „ESC“ dabei gewesen zu sein, schließlich ist es ja ein Komponisten-Wettbewerb. Und wer kann schon mit 21 behaupten: ,,Ich war mit meinem eigenen Song beim „ESC“, vor einem Millionen Publikum“. Türen sind dadurch aufgegangen, nicht nur in der Entwicklung als Künstlerin, sondern auch im Songwriting-Bereich: Ich wurde immer mehr angefragt, Songs mit und für andere Künstler zu schreiben.

Für wen hast Du unter anderem schon gearbeitet?

STEINMETZ Puh… Helene Fischer, Thomas Anders, Sarah Lombardi, Michelle, Culcha Candela, Josh., Mike Singer, Adel Tawil... Ich schreibe Songs, seit dem ich 16 bin. Und über die Jahre hab ich mir so mein Netzwerk erstellt und daher auch Anfragen für Zusammenarbeiten mit beziehungsweise für verschiedene(n) Künstler(n) bekommen.

Wie nah kommt man den Künstlern dabei?

STEINMETZ Alles basiert auf einer sehr engen Zusammenarbeit; denn unpersönlich geht für mich gar nicht. Manchmal verbringt man Tage und oder Nächte im Studio – und manchmal telefoniert man und schiebt alle kreativen Gedanken hin und her. Ein Song transportiert eine Emotion, eine Geschichte. Man macht sich quasi komplett nackt und versucht, ein bestimmtes Gefühl, einen bestimmten Moment mit der Welt da draußen zu teilen. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass man auf einer ehrlichen Ebene zusammen schreibt. Denn nur so kann auch was Echtes entstehen, eben ein Song.

Für die nächsten Monate hast Du ja große Solo-Pläne…

STEINMETZ Ich habe vor kurzem meinen ersten Plattenvertrag bei der Sony als Solo-Artist unterschrieben und freue mich riesig darüber, Euch mitteilen zu können, dass das Album „Liebe & Krieg“ Anfang nächsten Jahres kommen wird. Wer sich aber noch nicht gedulden kann; es kommen vorher noch ein paar Singles, wie zum Beispiel ein Song namens „Ehrlich kompliziert“, in dem ich mit dem Berliner Dating Lifestyle abrechne (lacht). Und natürlich im Oktober die „Liebe & Krieg“-Akustik-Tour.

Am 19. Oktober kommst Du auf Deiner Solo-Tour nach Neunkirchen. Wird das für Dich ein besonderes Konzert und was erwartet die Fans?

STEINMETZ Ein Heimspiel ist immer was ganz besonderes für mich. Wir spielen am 19. Oktober in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen, da wo ich quasi aufgewachsen und zur Schule gegangen bin und wo wir auch mit Elaiza eins unserer ersten Konzerte hatten. Natürlich wird man da etwas sentimental, aber die Vorfreude ist bisschen größer… Es wird ein ganz exklusives, intimes und ein sehr, sehr ehrliches Konzert; eine Premiere! Ich stelle zum ersten Mal alle Songs vom Album im akustischen Gewand vor und erzähle dem Publikum meine Geschichte dazu.

Karten für das Konzert am 19. Oktober in der Stummschen Reithalle gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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