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Diskussion über Kultur im Staatstheater in Saarbrücken.

Podiumsdiskussion im Staatstheater : Es fehlt an Visionen und Geld für „Kultur für alle“ im Land

Im exklusiven Kreis diskutierte man gestern im Staatstheater über inklusive Kulturpolitik.

„Wir alle sind Kultur im Saarland“ – unter diesem ambitionierten Motto stand gestern ein von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiertes Podiumsgespräch im Saarländischen Staatstheater. Doch schon die Auswahl der Diskutanten sorgte schnell für Ernüchterung: Hier blieb man mal wieder unter sich – und weitestgehend auch innerhalb der Generation 50 Plus, dem bildungsbürgerlichen (hoch-)kultur­affinen Publikum nämlich, das solche Veranstaltungen zu besuchen pflegt. Und so diskutierten etablierte Kultur-Profis wie Meinrad Maria Grewenig, Direktor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Industriekulturexperte Delf Slotta, Chef des Instituts für Landeskunde, Bernhard Leonardy, Leiter der Saar-Musikfestspiele, der für den erkrankten Chef des Staatstheaters Bodo Busse eingesprungen war, und Sascha Zehner, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Außerdem dabei: Birgit Grauvogel, die Leiterin der Tourismus Zentrale Saar, die über die Tücken der Vermarktung auch erstklassiger kultureller Angebote der Region Auskunft geben konnte.

Es fehlten: Bildende Künstler, die Freie Szene, junge Kreative generell. Stattdessen ging es vor allem um die Industriekultur und ihre herausgehobene Bedeutung. Für sie müsse endlich ein Intendant her, forderte Grewenig, der als einziger das große Ganze zu denken wagte, die Fokussierung auf rückwärtsgewandte Erinnerungskultur kritisierte und vehement mehr Geld für Kultur forderte: drei Prozent des Vier-Milliarden-Haushaltes des Landes. „Kultur ist Staatsaufgabe. Statt Förderung in Rabattmarkengröße muss das Land plotzen“, sagte er. Andere Regionen drohten das Saarland abzuhängen. Er selbst sehe sich als „Anwalt von Industrie- und Popkultur“. Vor allem das junge Publikum müsse gewonnen werden statt es auszugrenzen, so Pop-Rat Grewenig. Die Hütte sei da zum Beispiel mit der Urban Art Biennale und diversen Festivals mit jeweils zehntausenden Besuchern Vorreiter.

Kulturpolitiker Zehner hatte dem nur Floskeln entgegenzusetzen (,,Wir müssen die Freiheit der Kultur wahren“). Zehner und Slotta ritten auf der das Land prägenden „zentralen“ Industriekultur herum, die – da war sich das Podium einig – mehr sein müsse als Bergbaukultur. Wie man aber die Orte sinnvoll nutzt, dazu gab es keine Vorschläge. Es ging dann um die wenig erfolgreiche Ausstellung „Das Erbe“ zum Ende des Bergbaus und immer wieder um die Fehler der Vergangenheit. Der Blick nach vorn, Visionen, Ideen, neue Strukturen, zeitgemäße, auch außergewöhnliche Angebote? Viel war dazu nicht zu hören. Und auch das Publikum, viele Fördermitglieder der Musikfestspiele darunter, sorgte sich vor allem um dessen Existenz – zur Freude von Bernhard Leonardy.

Nur gestreift wurden Fragen wie „Was wird aus dem neuen Festival „,Colours of Pop’“? Wie schafft man attraktive Angebote für tausende neue internationale Mitarbeiter des Cispa-Forschungsinstituts an der Uni? Warum kooperieren die Institutionen nicht besser? Warum hapert es so oft an der Professionalisierung in der Kulturarbeit? Vergangenheitsbewältigung allein reicht eben nicht.