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Dirigent Alexander Liebreich macht DRP-Konzertabend in Saarbücken zum Ereignis

Neue Saison der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken : Dirigent Alexander Liebreich überrascht mit seiner Interpretation von Mendelsohn-Bartholdy

Vorwiegend leicht und heiter – das hätte man beim ersten Studiokonzert der DRP dem Programm nach erwarten können. Doch Dirigent Alexander Liebreich hat mehr daraus gemacht. Viel mehr.

Das Programm des 1. Studiokonzertes der Deutschen Radio Philharmonie ließ einen vorwiegend heiteren, musikalisch unkomplizierten und unterhaltsamen Abend erwarten. Was Dirigent Alexander Liebreich jedoch daraus machte, war alles andere als routinierter Mainstream. Man kann Felix Mendelsohn-Bartholdys Tongemälde „Die Hebriden oder die Fingalshöhle“ einfach so wegspielen – oder aber konsequent hineinleuchten in die Strukturen dieser sinfonischen Dichtung. Die Streicher, ob hoch oder tief, intensiv singen lassen, die Kantigkeit der Bläser schärfen, Artikulation befördern, Rhythmus verdeutlichen. Nicht der „Geschmack nach Tran und Möwen“ stand im Vordergrund, sondern ein wildes, dunkeltöniges Ölgemälde.

Im Gegensatz dazu dann Mendelsohns 2. Klavierkonzert in d-Moll, das Robert Schumann zu den „flüchtigen Erzeugnissen“ zählte. Da irrte er. Denn was da leichtgewichtig dahin sprudelt, hat nicht nur virtuose Qualitäten, sondern zeigt auch kompositorische Fertigkeiten, geschickte Satztechnik und Instrumentierung. Dafür setzte sich der für Christopher Park eingesprungene Russe Alexander Melnikov ein. Das selten gespielte Opus 40 wurde von ihm nicht nur mit flinken Fingern virtuos gemeistert, im Adagio gestaltete er romantisch-empfindsam und mit Liebreich inszenierte er perfekt die originellen Satzübergänge und Tempowechsel. Viel Beifall.

Und dann eine Zugabe, deren Eigenwilligkeit gewohnter Hörerfahrung nicht entsprach: Mozarts Fantasie d-Moll KV 397, die als Fragment urtextlich in Takt 97 abbricht. Die freie Form der Fantasie inspirierte Melnikov zu maniristischen Verzögerungen und Pedalisierungen, Dramatisierungen mit nadelspitzen und verhauchenden Tönen. Eine Übertragung historischer Spielpraxis auf den modernen Flügel? Empfindsamkeit, die womöglich für eine Totenfeier bei den Freimaurern gedacht war?

Nach einer kleinen Pause ging es zurück ins pralle Leben: Ludwig van Beethovens 8. Sinfonie. Mit zügigen Tempi, gestenreich und dennoch klar holte Liebreich hochfahrend die Akzente aus dem Orchester, ließ saftig musizieren, befeuerte immer wieder Rhythmus und Dynamik. Beethoven hat es in seiner Achten nicht an Witz und Humor, Normverstößen und Parodien fehlen lassen, versetzt Schwerpunkte und „stört“ normale Taktabläufe. Das alles präsentierte Liebreich mit dem Orchester, dessen präsente Holzbläser und klangschöne Hörner (im Menuett-Trio) glänzten. Eine überzeugende Interpretation, wie man sie sich vitaler kaum vorstellen kann. Bravo!