Digitale Angebote der Museen Kunst trotz(t) Corona

Saarbrücken/Luxemburg · Auch in Krisenzeiten lässt sich von der Couch aus das Lieblingsmuseum besuchen. Viele Häuser bemühen sich um den Einsatz neuer Medien und haben Digitales im Angebot.

 Mitarbeiter des Saarlandmuseums stellen Lieblingsstücke aus dem Museum auf der Facebook-Seite vor. Den Anfang machte der gerade ausgeschiedene Museumschef Roland Mönig. 

Mitarbeiter des Saarlandmuseums stellen Lieblingsstücke aus dem Museum auf der Facebook-Seite vor. Den Anfang machte der gerade ausgeschiedene Museumschef Roland Mönig. 

Foto: Screenshot Facebook Saarlandmuseum

In Zeiten der Corona-Krise haben es Kunstbegeisterte nicht gerade leicht. Außer dem Verschlingen von Büchern auf dem heimischen Sofa bleiben nicht viele Möglichkeiten, der Kunst zu frönen. Theater und Kinos sind ebenso geschlossen wie Museen, Kunsthallen und Galerien. Während letztere bereits unter den wirtschaftlichen Einbrüchen der Krise ächzen, werden zumindest die größeren Ausstellungshäuser die Krise überstehen, weil sie ohnehin am Tropf der öffentlichen Kassen hängen. Klaus Albrecht Schröder, Generaldirektor der Wiener Museen der Albertina, hat gerade vorgerechnet, dass seine Häuser im schlimmsten Fall einen Finanzausfall von sechs bis acht Millionen Euro verkraften müssen.

Aber auch ohne die Löcher in den Kassen ist für viele Museen die verfügte Schließung ein Fiasko, schon weil die laufenden Ausstellungen Jahre der Vorbereitung gekostet haben. Um die Arbeit des eigenen Hauses vorzustellen, haben viele Museen in den vergangenen Jahren das Internet entdeckt und nutzen es in diesen Tagen immer stärker. Fast schon hektisch und verzweifelt weiten die Häuser ihr Angebot aus.

Gerade große Häuser mit üppigem Budget arbeiten aber schon länger an der Zugänglichmachung ihrer Ausstellungen und Sammlungen über das Internet. Stunden kann man auf den Webseiten des New Yorker Metropolitan Museum of Art, des Pariser Centre Pompidou oder des British Museum in London verbringen. Schon seit einigen Jahren bieten Bundes- und Landesregierungen Förderprogramme an, um die deutschen Museen ins Web zu bringen. Viele haben den Trend aber verschlafen und erst in den vergangenen beiden Jahren begonnen, sich um digitale Formate zu bemühen.

Die Berliner Museen haben sich zusammengetan und sind über museumsportal-berlin.de online erreichbar. Hier bietet man Livestreams, Apps, Einblicke in Sammlungen und Ausstellungen. Mit museum4punkt0.de hat man außerdem ein Portal ins Leben gerufen, das eigens über die digitale Arbeit berichtet.

Schon seit längerer Zeit gehört die Frankfurter Kunsthalle Schirn zu den Pionieren auf dem Gebiet und bemüht sich um den Einsatz neuer Medien. So bietet das Haus schon seit einigen Jahren für wichtige Ausstellungen „Digitorials“ an. Das sind digitale Kataloge, welche die interaktiven Möglichkeiten des Netzes konsequent nutzen. Mit informativen Wissens-Videos auf YouTube, Podcasts, Blogs und Video-Touren beleuchtet man die Aktivitäten des Hauses geradezu vorbildlich. Zur aktuellen Ausstellung „Fantastische Frauen“ gibt es sogar einen eigenen Soundtrack.

Ein besonderes Angebot des Frankfurter Städel ist „Café Deutschland“, ein Interviewprojekt mit Zeitzeugen der Nachkriegskunst in Deutschland. Darunter sind Kunstkritiker, Galeristen, Museumskuratoren und Künstler wie die ehemalige HBK-Professorin Ulrike Rosenbach. Im vergangenen Jahr war das Projekt aufgrund seiner Qualität sogar für den Grimme-Preis nominiert.

Auch das Saarlandmuseum ist auf Facebook aktiv. Mitarbeiter des Hauses stellen Lieblingstücke aus dem Museum vor. Den Anfang machte der gerade ausgeschiedene Museumschef Roland Mönig, der von Pae Whites „Mobile“ schwärmt. Im „Atelier to go“ kann man sich wöchentlich wechselnde Mal- und Bastelvorlagen herunterladen. Unter dem Motto „Grüße aus dem Depot“ stellen die Museumpädagogen Werke aus den Depots vor, die man nicht häufig zu sehen bekommt, und „Museum in Zahlen“ erzählt mit humoristischer Note aus dem Innenleben des Museums, wenn etwa die Zahl der Kaffeetassen im Haus untersucht wird oder wie lange es dauert, die 500 Leuchtstoffröhren im Haus anzumachen. Auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte gewährt auf Facebook Einblicke in die Museumsarbeit und präsentiert die Serie „Saarhundert Archäologie“.

Die anderen saarländischen Ausstellungshäuser sind leider sehr zurückhaltend. Weder das Saarländische Künstlerhaus, noch die Städtische Galerie in Neunkirchen oder die Saarbrücker Stadtgalerie glänzen mit Online-Angeboten. Vor allem die Völklinger Hütte enttäuscht im Netz. Das könnte sich mit dem neuen Generaldirektor Ralf Beil ändern. Der hat mit dem Internetauftritt schon eine Schwäche des Hauses erkannt und will nachbessern. Dabei wird hoffentlich auch das digitale Angebot ausgebaut.

Auch bei den Nachbarn ist nicht viel los. Das Centre Pompidou Metz ist in Tiefschlaf verfallen, genauso wie das Mudam, das sich auf Neuigkeiten auf den Social-Media-Kanälen beschränkt. Vorbildlich ist hingegen die „Visite 3D“ im Musée national d’histoire et d’art in Luxemburg (MNHA). Das ganze Museum wurde als 3D-Objekt visualisiert und man spaziert virtuell durch das Museum. Auch die Villa Vauban ist bei Facebook aktiv, hat im Radio sogar ein „Bilder-Diktat“ für Kinder verlesen und die Ergebnisse im Netz präsentiert.

 Das gesamte Musée national d’histoire et d’art in Luxemburg (MNHA) wurde als 3D-Objekt visualisiert. Jetzt kann man virtuell durch die Räume und die verschiedenen Ausstellungen spazieren.

Das gesamte Musée national d’histoire et d’art in Luxemburg (MNHA) wurde als 3D-Objekt visualisiert. Jetzt kann man virtuell durch die Räume und die verschiedenen Ausstellungen spazieren.

Foto: Screenshot Musée national d’histoire et d’art in Luxemburg

Natürlich können Online-Angebote keinen Besuch in einem Museum ersetzen. Die Erfahrungen, die Museen am Objekt bieten, sind online nur selten nachvollziehbar und die Aura der Werke nicht vermittelbar. Als Ergänzung sind die Angebote allerdings gerade derzeit eine willkommene Abwechslung in den eigenen vier Wänden.

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