1. Saarland
  2. Saar-Kultur

Die Saarbrücker Band „Green Wave“ beschwört in einem letzten Album die Welt der Träume.

CD-Tipp : Zwischen Punk und Musiktheater

Die Saarbrücker Band „Green Wave“ beschwört in einem letzten Album die Welt der Träume.

„Green Wave“ gehört zu jenen spannenden Bands, die erfolgreich stilistische Schubladen meiden: Mit der anspruchsvollen Strickart und dem üppigen Klanggewand lässt sich das sogleich mit dichten elektronischen Sounds startende Album „Stolen dreams in a nearby lost & found“ zweifellos in der Tradition des Art- und Psychedelic-Pop der 60er- und 70er-Jahre verorten. Doch schaut dieser mal kafkaesk düster, mal beinahe elysisch tönende, somnambule Trip auch schon mal ein paar Takte lang bei New Wave, Dance oder „Weltmusik“ vorbei. Und wähnt man sich angesichts des wütenden Expressivo aus der Kehle des unvergleichlichen „New Wave“-Sprechsängers Rainer Wahlmann, Gründer und seit nunmehr viereinhalb Jahrzehnten Vordenker der Saarbrücker Truppe, nicht irgendwo zwischen Punk und Musiktheater? Einmal mehr hat der Cockney-Rebell von der Saar, der in den neuen Songs seine bereits mitten in den 1980ern erschaffene Kunstfigur „Dave“ weiterentwickelt, allerlei zum problembehafteten Verhältnis zwischen Mensch und Natur zu verlautbaren und beschwört die Welt der Träume. Was auch bedeuten kann, alte Träume loszulassen und neue zu hegen. Dieses starke Album sucht den kompetenten erwachsenen Hörer und findet zugleich immer wieder mühelos den direkten Weg ins Ohr. Allerweltsrhythmen muss man da lange suchen, doch selbst die am heftigsten verwinkelten Muster pumpen und grooven ansteckend. Schade nur, dass Rainer Wahlmann, Gitarrist Daniel Minnerath, Tastenspieler Sven Groß, Tieftöner Deddé Schäfer und der Schlagwerker Manuel Schwierczek hier zum letzten Mal vorführen, wie faszinierend ihre niveauvolle Rockmusik sein kann. „Stolen dreams“ soll erklärtermaßen ein Schwanengesesang sein, also das (Aller-)Letzte von der „letzten Rockband vor der Grenze“, wie sich Green Wave augenzwinkernd nannte – auf den Bühnen ist die Grüne Welle schon mehrere Jahre verebbt.

Green Wave „Stolen dreams in a nearby lost & found“ (Leico Records)