Deutschlands Top-Verlage machen mit auf der neuen Buchmesse Saar.

Neue Messe im Saarland : Erste „Buchmesse Saar“ findet statt

Top-Verlage aus Deutschland machen bei der neuen Messe im Saarland mit.

Benjamin Kiehn und Karsten Wolter sind mutig. Sonst hätten sie das Vorhaben einer großen saarländischen Buchmesse, die sich zwischen den Top-Branchen-Events in Leipzig und Frankfurt behaupten soll, gar nicht erst angepackt. Doch ins letzte finanzielle Risiko wollten sie erst gehen, wenn eine bestimmte Anzahl Buchungen vorläge, so ihre Aussage im März diesen Jahres. Damals gaben die beiden bekannt, dass sie in die Akquise gingen für eine „Buchmesse Saar“, geplant zwischen dem 19. und 21. Juni 2020 in der Saarlandhalle. 200 Aussteller sollten idealerweise mitmachen und Messe-Flächen anmieten, anvisiert wurden 20 000 Besucher. Das Programmkonzept war das einer Publikums- und Verkaufsmesse, mit dem Schwerpunkt auf Begegnungen, Lesungen, Treffs, Events.

Just jetzt hat das Projekt die Grenze überschritten, in der es nicht mehr Vision, sondern nahe Zukunft ist. Kiehn: „Wir liegen bei 60 Prozent Auslastung und können nun verbindlich zusagen, dass die Messe stattfindet.“ Über 90 Verlage und viele Autoren hätten bereits Flächen gebucht. Kiehn ist hauptberuflich bei der Illinger Firma ProWin beschäftigt, dort auch für Großveranstaltungen zuständig und als Privatmann Gründer der erfolgreichen Redener Fantasy-Messe „FARK“. Sein Kompagnon Wolter wiederum ist ein in der Szene bekannter Buchhändler mit Schwerpunkt Fantasy („Drachenwinkel“, Diefflen). Trotzdem, so die Ansage von Beginn an, soll „die Buchmesse Saar“ keinesfalls eine Genre-Messe für Fantasy-Freaks werden. Das Angebot sollte breit ausgreifen und wird es wohl auch. Denn Kiehn meldet bereits jetzt die Teilnahme einiger renommierter Großverlage, die inhaltlich enorm breit aufgestellt sind, etwa des S. Fischer Verlages, von Droemer Knaur, Piper und Klett Cotta, im Jugendbuch-Segment sind die Top-Namen Oetinger und Thienemann-Esslinger vertreten. Namen herausragender oder populärer Autoren, mit denen der Erfolg der Erstausgabe stehen und fallen dürfte, können die Saar-Buchmessen-Macher allerdings noch nicht verkünden. Kiehn erklärt das damit, dass es für die Verlage noch zu früh sei. Sie würden ihre Autoren erst dann nennen, wenn klar sei, welche Neuerscheinungen letztere bis Juni kommenden Jahres auf dem Markt hätten.

So viel ist aber schon heute klar: „Es wird eine bunte Sache“, sagt Kiehn und verweist in diesem Zusammenhang auf „Rainbow“-Verlage, die unter anderem die Genderdebatte abbilden und die Homosexuellen-Szene erreichen, auch Esoterik werde eine Rolle spielen, meint er. Wichtig ist für Kiehn zudem, dass es keine „Sprintmesse“ wird, sprich, dass die Besucher eine hohe Verweilqualität erleben. Sie sollen keine Stippvisite in der Saarlandhalle machen, sondern eine Art Festival rund ums Buch erleben. Aus diesem Grund werde auch die Saarlandhallen-Gastronomie wieder ertüchtigt, sagt Kiehn.

Er ist stolz darauf, dass er und Wolter das Buchmesse-Projekt bisher ohne Zusagen öffentlicher Fördergelder bis zu diesem „Point of no return“ haben bringen können. Freilich ist er mit Wirtschafts- und Kultusministerium im Kontakt: „Es gibt Signale, dass man uns unterstützen will“, sagt Kiehn. Einen mächtigen Partner hat der Neuzugang auf dem Buchmesse-Markt bereits: den Börsenverein des Deutschen Buchhandels (die SZ berichtete).