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Deutsche Radio Philharmonie in Dillingen

Deutsche Radio Philharmonie in Dillingen : Samt dämpft anspruchsvolles Programm

Nur noch selten hört man das Sinfonieorchester des SR außerhalb Saarbrückens. Womöglich liegt das daran, dass es keine akustisch geeigneten Säle fürs Sinfonische in anderen Saar-Gemeinden gibt.

Auch in Dillingen schluckten am Samstag die Samtvorhänge auf der Bühne der Stadthalle viel Orchesterklang und erschwerten so auch das Spiel der Musiker aus der Landeshauptstadt.

Die „Deutsche Radio Philharmonie“ klang fast wie aus dem Orchestergraben eines kleinen Opernhauses. Dabei wurde ein kleinteiliges, aber anspruchsvolles Programm präsentiert. Stargast war die junge britische Trompeterin Matilda Lloyd, die im Konzert E-Dur von Johann Nepomuk Hummel mit (fast) makellosem Ton und virtuoser Technik brillierte. Bemerkenswert: Sie kann „piano“ und die begleitenden Musiker eiferten ihr nach. Orchesterwerke waren Schwerpunkte des Programms, das eloquent und locker von Markus Brock moderiert wurde. Felix Mendelsohn-Bartholdy’s „Hebriden“-Ouvertüre hatte es in der trockenen Akustik schwer, Meeresrauschen und Wellenwogen zu suggerieren. Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu „Don Giovanni“ geriet etwas holzschnittartig, Johannes Brahms‘ „Tragische Ouvertüre“ gelang knorrig und hart, wie es der Komponist wohl auch gemeint haben mochte. Die „Karelia-Suite“ des jungen Jean Sibelius ist eines seiner populärsten Werke. Gelegenheit für die Blechbläser zu sattem Glanz und für die Streicher, mit intensivem Klangteppich die Mängel der Akustik auszugleichen.

Dirigent Ben Glassberg sorgte ebenfalls mit geschmeidigem Taktstock für gut ausbalancierte Orchester-Register und dynamische Abstimmung. Für einen ruhigen, ja meditativen Ausklang mit Aaron Coplands „Quiet City“ trat zum Dialog mit der Solotrompete von Matilda Lloyd das warm tönende Englisch Horn des Michael Sieg hinzu, das Streichorchester gab dem ursprünglich als Schauspielmusik geschriebenem Stimmungsbild gepflegte Kulisse.

Für den Nachhauseweg dann noch eine fetzige Zugabe: ein virtuoses Trompeten-Schmankerl aus der Feder von Alexander Goedicke. Amüsant.