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„Des Kaisers neue Kleider“ im Saarbrücker Theater Überzwerg hatte Premiere

Saarbrücker Theater Überzwerg : Monarch Großkotz und die Wegwerf-Gesellschaft

„Des Kaisers neue Kleider“ im Saarbrücker Theater Überzwerg ist ein großes Vergnügen – für dieses Wochenende sind zwei Vorstellungen geplant.

Des Kaisers neue Kleider – oft wird in der Politik Bezug auf dieses Märchen von Hans Christian Andersen genommen. Warum? Weil es darum geht, dass etwas Nicht-Existentes scheinbar real wird, wenn nur genügend Menschen daran glauben. Dafür lassen sich ja immer leicht Beispiele finden.

Auch die für Kinder gedachte Inszenierung des Theaters Überzwerg packte (umwelt-)politische Themen in den Stoff: Nicht nur, dass der Kaiser (herrlich: Reinhold Rolser) am Ende meint, er habe ganz besonders tolle Kleider an, obwohl er in einer ausgemacht geschmacklosen Unterhose vor dem Publikum steht. Nein, er ist auch ein arg verschwenderisches und verwöhntes Kind der Wegwerfgesellschaft: Sämtliche Gegenstände benutzt er nur einmal, sein Volk tut es ihm gleich. So stapeln sich Kartons auf der einen Seite der Bühne, auf der anderen ein Haufen Kleider. Die schlaue Schneiderin (Sabine Merziger) kommt neu an diesen verkommenen Hof und erkennt das Potenzial, hier den „neuen Stoff“ an den Mann zu bringen: Dieser sei nur erkennbar für jene, die klug genug und ihres Amtes würdig seien.

Klar, dass niemand sich zuzugeben traut, dass er gar keine Kleider sieht. Nur der persönliche Leibdiener des Kaisers (Gerrit Bernstein) ist in dieses Spiel eingeweiht, die beiden unterwürfigen Minister (Eva Coenen und Nicolas Bertholet) können nicht anders als mitzumachen.

Das Ganze bietet natürlich jede Menge Potenzial für Klamauk und Bloßstellung im wahrsten Sinne des Wortes. Am Ende macht sich die Schneiderin samt Leibdiener auf und davon: „So Menschen wie den Kaiser – die finden wir überall“, sagt sie. Die Bearbeitung des Märchens durch den Saarbrücker Autor Erhard Schmied leistete in der Inszenierung von Bob Ziegenbalg einen gelungenen Spagat: einen geradezu philosophischen Stoff für Kinder wie für Erwachsene gleich unterhaltsam zu präsentieren. Zu schön auch, wie Rolser als Kaiser und Großkotz seine Befehle nur mit einem mürrischen „Äh“ gab. Merziger und Bernstein spielten mit viel Verve den frischen und jugendlichen Gegenpart zu den grell übergeschminkten Ministern, Prototypen der Spießigkeit.

Nur zwei Dinge sind unwägbar auf der Freiluftbühne des Theaters in St. Arnual: Der Regen, der die eigentliche Premiere letzten Samstag vermasselte. Und die Hitze, die am Donnerstag tatsächlich von luftiger Kleidung träumen ließ.

Termine: Für diesen Samstag und Sonntag sind für 17 Uhr Freiluftvorstellungen geplant. Aktuelle Informationen:
www.ueberzwerg.de