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Der legendäre Liedermacher Götz Widmann gastierte in Saarbrücken.

Konzert von Götz Widmann : Mit viel Bier und Gegröle auf die Männlichkeit

Der legendäre Liedermacher Götz Widmann gastierte in der Garage Saarbrücken und wurde mit Zwischenrufen und Pfiffen gefeiert.

Der Kleine Klub in der Garage ist rappelvoll, als Götz Widmann am Freitagabend sein Konzert mit einem seiner Klassiker beginnt. „Viele meiner Lieder fangen so an“, frotzelt der Liedermacher. Und das ist gut so. Denn bereits beim ersten Refrain des ersten Liedes, „Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A 4“, stimmen viele der Besucher aller Altersklassen inbrünstig mit ein. Das Mitsingen in teilweise biergeschwängerter Atonalität zieht sich ebenso durch den Abend, wie die vielen witzigen bis derben Anekdoten aus seiner bewegt-berauschten Männervita. Für seine Zoten wird der 54-Jährige mit Zwischenrufen und Pfiffen lauthals gefeiert.

Bereits seit fast 30 Jahren schart er seine treue Fangemeinde um sich. In den legendären ersten Jahren zusammen mit seinem 2000 verstorbenen Kompagnon Martin „Kleinti“ Simon als „Joint Venture“. Mit ihren Songs – zum Beispiel über „Hank“, den ersten offiziellen Haschisch-Toten – erlangten sie Kultstatus und hoben sich hörbar von den Liedermacher-Kollegen alter Schule ab. Joint Venture – der Name war Programm und ist es womöglich noch immer. Denn anscheinend spielen Joints in Widmanns Leben weiterhin eine Rolle.

Ebenso genuin männliche Sujets rund um das Thema „Hedonismus“: sprich Alkohol, Frauen und Fußball – und ein bisschen Politik. Da Widmann das auf die Befriedigung der Primärbedürfnisse ausgerichtete Mannsein in seinen Texten stilsicher zu ironisieren weiß, stimmt auch ein Teil der versammelten Frauenwelt mit ein. Selbst wenn Mann von der Scham beim Masturbieren singt, die Mann einfach nicht los wird. Im Zeitalter gendersensibler Sprache mutet das Konzert geradezu grotesk an. Man stellt sich die Frage, ob Widmann den Schlüssel für eine herrschaftsfreie Kommunikation zwischen den Geschlechtern gefunden hat, in dem er in sympathischer Weise für Verständnis für und Nachsicht mit der Eindimensionalität des Mannes wirbt. Zumindest gehen seine Fans mit ihm d’accord.

Und umgekehrt? So manch kritischer Blick Widmanns lässt erahnen, dass er sich trotz allem Mannseins nicht mit den Grölereien der Bierflasche-in-die-Luft-Fraktion gemein macht. Nach gut zwei Stunden mit vielen alten Joint-Venture-Songs und vier oder fünf Zugaben ist Schluss – Widmann schlüpft nun in die Rolle des Verkäufers seiner rauschfreien Ware.