Der „Herbstsalon“ im KuBa

Der „Herbstsalon“ im KuBa : Spannungen, die sich nicht entladen wollen

Das KuBa lädt zum „Herbstsalon“: Das Kulturzentrum am Eurobahnhof zeigt Arbeiten seiner Künstlerinnen und Künstler – und aus der Werkstatt nebenan.

In jedem September zeigen die Künstler des KuBa, des Kulturzentrums am Eurobahnhof. und die Kollegen aus der benachbarten Sonderwerkstatt, was sie so in den vergangenen Monaten geschaffen haben. Während die „Leistungsschau“ 2018 etwas durchwachsen war, ist in diesem Jahr wieder viel Tolles zu sehen; Kurator Andreas Bayer hat einen spannenden Parcours erstellt. Los geht es am Eingang mit einem atmosphärischen Gemälde von Andrea Neumann. Ihr grandioses „Topos“ ist ein düsterer Farbnebel, aus dem sich schemenhaft eine Figur in einem Boot löst. Die Ei-Tempera bietet eine besondere Farbanmutung, die keine Acrylfarbe schafft. Gleich nebenan haben die Designstudentinnen Chiara Schwarz und Janine Wichmann einen Kunstautomaten aufgestellt. Hier kann man sich für zwei Euro Kunst ziehen.

Die vielleicht stärksten Arbeiten kommen von Leslie Huppert. Ihre drei „Wächter“ sind mit einem schwarzen Acrylstift auf bunt eingefärbtes Aquarellpapier gezeichnet. Wuchtig stehen sie mit verschränkten Armen da und scheinen den Betrachter anzustarren; die Gesichter sieht man nicht, da die Wächter die Kapuzen tief ins Antlitz gezogen haben. Doch die Körperhaltung sagt: „Komm mir nicht zu nahe!“ Gezeichnet ist das Bild mit freier Hand, scheint aber wie mit einer Schablone gefertigt oder gepixelt. Körperhaltung und fröhlich-farbiger Hintergrund führen zu Spannung im Bild, die sich nicht auflösen lässt.

Im zweiten Saal hängen einander dann zwei wunderbare Großformate gegenüber. Mane Hellenthal scheint sich von ihren Motiven der vergangenen Jahre zu lösen und hat eine zarte Vase mit Blumen in Weiß auf eine dunkelviolett grundierte Leinwand gesetzt. Ein Vanitas-Motiv, das die Zartheit und die Vergänglichkeit des Lebens suggerieren soll? So könnte man auch die gegenüberhängende Arbeit von Julia Baur interpretieren, die auf eine gelb-orange Leinwand in zartem Grafit vertrocknete Amaryllis gezeichnet hat. Surreal scheinen die Pflanzenteile gelegentlich fast menschliche Formen anzunehmen.

Auch wenn es sich bereits länger abzeichnet, sind Dirk Rauschs neue Siebdrucke doch eine kleine Überraschung. Er scheint sich zunehmend von den zarten, sich überlagernden Farbflächen zu lösen und zeigt neun abstrakt-geometrische Grafiken aus schwarzen Rechtecken, die sich scheinbar dynamisch über den Bildgrund bewegen, einander überlagern oder kumulieren und Formen bilden. Trotz der Einfachheit kann man minutenlang vor den Bildern verharren und schauen, was die Klötzchen machen.

Überraschend sind auch die farbigen Gebilde von Werner Constroffer. Auch Constroffer hatte längere Zeit mit lichtdurchlässigen Farbflächen gearbeitet; seine neuesten Werke erinnern eher an Rorschachtests. Sie entstanden durch Bemalung und Faltung der Leinwand. Die sich für den Betrachter öffnenden Assoziationsräume sind enorm. Tiere, Pflanzen, Masken – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Bilder leben von ihrer Farbigkeit, können aber nicht wirklich begeistern. Das mag daran liegen, dass man Ähnliches schon allzu oft gesehen hat.

Im hinteren Teil des zweiten Ausstellungssaales sind zwei Kabinette eingerichtet, die vor allem Malerei zeigen. Sabine Späders Fotos von Details in der Völklinger Hütte sind eine Ausnahme, doch die Farbflächen und Linien scheinen wie gemalt; man muss schon sehr genau hinschauen, um die beiden Werke als Fotos zu „enttarnen“. Daneben hängen Claudia Vogels Werke. Sie arbeitet mit knalligen Acrylfarben, die sie in einem Abklatsch pastos auf Jute bringt, und Leerstellen, an denen sich die Jute aus dem Farbmaterial schält, in Kauf nimmt. Damit arbeitet sie sich weiter konsequent am Material ab und bietet durch den gesteuerten Zufall Möglichkeiten zu Assoziationen. Im anderen Kabinett erinnern Arne Menzels poetische Farbnebel in Struktur und Farbe sofort an Polarlichter – tatsächlich deutet auch der Titel „Aurora Borealis“ darauf hin.

Wunderbar sind auch Vera Kattlers Gorillas, die aus dem Schwarz des Hintergrundes zu starren scheinen, Petra Jungs Objekte aus Teebeutelpapier und Stacheln, die an Seeigel erinnern und Michael Koobs seltsam bedrückende Videoarbeit. Wie immer grandios das Gemälde von Armin Rohr, der seine schemenhaften Figuren dieses Mal in einen Wald mit Felsen stellt. Ausnahmsweise hat er in diesem Jahr keine Arbeit extra für den Herbstsalon geschaffen.

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