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Der Actionfilm „Close“ mit Noomi Rapace aus „Verbleundung“

Actionfilm „Close“ mit Noomi Rapace : Ewige Ruhe dank Schraubstock im Schritt

Der Actionfilm „Close“ mit Noomi Rapace aus „Verblendung“ erscheint ohne Kino-Umweg auf DVD.

Actionheldinnen sind selten im Film, Regisseurinnen bei Actionfilmen ebenfalls – bei diesem Genre tropft vornehmlich Männerschweiß. Der britische Film „Close“, der jetzt  als DVD erscheint, fällt da mehrfach heraus. Inszeniert,  geschrieben und produziert hat den Film die Britin Vicky Jewson, die Hauptfiguren sind durchweg Frauen. Die Männer in „Close“ sind öfter böse als nicht und haben insgesamt eine geringe Lebenserwartung – nicht zuletzt dank der Hauptfigur Sam, gespielt von der Schwedin Noomi Rapace („Verblendung“).

Sam ist Personenschützerin, eine Spitzenkraft, was gleich die erste Szene zeigt: In einem afghanischen Wüstengebiet rettet sie das Leben einiger attackierter Journalisten mit fast stoisch wirkender Effizienz, jenseits üblicher filmischer Actionposen. Den nächsten Auftrag erhält sie nach der grafisch eleganten, kaleidoskopartigen Titelsequenz, unterlegt mit einer Elektropop-Version von Kate Bushs „Running up that hill“: Sie soll eine widerborstige Millionärstochter beschützen, deren Vater gerade gestorben ist und deren Stiefmutter die Geschäfte weiter führt; ein entscheidender Unternehmens-Deal steht bevor, bei dem das spätpubertäre Party-Girl namens Zoe nur stört, und so wird es in eine abgelegene High-Tech-Festung nach Marokko landverschickt, mit Sam, dem wortkargen Bodyguard.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Mutter-Tochter-Anmutung ist das noch nicht – aber die Personenschützerin Sam hat  die zickige Berufstochter doch schon ein wenig beeindruckt; indem sie etwa eine zudringlichen Verehrer in der Disko mit einem schraubstockartigen Griff in den Schritt auf den Boden der Tatsachen quetscht.

Als die Villen-Festung nachts attackiert wird (in einer enorm spannenden Sequenz), stranden die beiden in Tanger, verfolgt von Finstermännern und korrupten Polizisten. Ein ungleiches Paar auf der Flucht, das sich zusammenraufen muss – revolutionär neu ist das nicht. Aber „Close“ funktioniert über weite Strecken als schnörkelloser Action-Film. Die Kampfszenen sind knochentrocken inszeniert, es gibt keine Zeitlupen-Orgien, hier wird auf kleinem Raum, ob in einem Polizeiwagen oder Hotelzimmer, gewürgt und getreten – einmal sogar unter Wasser, umschwommen von irritierten Fischen –, dass es beim Zuschauen durchaus schmerzt. Das könnte nun einfach ein kompetenter Actionfilm sein, bloß mit einer Frau als Hauptfigur. Aber Rapace zeichnet mit wenigen Sätzen und reduzierter Mimik das Porträt einer eisern Beherrschten, über Wasser gehalten von unbändigem Überlebenswillen, die in ruhigen Momenten zittrige Hände bekommt. Was genau sie antreibt, bleibt erst einmal im Dunkeln und macht die Figur zu einem faszinierenden Rätsel.

Aber so unsubtil wie ein Tritt hinters Ohr wird der Film, wenn er die Psychologie seiner Figur erklärt. Dass Sam ein Kind hat, wird im Laufe des Films einige Male angedeutet und dann im Dialog ausgebreitet – das habe sie sich ausgedacht, sagt Regisseurin/Autorin Jewson im Bonus-Material der DVD, um den Film „einen emotionalen Kern“ zu geben. So funktional und drehbuch-mechanisch fühlt sich das im Film allerdings auch an; es macht „Close“ nicht zum misslungenen Film – aber viel besser wäre er ohne diesen Psycho-Ballast gewesen. Müssen Actionhelden/heldinnen, siehe die jüngsten Bondfilme, immer ein Trauma mit sich herumtragen? Todesgefahr reicht doch schon.

Erschienen bei Eurovideo.