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Das Saarlandmuseum zeigt eine Installation von Hans Peter Feldmann.

Foto-Installation im Saarlandmuseum : Vergänglichkeit wabert durch Galerie

Die Moderne Galerie in Saarbrücken zeigt ein Schlüsselwerk von Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann, der in seinen Foto-Serien eigene und kollektive Erinnerungen thematisiert.

Im Obergeschoss des Altbaus der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken herrscht eine fast schon sakrale Atmosphäre. Im sanften Halbdunkel hängen dort in strenger Reihung 101 Schwarz-Weiß-Porträts in schwarzen Rahmen ohne Passepartouts an den Wänden. Von den Abgebildeten erfährt man nicht mehr als den Vornamen und das Alter. Und doch verraten die Porträts viel über die Person und ihr Leben. Im Zentrum des Raumes steht eine Glasvase mit Blumen, die ein Mal pro Woche gewechselt werden.

Andächtig schreitet man die Fotografien von Hans-Peter Feldmann ab. Sie zeigen Menschen von der Geburt bis zum 100. Geburtstag. Für jedes Lebensjahr steht ein Mensch, den der Künstler im entsprechenden Alter fotografiert hat. Die in den Jahren 1996 bis 2000 entstandene Serie „100 Jahre“ bildet Familienmitglieder, Freunde und Bekannte des Künstlers ab und zeichnet eine Chronologie des menschlichen Lebens, in der sich der Betrachter einordnen und einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werfen kann. Schnell beginnt man, sich mit den Menschen im entsprechenden Lebensjahr zu vergleichen und sich im Zyklus des Lebens zu positionieren. Das Gefühl von Vergänglichkeit liegt im Raum.

Feldmann, geboren 1941 in Düsseldorf, ist ein bekannter, international gefragter Konzeptkünstler. Er arbeitet vor allem als Fotograf, immer wieder aber auch mit malerischen und bildhauerischen Mitteln. Der Künstler ist bekannt für seine Wortkargheit, was das Verständnis seines Werkes nicht eben erleichtert und viele Deutungsmöglichkeiten und Assoziationsräume öffnet. Spielerisch konfrontiert er den Betrachter mit dessen eigener Bildwelt und Wahrnehmung. Dabei unterläuft er mit seinen Arbeiten, die oft auf gesammelten Fotos, Zeitungsausschnitten oder Collagen basieren,  jede Form von Kategorisierung und Sinngebung. Eine Bedeutung ergibt sich erst durch die Interpretation des Betrachters.

Offensichtlich sind Anklänge an die sachlich-konzeptuelle Fotografie von August Sander, wie der Kurator der Ausstellung Roland Augustin betont. Tatsächlich finden sich in Feldmanns Fotobüchern Hinweise auf Sander und sogar Gegenüberstellungen seiner Arbeiten und Sanders Fotografien aus dem epochalen Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Ideen von Dokumentation und Archivierung stehen bei beiden Künstlern im Vordergrund. Konzept und Idee sind bei Feldmann aber weitgehender und laden zur Bestimmung ein.

In einem seiner raren Interviews hat der mehrfache Documenta-Teilnehmer erzählt, dass er zum Kunstmachen durch Ängste und Zwänge getrieben wird. Man kann sich unschwer vorstellen, was ihn im ausgestellten Werk „100 Jahre“ umgetrieben hat. Feldmann vergegenwärtigt uns den Zyklus des Lebens: das Geborenwerden, das Heranwachsen und das Altern, das mit dem Tod sein Ende findet. Wie die Blumen in der Vase auf dem Podest im Raum blühen wir auf und welken dahin.

Die Installation von Hans-Peter Feldmann ist bis 17. November 2019 zu sehen. Geöffnet: Di/Do/Fr bis So: 10 bis 18 Uhr. Mittwochs bis 20 Uhr.