Das Saarländische Staatsorchester spielte in der Saarbrücker Congresshalle.

Sinfoniekonzert in der Congresshalle : Instrumentaler Glanz in seiner ganzen Pracht

Das Saarländische Staatsorchester spielte in der Saarbrücker Congresshalle unter dem Motto „Im Widerspruch“.

(fa) Im ersten Sinfoniekonzert des Saarländischen Staatsorchesters in der Saarbrücker Congresshalle setzte Generalmusikdirektor Sébastien Rouland ganz aufs Französische. „Im Widerspruch“ war das Motto, im Programmheft durch einen Ausspruch des Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling vorangestellt. „Hier also der Widerspruch, dass der Mensch das, was er will, durch sein Wollen zunichte macht.“ Dadurch entstünde „jene innere umtreibende Bewegung“ durch das Suchende, das dabei das Gesuchte „in einer beständigen Flucht vor sich her treibt.“

Ob Claude Debussy das bei seiner „Petite Suite“, Miniaturen für Klavier zu vier Händen, so empfunden hat, sei dahingestellt. In der kongenialen Instrumentierung von Henri Büsser wird das Klangmalerische, das Debussy im Klaviersatz verborgen hat, deutlich und leicht fassbar. Rouland gelang mit dem Staatsorchester eine fein gestaltete, subtil austarierte, heitere Interpretation. Dagegen kreisen die sechs Lieder „Les nuits d’été“ von Hector Berlioz um Verlust und Tod. Unter dem Eindruck seiner Ehe-Katastrophe hat Berlioz Texte von Théophile Gautier aus dessen Gedichtsammlung „La comédie de la mort“ (sie waren im Programmheft leider nicht nachzulesen) feinsinnig und tiefgehend vertont.

Judith Braun schmückte ihren sicher geführten Mezzosopran mit Vibrato und lyrischem Glanz, gestaltete sensibel und mit gebührender Dramatik. Doch in der tiefen Lage versank sie etwas zu sehr in den Streicherwogen, obwohl sich Rouland sehr um Transparenz und dynamischen Ausgleich bemühte. (Es kann aber auch am akustisch ungünstigen Platz des Rezensenten gelegen haben.)

An Franz Liszts Idee der „Monothematik“ hat sich Camille Saint-Saëns in seiner letzten, der dritten Sinfonie, auch Orgelsinfonie genannt, orientiert. Das „Dies irae“ aus der Totenmesse zieht sich, vielfach variiert, durch dieses „Opus magnum“. Rouland zelebrierte all das weit gefächerte Lyrische des ersten Teils klangschön und intensiv, harmonisch unterfüttert von der (elektronischen) Orgel des Christian Schmitt, der dann im zweiten Teil auch das Plenum bemühen konnte, um das majestätische Blech und die hymnischen Streicher zu unterstützen. Die machtvolle Schlusssteigerung mit Posaunenchoral, empor schießenden Streicherskalen und dröhnendem Orgelpunkt machten Saint-Saëns Aussage verständlich: „So etwas werde ich nie wieder schreiben.“ Da hatte er wohl recht. Und Rouland hatte sicherlich auch recht, dass er all den instrumentalen Glanz, die akademische Kontrapunktik, die eingängige Melodik und das heroische Pathos in seiner ganzen Pracht ausbreitete. Exzellent.