Das Programm der Buchmesse Saar im Juni 2020

Buchmesse Saar im Juni 2020 : „Kommen Sie, das wird toll“

Die Buchmesse Saar, die im Juni 2020 Premiere feiert, hat am Mittwoch ihr Programm vorgestellt. Die Messe in der Saarlandhalle und in der Congresshalle hofft auf 20 000 Besucher.

Benjamin Kiehn redet nicht drum herum. Vorwürfe hätte es schon gegeben, sagt er; von möglichem „Literaturkannibalismus“ sei die Rede gewesen und von der Sorge um eigene Fördergelder, die jetzt vielleicht seiner Idee der „Buchmesse Saar“ zufließen könnten. Aber Kiehn versichert, keine öffentlichen Fördergelder zu bekommen, nur Unterstützung in Form von Kooperationen; „mit 90 Prozent“ der Kolleginnen und Kollegen der anderen Buchmessen im Saarland habe man sich gut verständigt. Etwa mit der neuen saarländischen Phantastik-Buchmesse Fabula und dem Festival erLesen!, die als Partner mit im Boot sind, auf dass man sich gegenseitig unterstützt und bewirbt. „Das funktioniert“, sagt Kiehn und rät dann auch, nächste Woche die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken zu besuchen, diesen „Diamanten im Saarland“.

Ein Edelstein soll auch die erste „Buchmesse Saar“ 2020 werden, die Kiehn am Mittwochmorgen vorgestellt hat, zusammen mit Messeleiter Karsten Wolter und  Diana Wolter (Organisation / Literarische Leitung). Abgeschlossen ist das Programm noch nicht, sagt Kiehn, es wird noch weiter wachsen, zumal jetzt erst die Werbekampagne beginnt – unter anderem mit einem originellen Buchmessen-Trailer von David Silvester Kirsch / Dave Movies, einer Ode an das Lesen an sich.

Messeproduzent Benjamin Kiehn, der auch der Kopf hinter der Phantastik- Convention Fark in Reden ist. Foto: Elke Jacobi

Für die Messe vom 19. bis 21. Juni in der Saarlandhalle (und an zwei Abenden auch in der Congresshalle) haben laut Kiehn schon 79 Autorinnen und Autoren zugesagt, über 50 Verlage und 30 „sonstige Aussteller“, darunter Antiquariate etwa und auch ein Möbelbauer – falls man sich etwa einen besonderen Lesesessel zimmern lassen will. Unter den ausstellenden Verlagen sind hiesige Unternehmen und auch überregionale Branchengrößen (siehe Infokasten). Die großen Verlage stellen in der Haupthalle aus, die kleineren Verlage, Selfpublisher, Autorinnen und Autoren und weitere Aussteller ziehen ins Foyer und in den „Wintergarten“ der Saarlandhalle. Dort liegt die Auslastung laut Benjamin Kiehn schon bei 75 Prozent, in der großen Halle bei 70. Karsten Wolter erzählt von der letzten Buchmesse in Leipzig im März, bei der man Verlage ansprach: „Wir haben eine leere Halle, kommen Sie, das wird toll.“ Der Satz scheint gewirkt zu haben.

Messeleiter Karsten Wolter, der in Dillingen die Buchhandlung Drachenwinkel führt. Foto: Wolter

Auch das Restaurant in der Saarlandhalle wird für die Messe bewirtschaftet, versprochen wird Essen „für jeden Geldbeutel“, für Vegetarier, Fleischesser und Freunde veganer Kost. Drei „Lounges“ gibt es: eine besonders für genussfreudige Freunde des Whiskys und Ähnlichem, eine zweite mit Live-Streams  für Medienaffine und eine dritte für bundesweite Blogger, die über die Messe schreiben – um die 20 haben sich schon angemeldet, sagt Kiehn.

Diana Wolter (ebenfalls Buchhandlung Drachenwinkel) ist bei der Messe für die literarische Leitung zuständig. Foto: Lichtinspektor

An zwei Abenden gibt es auch Programm in der Congresshalle: Freitags wird Tommy Krappweis, unter anderem Vater von „Bernd das Brot“, eines seiner „Ghostsitter“-Hörspiele erstmals in Deutschland live aufführen – zusammen mit Wigald Boning und Schauspieler plus James-Bond-Teutone Götz Otto. Der Auftritt wird zur weiteren Vermarktung mitgeschnitten. Samstags gibt es einen Krimi-Abend mit Ralf Kramp, Romy Hausmann und Arno Strobel.

Eine Podiumsdiskussion wird sich dem Thema „Künstliche Intelligenz“ widmen, mit der preisgekrönten Autorin Theresa Hannig („Die Optimierer“) und Experten des Saarbrücker Cispa Helmholz-Zentrums für Informationssicherheit. Vorträge für Fachbesucher gibt es ebenfalls. Unter anderem von „Dock 11“, der Plattform von Saar-Wirtschaftsministerium und dem Verein Saaris, der Innovationen im Land fördern soll. Um das Vermarkten des eigenen Schreibens in der digitalen Welt soll es gehen.

Ein Partner der Buchmesse Saar ist das Wiesbadener Fest „Queer gelesen“ mit schwuler, lesbischer und transsexueller Literatur – deren Organisatoren werden einige ausgewählte Autorinnen und Autoren in die Saarlandhalle schicken.

Leseförderung ist eines der Ziele der Messe, deshalb ist der Eintritt am Messefreitag für Kinder, Jugendliche, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer frei. In Zusammenarbeit mit dem saarländischen Kulturministerium will Messeleiter Karsten Wolter vor allem Schulen und Kindergärten für diese Gelegenheit, eine Buchmesse zu erleben, interessieren. An den Nachwuchs richtet sich auch der Jugendschreibwettbewerb, der ab Januar 2020 ausgeschrieben wird, unterstützt vom Friedrich-Bödecker-Kreis. Vorlesetermine und Preisgelder von insgesamt 1000 Euro des saarländischen Kulturministeriums winken den Nachwuchsliteraten ab 14 Jahren.

Insgesamt also durchaus eine Großveranstaltung – und, wenn alles so funktioniert wie nun ambitioniert geplant, ein großer Wurf. Wie finanziert man so etwas? Mit Sponsorenmitteln, sagt Kiehn, mit Kooperationen – und der Rest sei eben „des Kaufmanns Glück“, denn im Grunde „verkaufen wir als Veranstalter ja Fläche“. Und Eintrittskarten: 450 Tickets sind schon ohne Werbung verkauft, insgesamt hoffen Kiehn und die Wolters auf 20 000 Besucher an den drei Messetagen. Derweil arbeiten sie weiter am Programm – im Februar soll es da die nächste Wasserstandsmeldung geben.

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